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Reisch, Max#

* 2. 10. 1912, Kufstein (Tirol)

† 18. 1. 1985, Kufstein (Tirol)


Geograph, Diplomkaufmann, Orientforscher, Reiseschriftsteller, Vortragender
Pionier der motorisierten Verkehrsgeschichte, Mitgründer des Automobil Veteranen Club Austria


1952 Dr. Max Reisch in Saudi-Arabien, © Reisch - Orient-Archiv
1952 Dr. Max Reisch in Saudi-Arabien
© Reisch - Orient-Archiv
Max Reisch war Sohn einer traditionsreichen Tiroler Kaufmannsfamilie.

Er besuchte Schulen in Bozen, Kufstein und in Mödling bei Wien, wo er 1931 die Reifeprüfung ablegte. Er wurde HTL-Ingenieur und studierte drei Semester das Fach Architektur an der TH in Wien und begann das Studium an der Hochschule für Welthandel. Abschlüsse: 1938 Diplomkaufmann, 1939 Doktor der Handelswissenschaften.

1931 im Kaisergebirge, © Reisch - Orient-Archiv
1931 im Kaisergebirge
© Reisch - Orient-Archiv
In den Jugendjahren erkundete er als aktiver Bergsteiger und Schifahrer mit seinen Freunden die Heimat Tirol und das Rax–Schneeberg Gebiet bei Wien.


Der Student fuhr im Winter Motorrad Ski-Jöring Rennen, in den Sommern 1930 und 1931 unternahm er eine 12-Pässe-Fahrt durch die Alpen und eine Norditalien und Gardasee - Fahrt mit seinen Puch – Motorrädern der Type 175 ccm.


1932 wagte Max Reisch mit Alfred Schricker als Beifahrer seine erste Fernfahrt in den Norden der Sahara, wieder mit Puch, einer Type 250 ccm.

Erstmals hatte ein österreichisches Motorrad Nordafrika erreicht und Algerien, Tunesien und Libyen befahren.


Im Jahr 1933 folgte die nächste Expedition, erneut auf Puch-Type 250, diesmal mit Spezialausrüstung. Mit Herbert Tichy ging seine zweite Fernreise von Wien bis nach Bombay. Max Reisch war der Erste Motorradfahrer, der den Landweg nach Indien erfolgreich bewältigte.


1932 Nordafrika, im Hohen Atlas, © Reisch - Orient-Archiv
1932 Nordafrika, im Hohen Atlas
© Reisch - Orient-Archiv
Max Reisch beim Start zu seiner Indienfahrt am 28. Juli 1935., © Öst. Inst. f. Zeitgeschichte, Wien - Bildarchiv, für AEIOU
Max Reisch beim Start zu seiner Indienfahrt am 28. Juli 1935.
© Öst. Inst. f. Zeitgeschichte, Wien - Bildarchiv, für AEIOU
Wien, 1933 Start zur Indienfahrt, Beifahrer H. Tichy, © Reisch - Orient-Archiv
Wien, 1933 Start zur Indienfahrt, Beifahrer H. Tichy
© Reisch - Orient-Archiv


Als Reiseberichterstatter machte er sich ab 1931 einen Namen, seine Fahrt nach Indien sorgte 1933 in Europa für Schlagzeilen.


Seine Tätigkeit als Vortragender (Dias und Filme), später unterwegs in ganz Europa, begann in dieser Zeit, Max Reisch hielt über 50 Jahre unzählige Vorträge im deutschsprachigen Raum.


Als Expeditionsleiter der Weltfahrt 1935/36 mit dem neuen Steyr Type 100 fand der Österreicher weltweite Anerkennung; dem Kufsteiner Studenten gelang mit Beifahrer Helmuth Hahmann aus Wien die Erstdurchquerung von Hinterindien (Burma, Thailand, Laos nach China) mit einem Automobil.


1935, Burma, in den Sümpfen des Irrawadi, © Reisch - Orient-Archiv
1935, Burma, in den Sümpfen des Irrawadi
© Reisch - Orient-Archiv
1943 Afrika. am Weg zur Oase Siwa, © Reisch - Orient-Archiv
1943 Afrika. am Weg zur Oase Siwa
© Reisch - Orient-Archiv
1952 1954 viersitziger Kleinwagen, © Reisch - Orient-Archiv
1952 1954 viersitziger Kleinwagen
© Reisch - Orient-Archiv


Im Zweiten Weltkrieg wurde Dr. Max Reisch dem Afrika Korps zugeteilt; der Kenner der Verhältnisse musste zahlreiche Erkundungsfahrten in der Libyschen Wüste durchführen.

Nach dem Krieg war der Wiederaufbau die vordringlichste Aufgabe: von 1946 bis 1950 gab er zusammen nach den Ideen seines älteren Bruders der Handels-Firma der Familie neue Strukturen, es erfolgte 1954 in Kufstein die Gründung der österreichischen SPAR–Großhandelskette.


Der passionierte Weinherr Max Reisch brachte in diesen Jahren auch den geerbten bombengeschädigten Weinhof in Bozen wieder in Ordnung, bald wieder konnten St. Magdalener Trauben produziert werden.


Der Konstrukteur Max Reisch befasste sich in den Nachkriegsjahren mit mehreren Projekten, wie der Motorisierung von Fahrrädern, der Konstruktion eines viersitzigen Kleinwagens mit Unterflur-Heckmotor und eines "Stahlcabriolet" (Patentanmeldung 1947).


1950 Bergrennen am Pfaffensattel, Steiermark, © Reisch - Orient-Archiv
1950 Bergrennen am Pfaffensattel, Steiermark
© Reisch - Orient-Archiv
1952 in den Ölfeldern von Kuwait, © Reisch - Orient-Archiv
1952 in den Ölfeldern von Kuwait
© Reisch - Orient-Archiv
1953 am Rande der Sahara in Medenine, © Reisch - Orient-Archiv
1953 am Rande der Sahara in Medenine
© Reisch - Orient-Archiv


Im Jahr 1950 errang der Motorsportler 38-jährig den österreichischen 'Rallye–Staatsmeistertitel und wurde der erste Tiroler, der den OSK-Pokal gewinnen konnte.

Ein großes Interesse von Max Reisch galt der Erhaltung von Veteranen-Kraftfahrzeugen als technisches Kulturgut, er war einer der ersten Oldtimer-Sammler Österreichs und eröffnete 1951 in Innsbruck beim ÖAMTC die "Sektion Historische Fahrzeuge", der er als Obmann bis 1956 vorstand. 1962 war er Gründungsmitglied der ersten österreichischen Oldtimervereinigung, des "Österreichischen Motor Veteranen Club" in Wien.


Stets trachtete er die Fahrzeuge, mit denen er seine Fernreisen unternahm, für die Nachwelt zu erhalten - es entstand im Laufe der Jahrzehnte die "Collection Max Reisch", eine weltweit einzigartige Sammlung von Expeditionsfahrzeugen eines einzelnen Fernreisenden.


1956 in den 3 Wüsten Ägyptens, © Reisch - Orient-Archiv
1956 in den 3 Wüsten Ägyptens
© Reisch - Orient-Archiv
1958 Christiane und Max Reisch, Zeltlager im Irak, © Reisch - Orient-Archiv
1958 Christiane und Max Reisch, Zeltlager im Irak
© Reisch - Orient-Archiv
1961 mit Wohnwagen in Anatolien, © Reisch - Orient-Archiv
1961 mit Wohnwagen in Anatolien
© Reisch - Orient-Archiv


Erst 1952 war wieder eine Fernfahrt möglich. Die Erforschung der Wüsten der Arabischen Halbinsel war das Ziel dieser Expedition, sein Begleiter Dr. Rolf Hecker. Die Österreichische Arabien Expedition führte durch Jordanien in das das Königreich Saudiarabien bis zu den Ölfeldern nach Kuwait.


1953, als touristischer Konsulent des ÖAMTC eingesetzt, erbrachte Max Reisch, begleitet von seiner Frau Christiane den Beweis, dass eine Ferienreise nach Nordafrika und auch in die Randgebiete der Sahara mit geringem Aufwand für Jeden möglich wäre.


1962 mit Rotel Tours nach Indien, © Reisch - Orient-Archiv
1962 mit Rotel Tours nach Indien
© Reisch - Orient-Archiv

Der Winter 1955/56 stand im Zeichen der Erforschung der 3 Wüsten Ägyptens. Unter dem Patronat des ÖAMTC wurden die Wüsten östlich und westlich des Nil-Flusses und die Wüste Sinai durchfahren, Begleiterin war Ehefrau Christiane Reisch.


1958 stand eine historische Expedition im Mittelpunkt seiner Forschungstätigkeit. Den Weg des Heereszuges Alexanders d.Gr. zum Indischen Subkontinent galt es mit einem PKW nachzufahren, dabei wurden auch touristischen Aspekte für den ÖAMTC in Persien und Afghanistan geprüft.


Auf den Spuren der Kreuzritter war das Thema seiner letzten Individualfahrt. Max Reisch benützte dabei einen PKW mit Campingwagen, diese Fahrt gilt als die erste Wohnwagenreise von Europa in den Orient.


Der gesuchte Orientfachmann und Geograph organisierte ab 1959 geführte Gruppenreisen für den aufkommenden Bustourismus. Pionierfahrten mit Omnibussen und Schlafanhänger in den Nahen Osten, nach Indien und in die Sahara standen unter seiner Leitung.


In den späten Lebensjahren widmeten sich Max Reisch und sein Sohn Peter Reisch dem Ordnen seiner Sammlungen.
Fotografien, Filme und Tondokumente, Asiatika und Reiseandenken wurden katalogisiert und das "Reisch-Orient-Archiv" gegründet.


© Reisch - Orient-Archiv
© Reisch - Orient-Archiv
© Reisch - Orient-Archiv
© Reisch - Orient-Archiv
© Reisch - Orient-Archiv
© Reisch - Orient-Archiv
© Reisch - Orient-Archiv
© Reisch - Orient-Archiv


Neben seinen Fernreisemotorrädern und Automobilen, die samt Zubehör original erhalten blieben, bewahrte er in seiner Heimatstadt Kufstein auch noch andere Veteranenfahrzeuge. Von 2000 bis 2007 wurde eine Ausstellung über seine Expeditionen in Innsbruck gezeigt. Seit 2008 ist die Sammlung seiner Fahrzeuge im Reisch-Orient-Archiv auf seinem Weinhof in Bozen/Südtirol untergebracht.
(Anmeldungen zur Besichtigung der Ausstellung unter reischarchiv@gmail.com )


Die Reisen wurden von Max Reisch journalistisch aufgearbeitet, es erschienen zahlreiche Bücher, die auch in andere Sprachen übersetzt wurden.


Am 18. Jänner 1985 starb der Verkehrspionier, der die Wüste so liebte.




Ehrungen und Auszeichnungen (Auswahl):

  • Goldenes Verdienstzeichen des ÖAMTC, 1954
  • Erster Preis im Schriftsteller-Wettbewerb "Reisewerk", 1954
  • Goldene Ehrennadel des Automobil- und Touring-Club Tirol, 1956
  • Verleihung des Titels "Professor", 1971
  • Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien, 1978
  • Ehrenzeichen in Silber des Motor-Presse-Club-Austria, 1981
  • Verdienstkreuz des Landes Tirol, 1982
  • Goldenes Kulturehrenzeichen der Stadt Kufstein, 1984

Werke (Auswahl)#

  • Transasien, 1939, Verlag Brockhaus, Leipzig
  • Mit 32 PS nach China, 1941, F.A. Brockhaus, Leipzig
  • TRANSASIA, 1944, norwegischer Text, Verlag Blix, Oslo
  • INDIEN - lockende Ferne, 1949, Verlag Ullstein, Wien
  • Gewürz und Teekunde, 1950, Verlag Waldheim und Eberle, Wien
  • 2 Mann und 32 PS, 1951, Verlag Ullstein, Wien
  • Im Auto nach Koweit, 1953, Verlag Ullstein, Wien
  • To ar PA FIRE HJUL, 1953, norwegischer Text, Verlag John Griegs, Bergen
  • König im Morgenland, 1954, Verlag Ullstein, Wien
  • Till KUWAIT, 1955, schwedischer Text, Verlag Natur och Kultur, Stockholm, Schweden
  • Mit 6 PS durch die Wüste, 1956, Verlag Ueberreuther, Wien
  • Auf nach Afrika!, 1957, Verlag Ullstein, Wien
  • Tapis Volants et Pipelines 1957, französischer Text, Verlag Calmann-Levy, Paris
  • Siwa - Sinai und Sid, 1958, Geographischer Verlag Kümmerly und Frey, Bern
  • Arabien Einst und Jetzt, 1958, Verlag Moritz Diesterweg, Frankfurt a. Main
  • Mit Fridolin nach Indien, 1960, Jugendbuch, Verlag Ehrenwirt, München
  • Mit Fridolin nach Siam, 1961, Jugendbuch, Verlag Ehrenwirt, München
  • Mausefalle Afrika: Meine Wüstenfahrten bei Rommel, und wie wir aus Tunis entwischt sind, 1962, K. Vowinckel, Neckargemünd
  • Strasse der Zehntausend: Auf den Spuren Alexanders des Grossen, 1962, Österreichischer Bundesverlag, Wien
  • Die Strasse des Glaubens : Auf den Spuren der Kreuzritter, 1965, Österreichischer Bundesverlag, Wien
  • Karawanenstrassen Asiens, 1974, Großer Bildband, Verlag Welsermühl, Wels
  • Gedanken über das Reisen, 1983, Anthologie, Verlag Ennsthaler, Steyr, ISBN 3 85068 168 8
  • Gedanken aus dem Orient, 1983, Anthologie, Verlag Ennsthaler, Steyr, ISBN 3 85068 170 X
  • Indien lockende Ferne: 13.000km Pionierfahrt nach Indien, 1983, Verlag W. Ennsthaler, Steyr, ISBN 3-85068-131-9
  • Im Auto um die Erde: Pionierfahrt durch Burma, Thailand, Laos, Vietnam und China, 1984, W. Ennsthaler, Steyr, ISBN 3-85068-176-9
  • India The Shimmering Dream, first overland journey to India by motorcycle in 1933, englischer Text, 2010, Panther Publ, ISBN 978-0-9556595-9-1


Leseprobe
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aus Max Reisch: INDIEN lockende Ferne (Kapitel "Die zweite große Krise")


INDIEN Lockende Ferne, Buch-Cover
© Reisch - Orient-Archiv

Jetzt waren wir gestartet zur letzten und weitaus schwersten Etappe unserer Indienfahrt. Neuntausendzweihundert Kilometer lagen schon hinter uns, seit wir Wien verlassen hatten. Und was für Kilometer das zum Teil waren! Sie müssen doppelt und dreifach gewertet werden, und dann ist das noch immer kein Maßstab für alle die Leistungen, die unser treues Motorrad schon vollbracht hatte. Jetzt waren es nur mehr achthundert Kilometer, bis uns die Asphaltstraßen Indiens tragen würden. Allerdings – diese achthundert Kilometer wollten zurückgelegt sein, durch ein wasserloses Gebiet ohne Wege, in dem es nichts gab als Sand und Sonne, die sich zu einer irdischen Hölle vereinigten.


Reisch, INDIEN Lockende Ferne
© Reisch - Orient-Archiv

Menschen? Ja, die gab es wohl in Belutschistan, aber weit unten im Süden. In dem Gebiet, das wir durchqueren mussten, gab es auf den Quadratkilometer keinen einzigen, vielleicht auf zehn Quadratkilometer einen. Wir wussten, dass wir nun für lange Zeit keinen Menschen sehen würden. Und wenn uns ein besonderer Zufall einen über den Weg führen sollte, würde dieser Mensch vor uns fliehen wie ein geängstigtes Tier.


Das seltsamste an dieser Wüste ist, dass sie Spuren menschlichen Lebens trägt, ja, dass sogar westliche Zivilisation einmal in ihr zu Hause war. Im Jahre 1917, als sich die Schatten des Ersten Weltkrieges sogar über Persien legten, haben die Engländer von Indien aus eine Eisenbahn bis nahe an die persische Grenze durch die Wüste vorgetrieben. Das war eine große technische Leistung der Verkehrserschließung, wie sie anscheinend nur der Zwang eines Krieges ermöglicht.

Reisch, INDIEN Lockende Ferne
© Reisch - Orient-Archiv
Diese aus rein strategischen Motiven gebaute Bahn war für den friedlichen Verkehr nutzlos und schon längst wieder verfallen. Zum Teil war überhaupt nichts mehr von ihr vorhanden, weil sich kilometerweit große Dünen darüber gelegt haben. An anderen Stellen überquert der Bahndamm in fast schwindelnder Höhe tiefe Wadis und ab und zu stößt man auf ein zusammengefallenes "Stationsgebäude" mit riesigen, durchgerosteten Wassertanks, aus denen einst durstige Lokomotiven tranken. Damals mußte reges Leben an dieser Bahnstrecke geherrscht haben; heute war der Mantel des Schweigens, der Einsamkeit und des Verfalls darübergebreitet.


Dieser Bahndamm, auf den wir während unserer Fahrt durch Belutschistan immer wieder stießen, erweckte in uns seltsame und widersprechende Gefühle. Einerseits brachte er uns den Gedanken der Zivilisation und des sicheren Geborgenseins sehr nahe, andererseits war uns klar, das dies nur ein seelisches Trugbild war, und dementsprechend empfanden wir unsere Einsamkeit und unsere Hilflosigkeit doppelt groß und doppelt schwer.

Reisch, INDIEN Lockende Ferne
© Reisch - Orient-Archiv



© 1983, Verlag Ennsthaler, Steyr ISBN 3 85068 131 9
Publikation mit freundlicher Genehmigung des Verlags

Weiterführendes#

Quellen#


Redaktion: Peter Reisch, Reisch-Orient-Archiv, reischarchiv@gmail.com