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Seidl, Franziska#

* 1. 7. 1892, Wien

† 23. 6. 1983, Wien


Physikerin


RFranziska Seidl
Franziska Seidl
© Öst. Zentralbibliothek für Physik

Franziska Seidl wurde am 1. Juli 1892 in Wien als Tochter von Marie und dem Geschäftsinhaber Franz Vicari geboren.


Sie besuchte fünf Klassen der Volksschule und drei Klassen der Bürgerschule mit Ergänzungskursen, ehe sie 1911 den Gymnasiallehrer Wenzel Seidl heiratete, der im Ersten Weltkrieg 1916 in der Schlacht von Isonzo fiel. Franziska Seidl kehrte nach Wien zurück, war aber nun als Folge des Zerfalls der Österreichisch-Ungarischen Monarchie tschechische Staatsbürgerin.


1918 legte sie die Externistenmatura am k. k. Franz-Josef-Realgymnasium im ersten Wiener Gemeindebezirk ab und inskribierte an der Universität, wo sie von 1918 bis 1922 Physik, Mathematik und Chemie studierte.

Im Frühjahr 1923 legte sie ihre Dissertation ("Über eine Messung kurzer Zeiten mit dem Helmholtz-Pendel") vor und promovierte am 7. Dezember 1923. Ihre Prüfer waren Prof. Ernst Lecher und Prof. Gustav Jäger. Bereits in ihrer Studienzeit war Seidl am l. Physikalischen Institut bei Prof. Lecher angestellt, ab Jänner 1923 zunächst als wissenschaftliche Hilfskraft, später als planmäßige Assistentin und Vorlesungsassistentin, weiters betreute sie Dissertationen.


Mit Juni 1932 suchte Seidl um Habilitation an, der mit Einschränkung auf Experimentalphysik zugestimmt wurde. 1934 erhielt sie die Zulassung als Privatdozentin und ab dem Wintersemester 1933/34 hielt sie regelmäßig Vorlesungen. Ab 1942 übernahm Seidl die Vorlesung "Physik für Mediziner" mit Übungen, die sie bis Kriegsende abhielt.

Nach der Entlassung des Vorstandes des 1. Physikalischen Instituts, Prof. Gerhard Kirsch, im Jahre 1945 übernahm Seidl die interimistische Leitung, bis 1947 Prof. Ehrenhaft aus der Emigration zurückkehrte. Für einige Semester hielt sie in diesem Zeitraum die Hauptvorlesung für Physik.


Seidls Forschungsvorhaben befassten sich unter anderem mit dem Gebiet des Ultraschalls, Schalloptik, Röntgenstrukturuntersuchungen und Dielektrika, sie erfand das membranlose Telefon, hauptsächlich widmete sie sich jedoch nach 1945 der Ausbildung der Lehramtskandidaten.

Sie leitete das Schulversuchspraktikum und führte spezielle Lehrveranstaltungen für Lehramtskandidaten ein. 1946 wurde sie Präsidentin des Vereins zur Förderung des physikalischen und chemischen Unterrichts und Prüferin für das Lehramt an Schulen. 1958 wurde Franziska Seidl zum außerordentlichen Professor bestellt und erhielt im Jahre ihrer Emeritierung 1963 den Titel ordentlicher Professor, ehe sie von ihrer Lehrverpflichtung enthoben wurde.

Franziska Seidl war noch bis 1967 in der Lehreraus- und -fortbildung und als Präsidentin des Vereins zur Förderung des physikalischen und chemischen Unterrichts aktiv. Ein Höhepunkt ihrer Tätigkeit war dabei die Organisation der internationalen Fortbildungswoche im Rahmen der OECD 1960.


Als Abschluss ihrer Karriere wurde sie 1968 mit dem Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet.


Franziska Seidl starb am 14. Juni 1983.

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl