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Schmidtbauer, Paul#

* 7. 7. 1892, Lividraga (Kroatien)

† 1974, Graz


Maler, Radierer, Holzschnittkünstler, Lithograph


Paul Schmidtbauer wurde am 7. Juli 1892 in Lividraga in Kroatien geboren.

Mit sechs Jahren kam er nach Graz. Hier war er zuerst als Autodidakt tätig, dann bildete er sich an der Grazer Landeskunstschule bei Schrötter und Marussig, der Wiener Grafischen Lehr- und Versuchsanstalt und auf Studienreisen nach Deutschland und nach Bosnien weiter.

Von 1914 bis 18 diente er im Ersten Weltkrieg an der Front.

In den 1920er und 1930er Jahren war der steirischer Avantgardist am Puls der Zeit: er war Mitglied des Werkbundes Freiland, 1923 Gründungsmitglied und erster Sekretär des Sezession Graz und damit von Anfang an ein Exponent der steirischen Moderne.

Schmidtbauers Interessen lagen sowohl im künstlerischen Bereich als auch im organisatorischen: gerade auf diesem Gebiet setzte er sich immer wieder, bis weit in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, für verbesserte Arbeitsbedingungen der Künstlerschaft und deren Integration in die Gesellschaft tatkräftig ein.

Seine Kunst war von Anfang an nicht nur in Ausstellungen präsent, sondern auch durch eine Zahl von Auftragsarbeiten im öffentlichen Bereich.


1925 malte er die Wandbilder in der Grazer Arbeiterkammer; viele kennen vor allem für seine humorvollen, mit "Eigenbau"-Sprüchen versehenen Wandbilderzyklen in steirischen Gaststuben (u.a. in Admont, Bruck an der Mur, Kindberg, Leoben (vor allem im "Schwarzen Adler"), Stainz (im Engelweingarten), Trofaiach und Weißkirchen). Sein Ruf auf diesem Gebiet war so groß, dass er sogar Wandbilder für ein Hotel in London zu liefern hatte.


Die Neue Galerie Graz und der Magistrat Graz besitzen Werke von ihm ("Die Klopfstunde", 1922 und Kohlezeichnungen der Industrielandschaft – „Altes Gaswerk in der Steyrergasse vor der Auflassung" und "Koksbrücke"). Mit einigen Bildern war Paul Schmidtbauer bei der Kunstausstellung anlässlich der Grazer Festwochen vertreten ("Besoffene Hochzeit", "Zauberer","Sternsucher").

Er passte er seine Auftragsarbeiten (Wandmalereien) zwar stilistisch und inhaltlich an die Zeitströmungen an, um als freischaffender Künstler existieren zu können, doch griff er immer wieder sozialkritische Themen auf. Seine Haltung machte ihn zweimal zum Opfer politischer Verfolgung: 1938, als er in London weilte und die Emigration überlegte, wurde er in Graz als "Juden- und Sozifreund" angegriffen und ebenso 1949.


Durch Jahre war er auch als Porträtist geschätzt, in seiner Grafik repräsentiert er wie kaum ein anderer ein rares Spektrum der steirischen Kunst: Erotik, die Grazer Kulturszene, Außenseiter und das tägliche Leben in den Hinterhöfen und an den Stadträndern.

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • Staatspreis, 1922
  • Goldene Medaille der Stadt Graz, 1923

Literatur#

  • List, R.: Paul Schmidtbauer 80, in Südost-Tagesp., 8. Juli 1972
  • List, 3, 881
  • Fuchs, H.: Die österr. Maler der Geburtsjahrgänge 1881-1900. - Wien. Bd 2. 1977, S. K85

Quellen#



Redaktion: A. Geiger, I. Schinnerl