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Schatz, Otto Rudolf#

* 18. 1. 1900, Wien

† 26. 4. 1961, Wien


Maler und Graphiker

Otto Rudolf Schatz, Hydrieranlage. Holzschnitt, 1927., © Ch. Brandstätter Verlag, Wien, für AEIOU
Otto Rudolf Schatz, Hydrieranlage. Holzschnitt, 1927.
© Ch. Brandstätter Verlag, Wien, für AEIOU

Der aus einer k.u.k. Beamtenfamilie stammende Otto Rudolf Schatz studierte von 1918 bis 1920 an der Kunstgewerbeschule am Stubenring, unter anderem bei Oskar Strnad. Zunächst noch im Banne Egon Schieles stehend, machte Schatz die Entwicklung vom Expressionismus zur Neuen Sachlichkeit mit. Schatz wird 1924 erstmals von Otto Kallir ausgestellt. 1925 erhält er den Großen Staatspreis. Von 1928 bis 1938 ist er Mitglied des Hagenbundes, ab 1946 Mitglied der Wiener Sezession. Er arbeitet als Illustrator von literarischen Werken und sozialdemokratischen Publikationen und fertigt zahlreiche Holzschnittzyklen an. Schatz ist zu dieser Zeit einer der wenigen gesellschaftskritisch tätigen Künstler in Österreich. In hunderten Holzschnitten reflektiert er die soziale Situation Österreichs in der Zwischenkriegszeit. Schatz war wichtigster Illustrator der Büchergilde Gutenberg, befreundet mit dem Arbeiterdichter Josef Luitpold. 1934 erhielt Schatz ein Publikationsverbot für die Büchergilde Gutenberg, deren wichtigster Illustrator er war. 1938 wurde er mit Ausstellungs- und Berufsverbot belegt, außerdem veranlassten die Nationalsozialisten die Verbrennung von 1.500 seiner Holzstöcke.

Während des Zweiten Weltkrieges hielt sich Schatz teils in Brünn, teils in Prag auf, wo er aus Materialmangel vorwiegend Farbminiaturen (Kaseinfarbe auf Holz, Format 2x3 cm) malte. Wegen seiner Ehe mit einer Jüdin – Valerie Wittal stammte aus Brünn – war er „wehrunwürdig“ und wurde letztlich 1944/45 in einem Zwangsarbeitslager interniert.

Rein physisch ging es Schatz und seiner Gattin im sogenannten „Protektorat" nicht so schlecht. Doch war der Erwerb von Malutensilien ein ernstes Problem. Mitglied der offiziellen Künstlervereinigung konnte er schon wegen seiner jüdischen „Versippung" nicht werden, selbst wenn er es gewollt hätte, und so kam er an hochwertige Utensilien meist nur über den - erheblich teureren - Schleichhandel heran. Der schwierigen Materialbeschaffung wegen begann Schatz, Miniaturen zu schaffen. Darüber hinaus war es leichter möglich, diese über Freunde, aber auch durch die Post nach Wien zu transportieren. Er schreibt darüber in einem Brief an einen Freund:

"Jetzt mal ich Bilder, die so groß sind, er zeichnete ein Rechteck, etwa zwanzig zu dreißig Millimeter, und ein wenig größer, aber es ist ganz gut, geht reißend ab und Materialverbrauch ist gleich null. Es können zwei schön davon leben."

Nach der Befreiung aus dem Lager durch die Sowjetarmee kehrte Schatz 1946 nach Wien zurück, wo er durch Viktor Matejka gefördert wurde - schon im Januar 1947 konnte eine erste Ausstellung seines Gesamtwerkes gezeigt werden. In dieser Zeit erhielt er auch für die Ausgestaltung des Wiener Westbahnhofs mit einem Kachelmosaik den ersten Preis, doch wird die Ausführung von Ing. Waldbrunner verhindert (die Originalentwürfe wurden nach Auskunft des Verkehrsministeriums verbrannt, „weil sie im Keller schimmelig geworden waren“). Ähnlich sollte es zehn Jahre später dem Bildhauer Heinrich Deutsch mit seinem Renner-Denkmal ergehen. Schatz schuf Fresken für die Arbeiterhochschule in Wien 19., Sickenberggasse und für die Bibliothek Sandleiten. Eine von Viktor Matejka betriebene Bestellung als Professor an der Akademie der bildenden Künste wurde von Adolf Schärf hintertrieben. Der verhinderte Professor lebte in der Folge vor allem von pornographischen Darstellungen, die er vornehmlich an US-Soldaten verkaufte, und von gelegentlichen Aufträgen des ÖGB. Am 26. April 1961 starb Schatz an Lungenkrebs.

Diverse bilder Schatz
Aus der Ausstellung im Wien Museum 2/2016 - Foto: P. Diem
Ballonverkäufer 1929, Schaustellung 1930
Ballonverkäufer 1929, Schaustellung 1930 - Foto: P. Diem

Werke (Auswahl)#

  • Illustrationen unter anderem zu J. Luitpolds "Die neue Stadt", 1927
  • Ölgemälde (Porträts und Landschaften)

Literatur#

  • W. Daim, O. R. Schatz - Graphik, 1978
  • W. Daim, O. R. Schatz, Kriegsbriefe, 1982
  • K. Schröder, Neue Sachlichkeit, Österreich 1918-38, Ausstellungskatalog, Kunstforum, Wien 1995
  • Dietrich Kraft/Matthias Boeckl, Otto Rudolf Schatz, Bibliothek der Provinz, Weitra, 2010, Großformat, 250 Seiten
  • O.R.Schatz & Carry Hauser - Im Zeitalter der Extreme, Wien Museum/Residenz-Verlag, Frühjahr 2016

Weiterführendes#

Quellen#


Redaktion: P. Diem