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Schönherr, Dietmar#


* 17. 5. 1926, Innsbruck

† 18. 7. 2014, Santa Eulària des Riu, Ibiza (Spanien)


Schauspieler, Synchronsprecher, Moderator
Schlagersänger, Schriftsteller, Übersetzer und Regisseur

Schönherr
Dietmar Schönherr
Foto: Vivi Bach. Aus: Wikicommons unter CC

Dietmar Schönherr wurde am 17. Mai 1926 als Dietmar Schönherr Edler von Schönleiten (als Sohn eines Generals) in Innsbruck geboren.

1938 übersiedelte die Familie nach Potsdam, weil sein Vater zum dortigen Infanterie-Regiment versetzt wurde. Nach der Matura 1943 am Potsdamer Gymnasium wurde er sozusagen "für den Film" entdeckt und stand im UFA-Film "Junge Adler" erstmals vor der Kamera. 1944 wurde er zum Kriegsdienst einberufen und desertierte im April 1945.

1946 begann er in seiner Heimatstadt Innsbruck ein Architekturstudium, das er allerdings wegen eines Filmangebots ("Wintermelodie") abbrach. Zwischen 1947 und 1952 arbeitete Schönherr als Sprecher, Schauspieler, Regisseur, Reporter und Autor beim Österreichischen Rundfunk, danach wechselte er zum Westdeutschen Rundfunk (WDR) nach Köln und war dort als Hörfunkdramaturg und Moderator tätig.

Er veröffentlichte Platten und kam als Synchronsprecher - von damaligen Filmgrößen wie James Dean, Sydney Poitier oder Steve McQueen - auch wieder zur Schauspielerei.

Sein Durchbruch im Film gelang ihm 1955 mit dem Willy-Birgel-Film "Rosenmontag"; mit Werken wie "Schachnovelle" (1960) oder "Ferien mit Piroschka" (1966) wurde er populär. Zu wirklichen Höhenflügen setzte seine Karriere als Darsteller in den 1960er-Jahren an, als er in der Rolle des Kommandanten McLane in der Serie "Raumpatrouille Orion" (parallel zum "Star Trek"-Fieber) in der heimischen Variante der Sternenreisen spielte - und damit heute Kultstatus unter Science-Fiction-Fans erreicht hat.

Er wirkte in Kino-Filmen und Fernsehproduktionen mit, stand im gesamten deutschsprachigen Raum auf der Theaterbühne und sorgte als Fernsehmoderator für Unterhaltung. So moderierte er - gemeinsam mit seiner Ehefrau, der dänischen Schauspielerin Vivi Bach - von 1969 bis 1971 die innovative TV-Show "Wünsch Dir was", die u.a. nicht zuletzt durch den "Skandal" wegen einer transparenten Bluse einer Kandidatin im Gedächtnis blieb. Mit "Je später der Abend" zeichnete er 1973 für die erste Talkshow im deutschsprachigen Fernsehen verantwortlich.

Auch am Theater war Dietmar Schönherr erfolgreich: er war Mitbegründer der Tiroler Volksschauspiele, zunächst in Hall und ab 1982 in Telfs. 1983 inszenierte er etwa "Der Weibsteufel" von Karl Schönherr, mit dem er übrigens nicht verwandt war. Dietmar Schönherr schrieb auch selbst Theaterstücke und Bücher wie "Die blutroten Tomaten der Rosalia Morales" (2000) oder den autobiografischen Roman "Sternloser Himmel" (2006). Die Novelle "Begrabt mein Herz am Fuße des Berges" (2010) war eines seiner letzten Werke.

Zwar blieb Dietmar Schönherr bis ins hohe Alter aktiv und verkörperte zuletzt 2006 in einem Doku-Drama Sigmund Freud. Sein größtes Engagement galt zu dieser Zeit jedoch bereits seit langem der Entwicklungshilfe in Nicaragua. 1988 hatte der auch bereits in der Friedensbewegung aktive Schönherr - u.a. gemeinsam mit dem prominenten Befreiungstheologen Ernesto Cardenal - das Kulturzentrum "Casa de los tres mundos" für Kinder und Jugendliche gegründet.

Um das Projekt zu finanzieren, hatte er eine Stiftung gegründet, aus der 1994 der Verein "Pan y Arte" hervorging - als Reminiszenz an sein eigenes Zitat "Brot und Kunst sind die wichtigsten Lebensmittel des Menschen. Wir kümmern uns um beides." Die Institution sorgte unter anderem für den Wiederaufbau nach Naturkatastrophen.

Dietmar Schönherr lebte gemeinsam mit seiner zweiten Ehefrau Vivi Bach, mit der er knapp 50 Jahre verheiratet war, seit 1990 auf Ibiza - bis diese 2013 verstarb; am 18. Juli 2014 starb auch er.

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • Silberner Bravo Otto, 1967
  • Goldene Kamera in der Kategorie Teamkamera für Wünsch Dir was, 1971
  • Bambi, 1972
  • Deutscher Schallplattenpreis, 1974
  • Literaturpreis Critici in Erba der Kinderbuchmesse Bologna für Ruzzitu, 1974
  • Ehrenbürger von Granada, 1988
  • Würth-Preis der Jeunesses Musicales Deutschland für das Nicaragua-Projekt Casa de los tres mundos, 1994
  • Goldene Kamera in der Kategorie Kultstar des Jahrhunderts, 1999
  • Heinz-Galinski-Preis, 1999
  • Change the world Award des Club of Budapest, 2005
  • Deutscher Fernsehpreis (Ehrenpreis für sein Lebenswerk), 2005
  • Verdienstkreuz des Landes Tirol, 2008
  • Egon Ranshofen-Wertheimer Preis der Stadt Braunau am Inn, 2010
  • Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst Erster Klasse, 2011

Werke (Auswahl)#

Filmrollen
  • Junge Adler, 1944
  • Wintermelodie, 1947
  • Das Fräulein und der Vagabund, 1947
  • Nacht am Mont-Blanc, 1951
  • Rosenmontag, 1955
  • Das Mädchen Marion, 1956
  • Bonjour Kathrin,1956
  • Made in Germany – Ein Leben für Zeiss, 1957
  • Einmal eine große Dame sein, 1957
  • Frühling in Berlin, 1957
  • Schwarzwälder Kirsch, 1958
  • Nacht fiel über Gotenhafen, 1959
  • Alle Tage ist kein Sonntag, 1959
  • Du bist wunderbar, 1959
  • Schachnovelle, 1960
  • Ingeborg, 1960
  • Sabine und die hundert Männer, 1960
  • Geliebte Hochstaplerin, 1961
  • Sein bester Freund, 1962
  • Der längste Tag, 1962
  • Kohlhiesels Töchter, 1962
  • Die glücklichen Jahre der Thorwalds, 1962
  • Marschier oder krepier (Marcia o crepa) , 1962
  • Die Nylonschlinge, 1963
  • Bedenkzeit bis Mitternacht, 1963
  • Weiße Fracht für Hongkong, 1964
  • Ein Frauenarzt klagt an – Angeklagt: Dr. Thomas), 1964
  • Das Ungeheuer von London-City, 1964
  • Die Verdammten der blauen Berge (Code 7 Victim 5), 1964
  • Das Geheimnis der chinesischen Nelke, 1964
  • Sanders und das Schiff des Todes, 1965
  • Ferien mit Piroschka, 1965
  • Blonde Fracht für Sansibar (Mozambique), 1965
  • Komm mit zur blauen Adria, 1966
  • Liebesspiel im Schnee, 1966
  • Raumpatrouille (TV-Serie) , 1966
  • Kommissar X - Drei grüne Hunde, 1967
  • Otto ist auf Frauen scharf, 1968
  • Tatort – Tod eines Einbrechers (TV-Serie), 1975
  • Ein Fall für zwei (TV-Serie, Folge 1: Fuchsjagd), 1981
  • Der Mann, der den Eiffelturm verkaufte, 1970
  • Die Story, 1983
  • Der Tod des weißen Pferdes, 1985
  • Raffl, 1985
  • Der schwarze Tanner, 1985
  • Fest im Sattel (TV-Serie),1987-1993
  • Reporter (Krimi-Serie), 1988–1996
  • African Timber, 1989
  • Der Tod zu Basel, 1990
  • Reise der Hoffnung, 1990
  • Mirakel, 1991
  • Die Männer vom K3 (TV-Serie, Folge 10 „Narkose fürs Jenseits“ ), 1991
  • Go Trabi Go 2 – Das war der wilde Osten, 1992
  • Schneewittchen und das Geheimnis der Zwerge, 1992
  • Der lange Weg des Lukas B. (Miniserie), 1992
  • Brandnacht, 1992
  • Tatort (TV-Serie, Folge "Tod im All"), 1996
  • Macht (TV-Spiel), 1997
  • Bin ich schön?, 1997
  • Leinen los für MS Königstein (TV-Serie), 1997–2002
  • Auf eigene Gefahr (TV-Serie), 1997
  • Lutter Kopp (TV-Spiel), 1998
  • Der Schrei des Schmetterlings, 1998
  • Tatort (TV-Serie, Folge "Passion"), 1999
  • SOKO Kitzbühel, 2001
  • Raumpatrouille Orion – Rücksturz ins Kino (Zusammenschnitt der alten Fernsehserie), 2003
  • Tatort (TV-Serie, Folge "Nicht jugendfrei"), 2004
  • Handyman, 2005
  • Glück auf halber Treppe, 2005
  • Familie Dr. Kleist (Folge 22), 2005
  • Mein Vater und ich, 2005
  • Los Abandonados, 2006
  • Der Judas von Tirol, 2006
  • Sigmund Freud – Aufbruch in die Seele (ZDF-TV-Reihe „Giganten“Doku-Drama), 2006

Regie

  • Sechs Dokumentarfilme über Afrika
  • Lachotzky (Spielfilm, Buch und Regie), 1969
  • Kain (Spielfilm, Buch und Regie, Produktion, Verleih), 1972
  • Elefantenmenschen (Indien), 1978
  • Tiefkühlkost + Wasserwerfer. Eine Reise in die 60er mit Elke Heidenreich und Dietmar Schönherr, Filmdokumentation, Deutschland, 2001

Moderationen

  • Gala-Abend der Schallplatte Berlin, 1967
  • ARD-Eröffnungssendung des Deutschen Farbfernsehens (mit seiner Frau Vivi Bach), 1967
  • ZDF-Nightclub, 1968
  • Gala-Abend der Schallplatte Berlin mit seiner Frau Vivi Bach), 1969
  • Wünsch Dir was (mit seiner Frau Vivi Bach), 1970- 1972
  • Je später der Abend, 1973
  • 4 + 4 = Wir, 1977
  • Welt der Tiere, 1978
  • Wahre Wunder, 1992

Hörspiele, Schallplatten

Übersetzungen einiger Werke von André Gide und Jean-Paul Sartre

Bücher

  • Ruzzitu. (Bilder von Gottfried Kumpf), Kinderbuch, 1978
  • Liberté und die Wölfe, 1985
  • Nicaragua, mi amor. Tagebuch eine Reise und das Projekt Posolera. 1985
  • Die blutroten Tomaten der Rosalía Morales. Zweite erweiterte Liebeserklärung an eine unwirsche Geliebte, 2000
  • Sternloser Himmel (Autobiographischer Roman), 2006
  • Begrabt mein Herz am Fuße des Berges (Novelle), 2010

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl