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Salten, Felix #

eigentlich Siegmund Salzmann

Pseudonyme:

Karl Albrecht (auch: K.A.); Karin Becker; Jeremias Eckenpfeifer;
Martin Finder (auch: m.f., M.F.); Karl Heinrich; Marie Hemmer;
Sacha Lanzelot; Sebastian Merker; Josefine Mutzenbacher (nicht zuverlässig bewiesen);
Netlas; Sacha; Felix Salten (auch: f.s, F.S., F-x S-n, -x -n); Ferdinand Stollberg


* 6. 9. 1869, Budapest (Ungarn)

† 8. 10. 1945, Zürich (Schweiz)


Schriftsteller, Feuilletonist, Dehbuch-Autor, Burgtheater-Kritiker


Felix Salten. Foto, 1907, © Bildarchiv der ÖNB, Wien, für AEIOU
Felix Salten. Foto, 1907
© Bildarchiv der ÖNB, Wien, für AEIOU

Felix Salten wurde am 6. September 1869 als Sziga (bzw. Siegmund) Salzmann als Sohn eines Ingenieurs in Budapest geboren.


Drei Monate nach seiner Geburt übersiedelte er mit den Eltern nach Wien. Nach wirtschaftlichen Schwierigkeiten seines Vaters musste er 1885 den Besuch des Gymnasiums abbrechen, arbeitete zuerst bei der Phönix-Versicherung im Innendienst und wandte sich dem Journalismus zu.


Er verfasste unter dem Pseudonym Felix Salten nebenher Kurzgeschichten und widmete sich ansonsten dem Literatenkreis "Jung-Wien" um Hugo v. Hoffmansthal, Gustav Klimt und Arthur Schnitzler.

Ab 1885 schrieb er für die "Österreichische Kunst-Chronik", ab 1886 für die Zeitung "An der schönen blauen Donau"; ab 1896 war er Feuilletonist der "Wiener Allgemeinen Zeitung", ab 1894 Mitarbeiter und von 1910 bis 1914 Burgtheaterreferent der Zeitung "Die Zeit".

Salten, der ab der Jahrhundertwende für fast alle wichtigen deutschsprachigen Zeitschriften und Zeitungen schrieb, unterzeichnete seine Artikel mit den Pseudonymen Sacha, Martin Finder, u. a. Seine Feuilletons umfassten wirklich fast alle Themenbereiche: bildende Kunst, Politik, Theateraufführungen u.a.

Obwohl er hauptsächlich Journalist war, schrieb er gleichzeitig Prosa, Theaterstücke, Operettenlibretti (unter dem Pseudonym Ferdinand Stollberg schrieb er für Johann Strauß Sohn und Oscar Strauß), und politische Essays.

Salten setzte sich vor allem für Schnitzler und Hofmannsthal und den Maler Gustav Klimt ein. Seine Kunstkritik konkurrierte mit der von Karl Kraus; die problematische Beziehung zwischen Kraus und Salten wurde nicht nur durch den Zeitungskrieg, sondern auch durch Ohrfeigen im Café Griensteidl zum öffentlichen Problem.


1902 gründete er das Kabarett »Jung-Wiener Theater Zum Lieben Augustin« und heiratete die Schauspielerin Ottilie Metzl, mit der er zwei Kinder hatte: Paul und Anna Katharina. 1906 wurde er Verantwortlicher Redakteur der "Berliner Morgenpost", kehrte aber 1910 nach Wien zurück.


Während des ersten Weltkrieges war Salten im Kriegsarchiv beschäftigt; ab 1913 verfasste er in Zusammenarbeit mit anderen Autoren Drehbücher zu Ton- und Stummfilmen.

Von 1927 bis 1933 war Salten Präsident des Österreichischen P. E. N.-Clubs.


Felix Salten, dessen Werke seit 1935 auf nationalsozialistischen Listen "schädlichen und unerwünschten Schrifttums" waren, emigrierte 1938 mit seiner Frau in die Schweiz und ging später nach Hollywood, bevor er schließlich Zürich als endgültigen Wohnsitz wählte.

Nacheinander verlor er seinen Sohn (bei einem Unfall) und seine Frau. Als gebrochener, zurückgezogener Mann erlebte er noch das Ende des Krieges und starb im Alter von 76 Jahren im Oktober 1945.

Die erfolgreiche Zeichentrick-Verfilmung seines Kinderbuches unter dem Titel Bambi durch Walt Disney durfte er noch erleben. (Er hatte die Rechte dafür um nur 1.000 Dollar verkauft, während Walt Disney mit der Verfilmung seinen Weltruhm begründete.)


Felix Salten ist auf dem Israelitischen Friedhof 'Unterer Friesenberg' in Zürich bestattet. Im 22. Wiener Bezirk ist die Saltenstraße Saltenstraße, Wien nach ihm benannt.



Felix Salten hat sehr viel geschrieben, aber nur das Wenigste davon ist heute bekannt - und dieses Wenige ist nicht wirklich mit seinem Namen verbunden, auch wenn es große Verbreitung gefunden hat: Er schuf Bambi, eine Kinderliteratur-Ikone, und das pikant-zwielichtige Buch "Josefine Mutzenbacher", das vom Autor nicht namentlich gezeichnet ist. Seine Autorenschaft des Aufsehen erregenden Romans ist nicht endgültig geklärt; im Allgemeinen wird ihm dieses Werk, das Mitte der 1970er verfilmt wurde und Kultstatus erreichte, jedoch zugeschrieben.

Er gilt heute als bedeutender Vertreter des "Jungen Wien", bekannt vor allem durch Verfilmungen seiner Bücher. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft ist Felix Salten auch Repräsentant der Exilliteratur.

Werke (Auswahl)#

  • Die Hinterbliebene. Kurze Novellen, 1900
  • Der Gemeine. Schauspiel in drei Aufzügen, 1901
  • Die Gedenktafel der Prinzessin Anna, 1902
  • Die kleine Veronika. Novelle, 1903
  • Der Schrei der Liebe. Novelle,1905
  • (Josephine Mutzenbacher) Josephine Mutzenbacher, oder Die Geschichte einer Wienerischen Dirne von ihr selbst erzählt. Privatdruck, 1906 (Die Autorenschaft von Felix Salten ist nicht eindeutig bewiesen)
  • Herr Wenzel auf Rehberg und sein Knecht Kaspar Dinkel, 1907
  • Künstlerfrauen. Ein Zyklus kleiner Romane, 1909
  • Das österreichische Antlitz. Essays, 1909
  • (Ferdinand Stollberg) Mein junger Herr. Operette in drei Akten von Ferdinand Stollberg [d.i. Felix Salten]. Musik von Oskar Straus, 1910
  • (Ferdinand Stollberg) Reiche Mädchen. Operette in drei Akten von Ferdinand Stollberg [d.i. Felix Salten]. Musik von Johann Strauß, 1910
  • Das Schicksal der Agathe. Novellen. Leipzig, 1911,
  • Wurstelprater, 1911
  • Das stärkere Band. Drei Akte und ein Epilog, 1912
  • Gestalten und Erscheinungen, 1913
  • Kaiser Max der letzte Ritter, 1913
  • Die klingende Schelle. Roman, 1915
  • Prinz Eugen der edle Ritter, 1915
  • (Herausgeber: Felix Salten) Österreichische Novellen, 1916
  • Der alte Narr. Novellen, 1918
  • Im Namen des Kaisers. Eine historische Erzählung, 1919
  • Die Dame im Spiegel, 1920,
  • Schauen und Spielen. Studien zur Kritik des modernen Theaters, 1921, 2 Bände
  • Das Burgtheater. Naturgeschichte eines alten Hauses, 1922
  • Bambi. Eine Lebensgeschichte aus dem Walde, 1923
  • Der Hund von Florenz, 1923
  • Geister der Zeit. Erlebnisse, 1924
  • Neue Menschen auf alter Erde. Eine Palästinafahrt, 1925
  • Bob und Baby, 1925
  • Schöne Seelen. Lustspiel in einem Akt, 1925
  • Martin Overbeck. Der Roman eines reichen jungen Mannes, 1927
  • (Übersetzer) Anne Nichols: Dreimal Hochzeit. Ein New Yorker Schwank von Anne Nichols , 1928
  • (Übersetzer) Fulton Oursler & Lowell Brentano: Spinne im Netz. Zwischenfall in drei Akten (fünf Bildern) von Fulton Oursler und Lowell Brentano. Für die deutsche Bühne bearbeitet von Felix Salten. Regie- und Soufflierbuch. Wien–Berlin: Pfeffer 1930, 121 S. Original: The spider. A mystery melodrama in three acts. New York, N.Y.–Los Angeles, Calif. 1932 (aufgeführt 1929).
  • Fünf Minuten Amerika, 1931
  • Freunde aus aller Welt. Roman eines zoologischen Gartens, 1931
  • Florian. Das Pferd des Kaisers. Roman, 1933
  • Kleine Brüder. Tiergeschichten, 1935.
  • Bambis Kinder. Eine Familie im Walde (zuerst in englischer Übersetzung erschienen: Bambi’s children. The story of a forest family. Translation by Barthold Fles. N.Y.), 1939
  • Renni der Retter. Das Leben eines Kriegshundes, 1941 (zuerst in englischer Übersetzung erschienen: Renni, the rescuer. A dog of the battlefield. Translated by Kenneth Carlyle Kaufman. Drawings, N.Y. 1940)
  • Die Jugend des Eichhörnchens Perri, 1942 ( Zuerst in englischer Übersetzung erschienen, nachdem das 1938 bei Zsolnay in Wien gedruckte Werk wegen der deutschen Okkupation Österreichs nicht mehr ausgeliefert werden konnte, beschlagnahmt und eingestampft wurde: Perri. The youth of a squirrel, London 1938.
  • Kleine Welt für sich. Eine Geschichte von freien und dienenden Geschöpfen, 1944
  • Djibi das Kätzchen, 1945

Ausgaben

  • Gesammelte Werke in Einzelausgaben, 1928–1932, 6 Bände:
    • 1. Band: Der Schrei der Liebe. Novellen. 1928 Enthält: Der Schrei der Liebe. – Die Gedenktafel der Prinzessin Anna. – Die kleine Veronika. – Olga Frohgemuth.
    • 2. Band: Simson. Das Schicksal eines Erwählten. Roman. 1928
    • 3. Band: Die Geliebte des Kaisers. Novellen. 1929. Enthält: Herr Wenzel auf Rehberg. – Der Hund von Florenz. – König Dietrichs Befreiung. – Die Gewalt der Dinge. – Das Schicksal der Agathe. – Die Geliebte des Kaisers.
    • 4. Band: Fünfzehn Hasen. Schicksale in Wald und Feld. 1929
    • 5. Band: Gute Gesellschaft. Erlebnisse mit Tieren. 1930
    • 6. Band: Mizzi. Novellen. 1932, 464 S. Mizzi. – Schuß im Wald. – Philippine erobert ihr Eigentum. – Feiertag. – Der Mann und die Frau. – Heimfahrt. – Künstlerfrauen. – Hic Rhodus. – Orestes. – Tini Holms Aufstieg. – Die Mutter der Sängerin. – Der Sänger vor dem König. – Der Ernst des Lebens. – Mit großen Herren Kirschen essen.

Drehbücher

  • Der Shylock von Krakau. Regie: Carl Wilhelm. Drehbuch: Felix Salten. Deutschland 1913 (Stummfilm, schwarz-weiß)
  • Das Urteil des Arztes. Regie: Max Mack. Drehbuch: Felix Salten. Deutschland 1914 (Stummfilm, schwarz-weiß)
  • Der Narr des Schicksals. Regie: Felix Salten. Drehbuch: Felix Salten. Deutschland 1915 (Stummfilm, schwarz-weiß)
  • Der Schuß im Traum. Regie: Max Mack. Drehbuch: Felix Salten. Deutschland 1915 (Stummfilm, schwarz-weiß)
  • Der Glücksschneider. Regie: Hans Otto Löwenstein. Drehbuch: Felix Salten. Deutschland 1916 (Stummfilm, schwarz-weiß)
  • Der eiserne Wille. Regie: Adolf Gärtner. Drehbuch: Else Bassermann, Felix Salten. Deutschland 1917 (Stummfilm, schwarz-weiß)
  • Komödianten. Regie: Carl Gruhne. Drehbuch: Felix Salten. Deutschland 1924 (Stummfilm, schwarz-weiß)
  • Das verbotene Land. Regie: Friedrich Feher. Drehbuch: Felix Salten. Österreich 1924 (Stummfilm, schwarz-weiß)
  • Moderne Ehen. Regie: Hans Otto Löwenstein. Drehbuch: Béla Balázs, Paul Busson, Felix Salten. Deutschland 1924 (Stummfilm, schwarz-weiß)
  • Arm wie eine Kirchenmaus. Regie: Richard Oswald. Drehbuch: Felix Salten, Hans Goldberg. Deutschland 1931 (Tonfilm, schwarz-weiß)
  • Un peu d’amour. Regie: Hans Steinhoff. Drehbuch: Max Kolpé, Felix Salten, Billy Wilder. Deutschland 1932 (Tonfilm, schwarz-weiß)
  • Scampolo, ein Kind der Straße. Regie: Hans Steinhoff. Drehbuch: Max Kolpé, Felix Salten, Billy Wilder. Deutschland 1932 (Tonfilm, schwarz-weiß)
  • Moi et l’imperatrice / The only girl. Regie: Frederick Hollander (d.i. Friedrich Holländer). Drehbuch: John Heygate, Robert Liebmann, Walter Reisch, Felix Salten, Robert Stevenson. Deutschland, USA, Großbritannien 1933 (Tonfilm, schwarz-weiß)

Quellen#

Literatur#

  • L. Pouh, Wiener Literatur und Psychoanalyse: Felix Dörmann, Jakob Julius David und F. Salten, 1997
  • Österreichisches Biographisches Lexikon


--> Felix Salten bei einem Schriftstellerkongress in Wien,um 1930 (Video-Album)
--> Historische Bilder zu Felix Salten (IMAGNO)



Redaktion: I. Schinnerl