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Rainer, Virgil#

* 27. 11. 1871, Matrei in Osttirol

† 24. 10. 1948, Innsbruck


Bildhauer

Virgil Rainer wurde am 27. November 1871 in Matrei in Osttirol in einer kleinbäuerlichen Familie (mit 8 Geschwistern) geboren.

Er trat 1993 in die Staatsgewerbeschule in Innsbruck ein, musste die Schule aber ein Jahr später aus Geldmangel abbrechen und trat beim Kunsttischler Josef Alber in Matrei am Brenner in die Lehre. Nach seiner Gesellenprüfung arbeitete er kurz in einer Großtischlerei in München.

Nach seiner Rückkehr nach Matrei machte er sich selbständig und verdient sich das Startkapital für den Besuch der Königlichen Kunstgewerbeschule in München, die er von 1900 bis 1903 besuchte.

Nach erfolgreichem Abschluss der Schule bewarb er sich um Aufnahme in die Akademie der bildenden Künste in Wien, wo er – obwohl er bereits 32 Jahre alt war – auch aufgenommen wurde. Er studierte von 1903 bis 1910 bei Hans Bitterlich und Edmund von Hellmer und erhielt nach Abschluss der Meisterklasse ein Stipendium für einen Italienaufenthalt.

Danach war er von 1912 bis 1915 in Berlin ansässig, ehe er heiratete, sich in Innsbruck niederließ und mit eigenem Atelier selbständig machte. Doch die Not in dieser Zeit war groß: seine Aufträge waren meist Kriegerdenkmäler in vielen Orten Tirols.

So folgte er 1921 einem Ruf nach Amerika: in Milwaukee schuf er in den Folgejahren die Großplastiken "Christoph Columbus" und "Christus", mit denen er seinen Ruf als Monumentalbildhauer auch in Übersee begründete; daneben entstand eine Reihe kleinerer Kunstwerke.

Da ihm seine Familie nicht nach Amerika folgen wollte, kehrte er 1925 zurück. Ein Jahr später allerdings reiste er ein zweites Mal in die Vereinigten Staaten: es war ein glückloser Aufenthalt - einen lukrativen Großauftrag konnte er leider infolge eines Unfalls nicht ausführen, so kehrte er mit einem gebrochenem Arm nach Innsbruck zurück. Es folgte seine schaffensreichste Zeit: Grabdenkmäler, Kriegerdenkmäler, Kleinplastiken, aber auch Weihnachtskrippen oder Gipsarbeiten. 1928 erhielt er seinen einzigen öffentlichen Auftrag: 465 lebensgroße Trachtenfiguren für das Tiroler Volkskunstmuseum (1 Mann davon in Matreier Hochzeitstracht ist ein Selbstbildnis).

Nach dem Anschluss Österreichs wurde es ruhig um Virgil Rainer, er konnte mit kleineren Aufträgen gerade noch seinen Lebensunterhalt bestreiten. Seine letzten größeren Werke waren zwei Madonnenstatuen (Matrei und Alberschwende / Vorarlberg).

Virgil Rainer starb am 24. Oktober 1948 und wurde am Innsbrucker Westfriedhof, nur wenige Meter von einem seiner Kunstwerke entfernt, begraben.

Denkmal Clemens Maria Hofbauers am Wiener Minoritenplatz
Denkmal Clemens Maria Hofbauer
Foto P. Diem

Virgil Rainer gehört zu den bedeutenden Tiroler Bildhauern des 20. Jahrhunderts und wurde auch über die Grenzen des Landes hinaus bekannt. In einem naturalistischen, von der Denkmalkunst und der Secession beeinflussten Stil war er vor allem im Bereich der religiösen Großplastik tätig. Er war Mitglied Künstlergruppe "Erde" (mit Toni Kirchmayr, Fritz Antoniacomi, Jakob Mitterer, Franz Frech) und hatte mit ihr Gemeinschaftsausstellungen in der Innsbrucker Handelskammer (1933) und bei der Landesausstellung (1936).

Werke (Auswahl)#

  • Prozessionsfiguren, Pffarrkirche Matrei i. Osttirol)
    • Hl. Antonua, 1906
    • Notburga, 1914
    • Alban, 1937
  • Freiheitskämpferdenkmal (St. Veit in Defereggen), 1909
  • Religiöse Großplastiken
    • Kolumbus, Alverina University, Chicago, 1921
  • Mutter mit Kind (Tiroler Landesmuseum)
  • Trachtenfiguren (Tiroler Volkskundemuseum)
  • zahlreiche Marmorgrabsteine (Wien, Innsbruck)
  • Kriegerdenkmäler (Landeck, Innsbruck-Pradl, Virgen, Heiterwang, Reith b. Brixleg, Traunstein/Bayern)
  • Betender Christus am Grab seiner Eltern am Friedhof von Matrei
  • Clemens Hofbauer Denkmal an der Außenmauer der Minoritenkirche in Wien

Literatur#

  • Klaus Steiner: Virgil Rainer. Vom Bauernsohn zum akademischen Bildhauer. Selbstverlag, Matrei 1991.

Quellen#


Redaktion: P. Diem, I. Schinnerl