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Staribacher, Josef#

* 25. 3. 1921, Wien

† 4. 1. 2014, Wien


Stein- und Offsetdrucker
Diplomvolkswirt und Politiker (SPÖ)

Josef Staribacher. Foto, 1980, © Öst. Inst. f. Zeitgeschichte, Wien - Bildarchiv, für AEIOU
Josef Staribacher. Foto, 1980
© Öst. Inst. f. Zeitgeschichte, Wien - Bildarchiv, für AEIOU
Vater von Andreas Staribacher

Josef Staribacher wurde am 28. März 1921 in einer Wiener Arbeiterfamilie - der Vater war Straßenbahner, die Mutter Hausfrau – geboren.

Er engagierte sich früh in den SP-Jugendorganisationen – zuerst bei den Kinderfreunden, dann bei den "Roten Falken" – und musste wegen seines politischen Engagements 1936 die Schulausbildung abbrechen und absolvierte zunächst eine Lehre zum Stein- und Offsetdrucker. Zeitweise war er wegen seiner politischer Tätigkeit inhaftiert, wenige Tage nach Kriegsbeginn wurde er von den Nazionalsozialisten für neun Monate im Konzentrationslager Buchenwald interniert und dann zur Wehrmacht eingezogen.

Nach einer schweren Kriegsverletzung 1941 konnte er nach Hause zurückkehren und absolvierte in den restlichen Kriegsjahren nach der Abend-Matura ein Studium der Staatswissenschaften, das er 1945 mit der Prüfung zum Diplomvolkswirt abschloss.

Anschließend begann er in der Kammer für Arbeiter und Angestellte in Wien zu arbeiten und studierte daneben Rechtswissenschaften an der Universität Wien, wo er 1952 zum Dr. iur. promovierte.

Von 1968 bis 1970 war er als Kammeramtsdirektor ranghöchster Angestellter der Arbeiterkammer Wien, von 1961 bis 1989 war er auch Vorsitzender der Gewerkschaft der Lebens- und Genussmittelarbeiter (LUGA). Darüber hinaus bekleidete er jahrelang verschiedene Spitzenpositionen innerhalb des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB).

1961 zog er in den Nationalrat ein - wo er bis 1983 blieb - und 1970 holte ihn Bruno Kreisky in die Regierung. Dort diente er in allen vier Kabinetten Kreiskys (ebenfalls bis 1983) als Bundesminister für Handel, Gewerbe und Industrie.

Josef Staribacher praktizierte einen für die damalige Zeit ungewohnt offenen Regierungsstil; vieles aus seinen 13 Jahren als Handelsminister ist noch heute gut in Erinnerung: nicht nur der "autofreie Tag" (in der "Ölkrise" 1973) sondern auch der Slogan "Wanderbares Österreich", den der leidenschaftliche Bergwanderer in seinen Bemühungen um den Fremdenverkehr prägte.

Verbunden wird seine Name auch mit dem Ausbau der staatlichen Förderung für Klein- und Mittelbetriebe, dem "Bundesadler" für herausragende Betriebe auf deren Briefpapieren oder ersten Schritten zu einer modernen Konsumentenpolitik, die in der Einführung des konsumentenpolitischen Beirats gipfelten. (In seine Amtszeit fielen auch weniger erfolgreiche Unterfangen, wie den Bau des Atomkraftwerks Zwentendorf oder die Planung des Donaukraftwerks Hainburg. )

Josef Staribacher war auch ein wichtiger Chronist der Ära Kreisky. Er schrieb ein persönliches Tagebuch von 15.000 (!) Seiten, das heute im Bruno-Kreisky-Archiv aufliegt.

Legendär ist Staribachers Abschied aus der Regierung: bei seinem letzten Pressetermin als Minister spielte er den versammelten Journalisten "Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus" auf der Mundharmonika vor.

Auch nach seinem Abschied aus Regierung und Parlament blieb Josef Staribacher aktiv (er war bis 2000 Präsident des ÖIAG-Aufsichtsrats) und war nach wie vor politisch interessiert: so nahm er noch im Jänner 2006 an einer Demonstration gegen die Post-Privatisierung teil oder engagierte sich bei der Bundespräsidentenwahl 2004 in einer überparteilichen Initiative für Heinz Fischer.

Josef Staribacher war verheiratet und hatte 2 erwachsene Söhne (sein jüngerer Sohn Andreas war 1995/96 Finanzminister).

Dipl.-Vw. Dr. Josef Staribacher starb am 4. Jänner 2014 im 93. Lebensjahr in Wien.

Weiterführendes#

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl