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Stabius (Stab, Stöberer), Johannes#

* nach 1460, Hueb bei Steyr (Oberösterreich)

† 1. 1. 1522, Graz


Geistlicher, Humanist, Naturwissenschaftler und Historiograph


Johannes Stabius. Stich, 18. Jh.
Johannes Stabius. Stich, 18. Jh.
© Bildarchiv d. ÖNB, Wien, für AEIOU

1482 an der Universität Ingolstadt immatrikuliert, wo er das artistische Bakkalaureat erwarb, nicht jedoch das Magisterium.

In Ingolstadt erhielt er als Nachfolger des Johannes Engel (Angelus) 1498 eine besoldete mathematische Professur und schloß sich Konrad Celtis an, dem er 1502 nach Wien folgte.

Noch im selben Jahr wurde Stabius in Wien für eine von zwei mathematischen Lehrstellen, die sowohl für die Wiener Universität wie das von Maximilian 1501 gestiftete und von Celtis 1502 eröffnete Wiener "Collegium poetarum" (et mathematicorum) eingerichtet wurden, vorgesehen – diese Stelle wurde jedoch nicht ihm sondern Andreas Stiborius zuerkannt. Stabius wurde im Winter 1502/03 im "Collegium" zum Poeta laureatus gekrönt. Unstimmigkeiten mit Stiborius und anderen Collegiaten wurden durch den Abgang Stabius’ in den Dienst Kg. Maximilians I. gelöst.

Sein bekanntester Schüler in Wien war Georg Tannstetter Collimitius. . Es ist aber nicht sicher, ob Stabius auch an der Wiener Universität unterrichtet hat.

Als Hofhistoriograph – konkret nachweisbar erst durch eine Arbeit im Jahre 1509 - hatte sich Stabius dazumal vornehmlich mit der Genealogie des Hauses Österreich und literarischen Texten des Herrschers ("Theuerdank") zu befassen. In dieser Zeit, insbesondere nach 1510, nahm er auch Verbindungen zu Nürnberger Humanisten auf, wobei sich Stabius neben seinen hofhistoriographischen Tätigkeiten auch wieder mathematisch-astronomischen Themen zuwandte.

Gemeinsam mit Albrecht Dürer und Konrad Heinfogel brachte er eine Erdkarte in stereographisch-perspektivischer Projektion sowie Karten des nördlichen und südlichen Sternenhimmels als Holzschnitte heraus. In Nürnberg schuf Stabius gegen Ende seiner Lehrtätigkeit in Ingolstadt (um 1501/02) auf Anregung von Johannes Werner auch die mathematisch-astronomische Einrichtung der heute noch erhaltenen, im 19. Jahrhundert restaurierten Sonnenuhr auf der Südseite des Ostchores der Kirche St. Lorenz.

Stabius’ letzte Lebensjahre waren ausgefüllt mit Arbeiten im Dienste des Herrschers, er schuf u.a. den historisch-genealogischer Teil des "Triumphzuges" Maximilians. In den Jahren von 1517 bis 1519, in welchen er hauptsächlich in Nürnberg weilte, war Stabius inbesondere durch die aufwändigen Recherchen und redaktionellen Arbeiten an der "Ehrenpforte", für die er den Begleittext schrieb, befasst.

Stabius, der Priester war und um 1500 die Pfarre Karlstetten in Niederösterreich innehatte, wurde von Kaiser Maximilian I. im Jahre 1515 in den Ritterstand erhoben.

Nach dem Tode des Kaisers (1519) bezog er in Augsburg Quartier und verwaltete vorübergehend den literarischen und xylographischen Nachlaß Maximilians I., bevor er in die Dienste Erzherzog Ferdinands übertrat, bei dem er sich Ende des Jahres 1521 in Graz aufhielt. Er starb am Neujahrstag 1522 an den Folgen eines Schlaganfalls. In Nürnberg (Stadtteil Rennweg) und in Steyr (Oberösterr.) ist eine Straße nach ihm benannt.


Stabius’ bedeutendste wissenschaftliche Leistung liegt im Bereich der mathematischen Geographie. Mit der sogenannten Stabius-Werner-Projektion in herzförmiger Gestalt wird er als ein Wegbereiter der modernen kartographischen Projektionslehre angesehen. Es handelt sich bei dieser Projektion um eine Abbildung des Gradnetzes der Erdkugel in der Ebene, nach moderner Bestimmung um eine abweitungs- und flächentreue Azimutalabbildung, auf die eher der Name Gradnetzentwurf als der Begriff Projektion zutrifft. Johannes Werner hat diesen Entwurf unter Hinweis auf Stabius als Urheber erstmals 1514 veröffentlicht.

(Es ist aber nicht auszuschließen, dass schon im 15. Jahrhundert – ein Indiz darauf findet sich bei Georg von Peuerbach – die herzförmige Gradnetzabbildung bekannt war.)

Daneben trat Stabius zu seiner Zeit u.a. durch astronomisch-astrologische Arbeiten, durch eine Karte der österreichischen Erbländer und Abhandlungen zur Sonnenuhrenkunde hervor.

Literatur#

  • Hans Kaiser und Wilfried Nöbauer, Geschichte der Mathematik, Wien 1984
  • Jan-Dirk Müller, Gedechtnus. Literatur und Hofgesellschaft um Maximilian I., München 1982, S. 59, u.a.Stellen
  • Günther Hamann, Der Behaim-Globus als Vorbild der Stabius-Dürer-Karte von 1515, in: Der Globusfreund, No. 25/27, 1977/79 (veröff. 1978), S. 135-147
  • Maximilian I., Ausstellungskatalog, Innsbruck 1969.
  • Helmuth Grössing, Johannes Stabius. Ein Oberösterreicher im Kreis der Humanisten um Kaiser Maximilian. In: Mitteilungen des oberösterreichischen Landesarchivs, Bd. 9, 1968, S. 239-264


Redaktion: H. Grössing