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Stadler, Karl R.#


* 8. 10. 1913, Wien

† 7. 7. 1987, Linz


Historiker, Volksbildner


Karl Rudolf Stadler wurde am 8. Oktober 1913 als Sohn einer Arbeiterfamilie in Wien in geboren, wo er auch aufwuchs.

Nach der Matura an der Bundeserziehungsanstalt begann er 1931 an der Universität Wien zunächst ein Studium der Rechtswissenschaften, wechselte aber bald zu einem Sprachstudium. Gemeinsam mit seiner späteren Frau Gina führten ihn abenteuerliche Reisen nach England, wo er auch erste Artikel zu schreiben begann.

Gemeinsam mit Christian Broda war er in den sozialistischen Jugendorganisationen und ab 1934 bei den Revolutionären Sozialisten tätig. 1936 war er Delegierter auf der Internationalen Jugendkonferenz für den Frieden und hielt dort eine flammende Rede, in der er die Friedensfrage mit der sozialen Frage zu verknüpfen verstand.

Karl Stadler, der im März 1938 noch massiv Stimmung für Schuschniggs Volksabstimmung gemacht hatte, musste nach dem "Anschluss" emigrieren. Er ging nach Großbritannien, wo er seine Studien in Erwachsenenbildung und Geschichte an den Universitäten Bristol und später in London fortsetzen und beenden konnte.

Bald nach Kriegsausbruch war er zunächst als "Enemy Alien" mehrere Monate lang interniert gewesen, danach konnte er sich mit Nachhilfestunden seinen Unterhalt sichern; schließlich begann er vor Angehörigen der britischen Armee Vorträge zur Geschichte und politischen Entwicklung zu halten. Im Rahmen der Erwachsenenbildung erhielt er von der Universität eine Stelle in Derby, von wo er 1946 an die Universität von Nottingham wechselte.

Nach Kriegsende wurde Karl Stadler in der "Re-education" des britischen Informationsministeriums eingesetzt; es waren v.a. Kriegsgefangene aus Österreich, die von Stadler zur Demokratie "erzogen" wurden.

Obwohl er stark in der Lehre, der Erwachsenenbildung und der Re-education engagiert war, unternahm er zahlreiche Archivreisen, in denen er neues zeithistorisches Material erschloss. Neben seinen Schriften zur Erwachsenenbildung erschienen 1962 und 1966 (in deutscher Sprache) Werke zum österreichischen Widerstand, die dazu beitrugen, die Widerstandsforschung in der Wissenschaft zu etablieren.

Karl Stadler, der an der Universität Nottingham 1962 zum "Senior Lecturer" für Neuere Geschichte und Internationale Beziehungen ernannt wurde, wurde 1964 beurlaubt, um in Wien das von Bruno Kreisky initiierte "Wiener Institut für Entwicklungsfragen" aufzubauen und am Institut für Höhere Studien und an der Diplomatischen Akademie als Gastprofessor zu wirken. 1968 folgte Stadler einem Ruf an die neu gegründete Universität Linz, wo er bis 1983 als Professor für Zeitgeschichte wirkte.

Karl R. Stadler war von 1970 bis 1984 Präsident der Verbands österreichischer Volkshochschulen, wurde 1973 Gründungsrektor des Dr.-Karl-Renner-Instituts (bis 1977) und war 1986 Gründer des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Geschichte der Arbeiterbewegung, das er bis 1986 (ein Jahr nach seiner Emeritierung) auch leitete.

Karl R. Stadler starb am 7. Juli 1987 in Linz. Mit seinem Tod ging für die österreichische Geschichtswissenschaft eine Epoche zu Ende.

Karl R. Stadler
P. Diem / Quelle: DÖW Juli 2012

Werke (Auswahl)#

  • The birth of the Austrian Republic, 1966
  • Österreich 1938-1945 im Spiegel der NS-Akten, Wien 1966
  • Hypothek auf die Zukunft. Die Entstehung der österreichischen Republik 1918-1921, Wien, 1968
  • Austria, 1971
  • Opfer verlorener Zeiten. Geschichte der Schutzbund-Emigration 1934, 1974
  • Dr. Karl Renner, 1978
  • Adolf Schärf. Mensch, Politiker, Staatsmann, Wien 1982
  • Sozialistenprozesse. Politische Justiz in Österreich 1870–1936, 1986

Literatur#

  • G. Botz und andere (Hg.), Geschichte und Gesellschaft, Festschrift für K. R. Stadler zum 60. Geburtstag, 1974
  • R. Arlt und H. Hautmann, Arbeiterschaft und Nationalsozialismus in Österreich. In memoriam K. Stadler, 1990

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl