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Staub, Herta#

* 21. 12. 1908, Wien

† 18. 8. 1996, Wien


Lyrikerin, Schriftstellerin, Journalistin


Herta Staub
Herta Staub
© Wiener Stadt- und Landesbibliothek

Herta Staub wurde am 21. Dezember 1908 in einer gutbürgerlichen Wiener Familie geboren.


Sie besuchte das Realgymnasium und eine Bürgerschule. In den Jahren 1920 bis 1922 war sie – wie viele andere Kinder auch - zum "Aufpäppeln" nach Holland geschickt worden.

Der Vater starb 1922 an den Spätfolgen einer Kriegsverletzung, ein Studium war unter den schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen nur für ihren lungenkranken Bruder möglich, den Herta später fast ihr ganzes Leben lang betreute.


Herta arbeitet u.a. als Köchin und hatte wechselnde Bürojobs; doch bereits 1926/27 begann sie einzelne Gedichte und Reportagen in den "Literarischen Monatsheften" und im "Wiener Tag" zu veröffentlichen. Dies führte 1932 zur Mitarbeit bei der "Wiener Zeitung", wo sie bis 1938 als Kulturredakteurin tätig war.

1933 veröffentlichte sie ihren ersten Lyrikband "Schaukelpferd - Kopf oben Kopf unten"; sie wurde Mitglied der Literaturrunde um Wilhelm Exner und der Gruppe um Suso Waldeck, zu dem u.a. auch Carl Zuckmayer, Paula von Preradovic oder Erich Scheibelreiter zählten.


Während der NS-Zeit war sie mit Schreibverbot belegt und musste sich mit Übersetzungsarbeiten durchschlagen. Ab 1943 arbeitete sie als wissenschaftliche Hilfskraft in einem Bergungstrupp des Bundesdenkmalamtes und war Mitglied in zwei Widerstandsbewegungen.


Von 1945 bis 1949 war sie als Kunst- und Pressereferentin des Amts für Kultur und Volksbildung der Stadt Wien und als freie Journalistin für die Tageszeitung "Neues Österreich" tätig.
Als Nachlassverwalterin des Philosophen Rudolf Kassner bemühte sie sich ab 1959 um dessen Werke und fungierte ab 1962 bis zu ihrem Tod als Vizepräsidentin und Geschäftsführerin der "Rudolf-Kassner-Gesellschaft".


Herta Staub
Herta Staub
© Lisa Fischer
1964 wurde sie als "Poetic Assistant" an die Universität Freiburg berufen. Sie hatte Kontakt mit W. H. Auden, dessen Gedichte sie ins Deutsche übertrug.

Eine zentrale Erfahrung ihres Lebens - die politisch unruhige Zwischenkriegszeit und das Holland-Erlebnis - verarbeitete sie in ihrem Roman "Blaue Donau ade", der 1937 herausbracht wurde. Ihr lyrisches Werk liegt in drei schmalen Sammlungen vor, darunter auch "Donau 1945", eines ihrer Ruinen-Gedichte, das zuerst 1945 in der Zeitschrift "Plan" erschien und in vielen Anthologien abgedruckt wurde.


Herta Staub war Mitglied der IG Autorinnen Autoren, des Österreichischer P.E.N.-Clubs und des Literaturkreises PODIUM.

Herta Staub starb am 18. August 1996.

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • Kulturpreis des Landes Oberösterreich für Literatur, 1954
  • Förderungspreis der Stadt Wien für Literatur, 1956
  • Förderungspreis für Literatur des Theodor-Körner-Stiftungsfonds zur Förderung von Wissenschaft und Kuns,t 1963
  • Preis des Literaturwettbewerbs des Adolf-Schärf-Fonds zur Förderung von Wissenschaft und Kunst der Zentralsparkasse Wien, 1984
  • Verleihung des Titels „Professor“, 1970

Werke (Auswahl)#

Lyrik
  • Schaukelpferd. Gedichte, 1933
  • Der Feen-Rufer. Neue Gedichte, 1958
  • Welt als Versuch. Neue Gedichte, 1978

Romane

  • Flori und die Weltflieger. Roman für Buben und Mädels, 1933
  • Blaue Donau adé, 1937
  • Welt als Versuch, 1978)

Drama

  • Honoria, 1943
  • Söhne der Freiheit, 1954



Herta Staub
Herta Staub
© Lisa Fischer

Leseprobe#


DONAU 1945


Unter schweren Himmeln rollt sie
tief in Düsternis dahin ...
Und von jenseits hallen wider
fremder Männer fremde Lieder,
und die Wintersterne glühn.


Keine Schiffe ziehn, kein Hafen
öffnet gastlich seinen Port.
Und die Brücken sind ertrunken,
weniger Laternen Funken
reihen schief sich um den Ort,

Herta Staub
Herta Staub
© Lisa Fischer

wo zersprengte Pfeiler stehen,
schwarz im blinden Wellenschaum,
und wo Schiffe, halb gestrandet,
wirr zerschossen und versandet,
ächzen wie ein Tier im Traum.


Ferne Berge, ferne Ebnen
liegen in der Hut der Nacht.
Nur die Stadt, ein grauer Schatten,
voll Ruinen, Waffen, Ratten,
hält am Strome trauernd Wacht.

(S. 31)



LITERATURHAUS
© 2000, Residenz, Salzburg, Wien.
Publikation mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

Literatur#

  • Fischer, L., Jenseits vom lärmenden Käfig. Die Lyrikerin, Journalistin und Aktivistin Herta Staub, 1997
  • Atze, M., Waldner, K., Andere Seiten. Private Adressbücher prominenter Zeitgenossen aus zwei Jahrhunderten Kunst, Literatur und Musik, 2011

Weiterführendes#

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl