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Spera, Danielle#

* 10. 8. 1957, Wien


Kommunikationswissenschafterin, Journalistin
Direktorin des Jüdischen Museums Wien


Danielle Spera wurde am 10. August 1957 in Wien geboren, wo sie auch aufwuchs.
Obwohl ihr Vater Jude war, besuchte sie eine katholische Privatschule, wo sie 1976 maturierte.

Sie studierte anschließend an der Universität Wien zwei Semester Englisch und Französisch, bevor sie ein Studium der Publizistik/Kommunikationswissenschaften und Politikwissenschaften absolvierte, das sie 1983 mit der Promotion zum Dr. phil. abschloss (Dissertationsthema "Agitation und Propaganda der österreichischen Sozialdemokratie am Beispiel der Wahlen zur konstituierenden Nationalversammlung 1919 und der Wahlen von 1920 bis 1930").

Bereits während ihres Studiums begann sie beim ORF zu arbeiten: sie war ab 1978 in der Auslandsredaktion der "Zeit im Bild 2", von 1980 bis 1983 redaktionelle Mitarbeiterin für die "Wochenschau", danach wieder in der "Zeit im Bild"-Redaktion. Es folgten - nach Abschluss ihres Studiums - Reisen als Reporterin nach Mittelamerika, Griechenland und Zypern, bevor sie 1987 ORF-Korrespondentin in den USA wurde, wo sie auch stellvertretende Leiterin des ORF-Büros Washington war.

Hier reifte auch endgültig der Entschluss, zum Judentum überzutreten, den sie nach ihrer Rückkehr nach Wien umsetzte. Von 1988 bis 2010 war sie beim ORF als Moderatorin der "Zeit im Bild 1 tätig; sie moderierte aber auch andere Sendungen, darunter "Im Brennpunkt" oder vertretungsweise die ZIB-2 oder das "Weltjournal".

Von 1990 bis 2002 war Danielle Spera Lehrbeauftragte am Institut für Publizistik der Universität Wien; seit 2000 ist sie auch Autorin bei der jüdischen Zeitschrift "NU".

Im November 2009 wurde sie zur Direktorin des Jüdischen Museums Wien (mit Amtsantritt 1. Juli 2010) bestellt; mittlerweile wurde ihr Vertrag, der mit Ende Juni 2015 ausgelaufen wäre, um weitere fünf Jahre und damit bis Mitte 2020 verlängert.
(Danielle Spera hat in ihrer ersten Direktionsperiode gemeinsam mit ihrem Team das Jüdische Museum Wien nicht nur baulich generalsaniert, sondern auch inhaltlich komplett neu ausgerichtet: von der Schausammlung über das Kinderatelier bis zum neu gestalteten Eingangsbereich und den frisch renovierten Schauräumen, wo eindrucksvolle Wechselausstellungen wie z.B. "Bigger than Life - 100 Jahre Hollywood. Eine jüdische Erfahrung" sich als wahre Publikumsmagneten erweisen.

2013 wurde sie zur neuen Präsidentin von ICOM Österreich (ICOM - internationale Organisation für Museen und Museumsfachleute) gewählt. Sie ist darüberhinaus u.a. seit 2013 im Universitätsrat der Medizinischen Universität Innsbruck und im Programmbeirat von ARTE, seit 2011 im Beirat der Nitsch Foundation und seit 2010 im Vorstand des VWI (Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust Studien).

Dr. Danielle Engelberg-Spera ist seit 1994 mit dem Psychoanalytiker Mag. Martin Engelberg verheiratet, hat drei Kinder und lebt mit ihrer Familie in Wien.

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • ROMY-Fernsehpreis, 1991 und 2007

Werke (Auswahl)#

Bücher, Kataloge
  • Hermann Nitsch. Leben und Arbeit, 1999 und 2005
  • Muzeon. Publikation über das Jüdische Museum Wien, 2012
  • Jüdische Genies. Warhols Juden. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung (Wien), 2012
  • Jüdische Museen zwischen gestern und morgen. Reflexionen aus involvierter Außenperspektive (gem. mit Dr. Werner Hanak-Lettner); in Wiener Jahrbuch für jüdische Geschichte, Kultur und Museumswesen, Band 10-2013/14
  • Unsere Stadt! Jüdisches Wien bis heute. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung (Wien), 2013
  • A Good Day. Installation Andrew M. Mezvinsky. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung (Wien), 2013
  • TATIANA LECOMTE. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung (Wien9, 2013
  • meeting : jedermann. rabinovich revisited. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung (Wien), 2013

zahlreiche Textbeiträge in Büchern, Eröffnungs- und Festreden bei Kunst- und Kulturereignissen, Moderation von Veranstaltungen, Vorträge, Symposiums- und Diskussionsteilnahmen

Essay#

Wenn Großväter erzählen#

Jüdisches Museum Wien: Arik Brauer illustriert eine neue Haggada zum Pessachfest.#


Mit freundlicher Genehmigung übernommen aus der Wiener Zeitung (Mittwoch, 22. Jänner 2014)

Von

Brigitte Borchhardt-Birbaumer


Ausschnitt eines Gemäldes von Arik Brauer
Arik Brauer lässt die Worte der Bibel in Bildern leuchten (Ausschnitt).
© Stalzer & Partner/Jüdisches Museum

Fünfunddreißig Jahre nach seinen ersten Illustrationen zur Haggada 1979 hat Arik Brauer mit 24 Bildern einen neuen Zyklus zum Auszug des jüdischen Volkes aus Ägypten vor 3000 Jahren geschaffen. Angeregt von Erwin Javor, der die Blätter dem Jüdischen Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung stellt, birgt ein Begleitband in zwei von drei Variationen auch die Lieder, die am Seder-abend als Beginn des Pessachfestes gesungen werden - und wird damit zumindest den zwei Hauptbegabungen des im Jänner 85-jährigen Brauer gerecht. Zudem haben Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg und Joshua Sobol an lesenswerten Interpretationen der biblischen Geschichten mitgewirkt.

In der Einraumschau wird klar, wie unterschiedlich die Auffassungen und Grade der Säkularisierung der Geschichte der Haggada zum reinen Freiheitsfest heute sind. Denn im streng orthodoxen Glauben sind schon die Bilder ein Problem. Da zählt nur die sprachliche Auslegung. Bis ins kleinste Detail wird bei Brauer nicht nur die freudige Geschichte der Befreiung der Juden aus der ägyptischen Gefangenschaft Richtung Jerusalem mit allen Wundern wie dem Durchzug durch das Rote Meer oder die Speisung durch göttliches Manna erzählt, sondern auch über Moses und den Sieg des Monotheismus über die Vielgötterei berichtet. Für Kinder interessante Szenen sind all die Dämonen und Götzen wie auch die Katze, die das Zicklein frisst, um selber vom Hund verschlungen zu werden, oder die Feuer- und Rauchsäulen, glühenden Felsen und nächtlichen Sternenhimmel. In dunklen Flecken tropfen die Pest und Blutwolken bedrohlich auf die Wanderer.

Brauer hat mit einer perfektionierten Technik der Temperamalerei auf Karton dem Leuchten nachgeholfen, das in der biblischen Geschichte mit so positivem Ausgang für ihn wichtig ist. Er sieht sogar seine Kunstrichtung, den Phantastischen Realismus, auf dem facettenreichen Erzählschatz der Bibel begründet. Diese Inspirationsquelle ist auch für Ernst Fuchs wichtig, weniger für die anderen Kollegen der "Wiener Schule des Phantastischen Realismus" Anton Lehmden, Wolfgang Hutter und Rudolf Hausner. Neben Brauers 85. Geburtstag jährt sich übrigens der Hausners, um den sich die Jüngeren nach ihrem Studium gruppierten, heuer zum 100. Mal.

Kuratorin und Direktorin Danielle Spera weist auf die Hilfe hin, die Brauers Bilder ihren Kindern bieten: Der Sederabend mit dem vorgeschriebenen Lesen der ganzen Haggada durch alle Familienmitglieder verzögert das traditionelle Abendmahl nämlich um Stunden, und so helfen die Bil-der, die Ungeduld der Kinder nicht allzu sehr auf die Probe zu stellen.

Wiener Zeitung, Mittwoch, 22. Jänner 2014

Weiterführendes#

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl