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Rothschild, Kurt#

* 21. 10. 1914, Wien

† 15. 11. 2010, Wien


Jurist, Nationalökonom


Kurt Rothschild wurde am 21. Oktober 1914 in Wien geboren und absolvierte ein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien, das er 1938 mit der Promotion zum Dr. jur. abschloss.


Aufgrund seiner jüdischen Herkunft flüchtete mit seiner jungen Ehefrau nach Glasgow, absolvierte dort einen Master in "Ökonomie und politischer Philosophie" und lehrte als Assistent.


Bereits während seiner Exilzeit publizierte er in John Maynard Keynes' Zeitschrift, bei seiner Rückkehr nach Wien 1947 konnte er ein Empfehlungsschreiben des späteren Nobelpreisträgers Friedrich August von Hayek (neben Ludwig von Mises der wichtigste Vertreter der Österreichischen Schule der Nationalökonomie) vorweisen.


In Wien begann er als Rreferent am österreichischen Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) zu arbeiten und habilitierte sich mit seiner "Theory of The Wages".


Ab 1962 war er Dozent an der Universität Wien und 1966 einer der Gründungsprofessoren der Kepler Universität Linz, der er bis zu seiner Emeritierung angehörte.


Seine englischsprachigen Studien und Publikationen wurden lange ignoriert und kamen erst 1966 unter dem Titel "Marktform, Löhne, Außenhandel" heraus. Schon dieser Titel legte den wissenschaftlichen Standort Rothschilds klar: er war ein Gegner des unkritischen Glaubens an die "freien Kräfte des Marktes".


Neben seiner Tätigkeit als Professor an der Universität Linz blieb er dem Wifo für 63 Jahre treu.


Am 15. November 2010 verstarb der 5fache Ehrendoktor in Wien.


Mit Kurt W. Rothschild verliert Österreich eine der bedeutendsten Persönlichkeiten im Bereich der Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftswissenschaften. Seine Ideen, Thesen, aber auch Einschätzungen haben auch dem breiten Publikum das Grundverständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge erleichtert.

Der Doyen der österreichischen Wirtschaftswissenschafter publizierte noch 2009, mit 95 Jahren: unter dem Titel "Wie die Wirtschaft die Welt bewegt" beschrieb Kurt Rothschild die Wirtschaftstheorie der vergangenen 250 Jahre.


Ihm zu Ehren findet seit 1998 an der JKU jährlich eine Kurt W. Rothschild Vorlesung statt, an der namhafte Experten zu wirtschaftsrelevanten Themen Stellung nehmen.

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • Ehrendoktorat Universität Aachen, 1987
  • Ehrendoktorat Universität, 1990
  • Ehrendoktorat Universität Bremen, 1995
  • Ehrendoktorat University of Leicester, 1995
  • Ehrendoktorat Wirtschaftsuniversität Wien, 2004

  • Wissenschaftsmedaille der Stadt Linz, 1983
  • Würdigungspreis der Stadt Wien, 1983
  • Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I.Klasse, 1986
  • Ehrenzeichen des Landes Oberösterreich, 1999
  • Bruno-Kreisky-Preis, 2010

Werke (Auswahl)#

  • Austria’s Economic Development between the Two Wars. London, 1947
  • The Theory of Wages. Oxford, 1954
  • Marktform, Löhne und Aussenhandel. Wien, 1966
  • Wirtschaftsprognose: Methoden und Probleme. Heidelberg, 1969
  • Power in Economics (Editor). Harmondsworth, 1971
  • Bestimmungsgründe der Lohnbewegung (mit E. Nowotny and G. Schwödlauer). Wien 1972
  • Arbeitslosigkeit in Österreich 1955-1977. Linz, 1977
  • Einführung in die Ungleichgewichtstheorie. Berlin, 1981
  • Theorien der Arbeitslosigkeit. München, 1988
  • Ethik und Wirtschaftstheorie. Tübingen, 1992
  • Ethics and Economic Theory. London, 1993
  • Employment, Wages and Income Distribution. London, 1993
  • Die politischen Visionen grosser Ökonomen. Göttingen, 2004

Weiterführendes#

Quellen#



Redaktion: I. Schinnerl