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Rübelt, Lothar#

* 8. 4. 1901, Wien

† 4. 8. 1990, Klagenfurt (Kärnten)


Fotograf


Lothar Rübelt. Foto, 1930er Jahre, © Öst. Inst. f. Zeitgeschichte, Wien - Bildarchiv, für AEIOU
Lothar Rübelt. Foto, 1930er Jahre
© Öst. Inst. f. Zeitgeschichte, Wien - Bildarchiv, für AEIOU
Lothar Rübelt wurde am 8. April 1901 in Wien geboren.

Kurz vor Ende des 1. Weltkriegs trat er in die Leichtathletiksektion des Wiener Athletiksport-Clubs (WAC) ein; 1919 begann er an der Technischen Hochschule in Wien Maschinenbau und Elektrotechnik zu studieren.

Fasziniert von den neuen, leichteren Sportkameras (im Gegensatz zu den herkömmlichen, umständlichen 13x18-Glasplattenkameras) wandte er sich der Sportfotografie zu: sein Gespür für Bewegungsabläufe ermöglichte ihm eine neue Form der Sportfotografie - er führte die Bewegung als gestalterisches Element in die Fotografie ein.


1924 gründete er gemeinsam mit seinem Bruder Ekkehard die Agentur Photo-Rübelt in Wien und 1926 drehten sie zusammen - als passionierte Motorradfahrer - den erfolgreichen Dolomitenfilm "Mit dem Motorrad über die Wolken".


Nach dem Tod seines Bruders (1926) bei einem Motorradunfall brach Lothar sein Studium ab und konzentrierte sich ganz auf die Bildberichterstattung. 1929 war Lothar Rübelt einer der ersten Pressefotografen mit Leica-Ausrüstung und damit ein Pionier der "schnellen" Fotografie: er lieferte Bilder zu "Beckmanns Sport-Lexikon" (erschien 1933) und war als hochdotierter Sportkorrespondent von 1935 bis 1945 für die "Berliner Illustrirte Zeitung" tätig. Als offizieller Bildberichterstatter fotografierte er 1936 bei den Olympischen Spielen in Berlin.



Daneben stand der Name Rübelt auch für tagesaktuelle Bildberichte (Brand des Justizpalastes in Wien, 1927), sozial interessierte Reportagen (Elendsquartier in Steyr, 1931/32) sowie Reiseessays (England und Schottland, 1932; Norwegen, 1935).


1938 wurde er als Bildreporter im Sudetenland eingesetzt und nahm - zu einer sogenannten Propagandakompanie eingezogen - als Kriegsberichterstatter am Polenfeldzug teil.

Von 1942 bis 1945 war er als wissenschaftlicher Fotofachmann im Reservelazarett IX in Wien tätig (um u. a. die Versorgung von Kriegsversehrten durch den Chirurgen Lorenz Böhler fotografisch und filmisch zu dokumentieren).



Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete er für zahlreiche Zeitschriften, darunter "Heute" und "Wiener Illustrierte" und die "Picture Post". Er kehrte wieder zur Sportfotografie zurück und war als akkreditierter Pressefotograf bei allen Olympischen Spielen zwischen 1948 und 1960 tätig.


Zahlreiche Auslandsreisen führten ihn unter anderem 1958 als Begleitung von Bundeskanzler Raab nach Rom, Moskau und in die USA. Ab 1960 fotografierte er auch für die Fremdenverkehrswerbung.


1985 wurde mit der Ausstellung "Das Geheimnis der Moments" erstmals das Gesamtwerk eines lebenden Fotografen in der Albertina präsentiert.


Lothar Rübelt starb am 4. August 1990 in Klagenfurt.



Lothar Rübelt gilt als führender Vertreter der Sportfotografie nach 1930 und als bedeutender politisch-zeitgeschichtlicher Chronist der Ersten Republik.

Der gesamte Nachlass Lothar Rübelts ist seit 2002 Leihgabe an der Nationalbibliothek und umfasst mehr als 45.000 Positive, 54 Ordner Kleinbildnegative und ca. 20.000 Glasplatten sowie 8300 Dias, die -zuzüglich Korrespondenzen, Bücher, Fotozeitschriften und persönlichen Gegenständen- sein Fotografenleben umfangreich dokumentieren.

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • Goldenes Verdienstzeichen der Republik Österreich, 1959
  • Goldmedaille des Olympischen Komitees für seine Arbeit bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom, 1960
  • Verleihung des Berufstitels "Professor", 1983
  • Großer Preis der Stadt Wien für Fotografie, 1985
  • George-Eastman-Medaille, 1986

Werke (Auswahl)#

  • Berliner Illustrierte Zeitung, 2. Olympia-Sonderheft, 1936
  • Die 5. Olympischen Winterspiele St. Moritz, 1948
  • Olympische Winterspiele Oslo, 1952
  • Ringturm, 1952
  • Foto-Treffer im Schnee, 1958
  • Bildband "Österreich zwischen den Kriegen", 1979
  • Bildband "Sport. Die wichtigste Nebensache der Welt",1980
  • Momente zur Fotografie, 1986

Quellen#



Redaktion: I. Schinnerl