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Stainer-Knittel, Anna#

* 28. 7. 1840, Elbigenalp (Tirol)

† 28. 2. 1915, Wattens (Tirol)


"Geierwally"
Porträt- und Blumenmalerin, Autorin


Anna Stainer-Knittel
Anna Stainer-Knittel, Selbstporträt um 1857. Aus: Wikicommons

Anna Stainer-Knittel (später bekannt als die "Geierwally") wurde am 28. Juli 1841 in Elbigenalp als Tochter eines Büchsenmachers und Großnichte des damals bekannten Malers Joseph Anton Koch im Lechtal geboren, wo sie auch aufwuchs. Ihr Talent für das Zeichnen und Malen wurde bereits in Schulzeit offenbar - mit ihren oft boshaften, aber treffenden Karikaturen von MitschülerInnen.

Berühmt wurde sie zunächst aber durch eine "Mutprobe": sie holte zweimal (1858 und 1863) ein Adlerjunges aus dem Nest. Sie seilte sich an steiler Wand in die Tiefe, um einen Adlerhorst auszunehmen, zog die jungen Adler groß, um sie später auf einem Jahrmarkt zu verkaufen.

Schon kurz darauf verpackte der bayrische Reiseschriftsteller Ludwig von Steub die Heldentat in eine literarische Erzählung, und der Lyriker Anton Renk nannte Anna Knittel "Brunhilde vom Lechtal".


In der Kunstszene half ihr dieses frühes Beispiel weiblicher Emanzipation zur Durchsetzung und dazu, als eine der ersten weiblichen Schüler in der Kunstakademie in München aufgenommen zu werden.


Ihr Kunststudium, das sie 1859 begann, wurde anfangs noch von ihrem Lehrer Anton Falger finanziert, später lebte sie als freischaffende Künstlerin.


1863 zog Anna nach Innsbruck und lernte bald ihren zukünftigen Mann, den Gipsformer Engelbert Steiner (Stainer) kennen, den sie gegen den Willen ihrer Eltern 1867 heiratete.

Sie gründeten ein Geschäft in Innsbruck und lebten von ihrer Malerei und seinen Arbeiten. Berühmt wurde sie vor allem für ihre Öl-Landschaften und Blumenbilder, die ihr von den Touristen fast aus der Hand gerissen wurden, malte aber auch Porträts.

1873 war Anna Stainer Knittel mit dem Ölbild "Alpenblumenkranz" auf der Wiener Weltausstellung vertreten, für 40 Pfund Sterling wurde es nach England verkauft.

Mit fast siebzig Jahren schrieb sie ihre Lebenserinnerungen nieder.


Am 28. Februar 1915 starb sie im Hause ihres Sohnes Dr. Karl Steiner.



Als Geierwally wurde Anna Stainer Knittel unsterblich: Unzählige Male wurde der Romanstoff für das Theater adaptiert, der Roman "Geierwally" (1876) von Wilhelmine von Hillern wurde in elf Sprachen übersetzt und mehrmals verfilmt – u.a. 1943 mit Heidemarie Hatheye, 1946/47 mit Barbara Rütting und 2004 in einer modernen Fassung mit Christine Neubauer verfilmt wurde.

Die Oper "La Wally" von Alfredo Catalani wurde 1892 uraufgeführt; von Felix Mitterer wurde der Stoff als Volksstück bearbeitet; in Elbigenalp finden die "Geierwally-Freilichtspiele" statt.

Quellen#



Redaktion: I. Schinnerl