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Schrötter, Leopold#

* 5. Februar 1837, Graz (Steiermark)

† 22. April 1908, Wien


Arzt


Leopold Schrötter
Leopold Schrötter, Foto 1884
© Bildarchiv der ÖNB, Wien, für AEIOU

Der Sohn des bedeutenden Anton Schrötter von Kristelli besuchte Gymnasien in Graz und Wien und absolvierte anschließend ein Studium der Medizin an der Universität Wien.

Schon als Student wurde Schrötter von den damals besten Ärzten der Welt (von Karl von Rokitansky, Franz Schuh, Ferdinand von Hebra und Josef Škoda) unterrichtet.

1861 schloss Schrötter sein Medizinstudium ab und wurde zuerst bei Professor Schuh Operationszögling, später auch Assistent bei Professor Škoda.

Beide Lehrer waren für Schrötters weitere Laufbahn entscheidend, da er zum einen chirurgische Techniken und zum anderen physikalische Untersuchungsmethoden erlernen konnte.

Da Schrötter vom Kehlkopfspiegel (1858 von Ludwig Türck erfunden) begeistert war, bildete er sich autodidaktisch zum Laryngologen aus.

Schrötter Ludwig Uni Arkaden
Porträt von Caspar Zumbusch
Universität Wien, Arkadenhof
© Rainer Lenius
1867 habilitierte sich Schrötter ("Über Krankheiten der Brustorgane und des Kehlkopfs") zum Privatdozenten an der Wiener Universität und erzielte rasch große Erfolge auf dem noch jungen und relativ unbekannten Gebiet der Laryngologie.

Dieses Gebiet befand sich zu anfangs zwischen Chirurgie und innerer Medizin, doch bedingt durch seine Erfolge konnte Schrötter die Fakultät auch zur Bildung einer eigenen Klinik und Lehrkanzel überzeugen. So wurde 1870 die Laryngologigsche Klinik innerhalb des alten AKH in Wien geschaffen und Schrötter hatte die weltweit 1. Lehrkanzlei für Laryngologie inne.

1875 wurde er nach Johann Oppolzer a.o. Professor für Kehlkopf- und Brusterkrankungen, von 1875 bis 1881 leitete er die Abteilung für innere Medizin des Rudolfspitals. 1881 wurde er Primararzt am Allgemeinen Krankenhaus, und 1885 erhielt er die Lehrberechtigung für das gesamte Gebiet der inneren Medizin.


Schrötter behandelte mit großem Geschick u.a. Larynxstenosen (Strikturen des Kehlkopfes, treten nach der Pockenerkrankung oder durch Syphilis häufig auf), die zur damaligen Zeit außer durch eine Trachealkanüle kaum behandelbar waren. Die sensationellen Erfolge Schrötters Methode der "progressive Dilatationsbehandlung" machten ihn international bekannt und berühmt.

Seit seiner Assistenzzeit war Schrötter ein Meister im Kehlkopfspiegeln (s.o.), was ihn Kehlkopfkrebs bedeutend früher diagnostizieren ließ als andere Ärzte.

Er entwickelte die klimatologische Behandlung der Tuberkulose in geschlossenen Anstalten und gründete dazu 1896 die Lungenheilanstalt Alland.


Als anerkannter Spezialist wurde Schrötter 1888 an das Krankenbett des deutschen Thronfolgers Friedrich, des späteren Kaisers Friedrich III., gerufen. Entgegen der Meinung des behandelnden Arztes diagnostizierte er zutreffend Kehlkopfkrebs.

Abgesehen von mehreren Beiträgen in großen medizinischen Werken, war er Mitherausgeber der "Wiener klinischen Wochenschrift", der "Zeitschrift für klinische Medizin" und der "Monatsschrift für Ohrenheilkunde und Kehrlkopfkrankheiten".

1890 wurde Schrötter zum ordentlichen Professor und 1896 schließlich zum Hofrat ernannt.

Schrötter starb am 22. April 1908 in Wien.

Schrötter Leopold ehrengrab
Wiener Zentralfriedhof, Ehrengrab
© Rainer Lenius
Er ist in einem Ehrengrab der Gruppe 14 A (Nr. 19) auf dem Wiener Zentralfriedhof beigesetzt. Das Porträt stammt wie das im Arkadenhof der Universität Wien von Caspar Zumbusch.


Schrötters Sohn Hermann war später als Assistent an dieser Klinik tätig war und wurde als Pionier der Bronchoskopie ebenfalls bekannt.

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • preußischer Roter Adlerorden II. Klasse, 1888
  • Komturkreuz des österreichischen Franz-Joseph-Ordens, 1899
  • Kommandeurkreuz des dänischen Dannebrog-Ordens I. Klasse, 1904 das
  • Kommandeurkreuz des schwedischen Nordstern-Ordens I. Klasse, 1907
  • Mitglied der Kaiserlichen leopoldino-carolinischen deutschen Akademie der Naturforscher, der Leopoldina

Werke (Auswahl)#

  • Beiträge zur laryngoskopischen Chirurgie , 1868-69, 3 Teile
  • Vorlesungen über die Krankheiten des Kehlkopfes, 1887
  • Vorlesungen über die Krankheiten der Luftröhre, 1896
  • Erkrankungen der Gefäße, 1902
  • Hygiene der Lunge, 1903

Literatur#

  • Österreichisches Biographisches Lexikon
  • F. Czeike: Historisches Lexikon Wien
  • 625 Jahre Universität Wien

Weiterführendes#

Quellen#

  • AEIOU
  • Das große Buch der Österreicher – 4500 Personendarstellungen in Wort und Bild (1987), Verlag Kremayr & Scheriau, Wien
  • Personenlexikon Österreich (2002), (Hrsg.) E. Bruckmüller, Wien, 575 S.
  • Klinoptikum


Redaktion: N. Miljković