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Sigmund, Karl#


* 26. 7. 1945, Gars am Kamp (NÖ)


Mathematiker


Karl Sigmund wurde am 26. Juli 1945 in Gars am Kamp (Niederösterreich) geboren.

Er besuchte das Lycee francais in Wien und studierte Mathematik an der Universität Wien, wo er mit nur 23 Jahren 1968 beim Statistiker und Wahrscheinlichkeitstheoretiker Leopold Schmetterer promovierte. Anschließend ging er zunächst an die University of Manchester, es folgten Aufenthalte am Institut des Hautes Etudes Scientifiques bei Paris und der Hebräischen Universität in Jerusalem, ehe er 1971 an die Universität Wien wechselte, wo er schon ein Jahr später mit 27 Jahren habilitierte.

1973 wurde Karl Sigmund Professor am Institut für mathematische Statistik der Universität Göttingen, folgte aber schon ein Jahr später - also nicht einmal 30-jährig - einem Ruf an die Universität Wien, wo er bis heute als ordentlicher Professor tätig ist und von 1983 bis 1985 Vorstand des Mathematischen Instituts war.

Seit 1984 arbeitet Karl Sigmund auch am Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg bei Wien.


Am Beginn seiner kometenhaften Karriere arbeitete Karl Sigmund mit der Ergodentheorie noch auf einem völlig anderem Gebiet, wandte sich aber - nachdem ihn Peter Schuster in Kontakt mit dem Gebiet brachte – ab etwa 1977 der mathematischen Biologie und Spieltheorie zu.

Mit seinem 1988 erschienen Buch "The Theory of Evolution and Dynamical Systems" (1998 unter dem Titel "Evolutionary Games and Population Dynamics" neu aufgelegt) hat Karl Sigmund gemeinsam mit seinem Wiener Mathematikerkollegen Josef Hofbauer "die Bibel der evolutionären Spieltheorie" geschrieben.

Karl Sigmund war einige Jahre lang Vizepräsident und Präsident der Österreichischen Mathematischen Gesellschaft, Vizepräsident des Wissenschaftsfonds FWF und ist Mitglied der Österreichischen, der Deutschen und der Europäischen Akademie der Wissenschaften.

1998 hielt er - eine besondere Auszeichnung in seinem Fach - einen Plenarvortrag beim alle vier Jahre stattfindenden Weltkongress der Internationalen Mathematischen Union (IMU) in Berlin.

Sigmunds Forschungsschwerpunkte umfassen u.a. spieltheoretische Modellierungen des Verhaltens sowie mathematische Modelle in der Ökologie und Populationsdynamik. Dazu hat er eine Reihe von Artikeln und Bücher veröffentlicht.

Sein historisches Interesse gilt speziell seinem Fach, und da insbesondere dem philosophischen Zirkel "Wiener Kreis". So gab er die Nachlässe und gesammelten Werke von Hans Hahn und Karl Menger mit heraus und gestaltete auch mehrere Ausstellungen: 2001 war an der Uni Wien "Kühler Abschied von Europa - Wien 1938 und der Exodus der Mathematik" zu sehen, 2006 gestaltete er zum 100. Geburtstag des 1978 verstorbenen Mathematikers und Logikers Kurt Gödel die Schau "Gödels Jahrhundert 1906-2006" und zum diesjährigen 650-Jahr-Jubiläum der Universität Wien die große Schau "Sie nannten sich der Wiener Kreis - Exaktes Denken am Rand des Untergangs".

Sowohl zur Gödel-, als auch zur Wiener Kreis-Ausstellung brachte er auch Bücher heraus. 1993 erschien außerdem sein Buch "Games of Life: Explorations in Ecology, Evolution, and Behaviour" (1997 unter dem Titel "Spielpläne - Zufall, Chaos und Strategien der Evolution" auf Deutsch erschienen).

Karl Sigmund ist mit der Historikerin und Autorin Anna Maria Sigmund verheiratet und hat einen Sohn.

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • Österreicher des Jahres in der Sparte Forschung, 2006
  • Ehrendoktorwürde der Universität Helsinki, 2010
  • Blaise-Pascal-Medaille in Mathematik, 2011
  • Wissenschaftspreis des Landes Niederösterreich, 2011

Werke (Auswahl) #

  • Games of Life, 1993
  • Evolutionary Games and Population Dynamics (gem. mit J. Hofbauer), 1998
  • Ergodic Theory on Compact Spaces, Lecture Notes in Mathematics 527 (mit Manfred Denker and Christian Grillenberger), 1976
  • Evolutionstheorie und dynamische Systeme (mit J. Hofbauer), 1984
  • Dynamical Systems and the Theory of Evolution (mit J. Hofbauer), 1990
  • Evolutionary Games and Population Dynamics (mit J. Hofbauer), 1998
  • Kurt Gödel - The Album (mit J. Dawson and K. Mühlberger), 2006
  • The Calculus of Selfishness, 2010
  • Sie nannten sich Der Wiener Kreis - Exaktes Denken am Rand des Untergangs, 2015

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl