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Stigler, Robert#

* 1878, Steyr (OÖ)

† 1975, Going (Tirol)


Erstbesteiger und Erforscher des Mount Elgon in Ostafrika


Der unglaublich vielseitige Arzt, Physiologe und Bergsteiger erstieg und erforschte als erster mehrere hohe Berge in Ostafrika, darunter den 4.321 Meter hohen Mount Elgon an der Grenze zwischen Kenia und Uganda, dessen höchsten Punkt er "Kaiser Franz Josef-Spitze" nannte.

Der Mount Elgon
Der Mount Elgon
© Foto Senft

Nach dem Besuch des Gymnasiums in Wien studierte Stigler Medizin, Philosophie und Sprachen (darunter auch Suaheli) in Kiel, Bern und Wien, wo er 1903 zum Dr. med. promoviert wurde.

1911 bis 1912 unternahm Stigler eine Forschungsreise durch Britisch-Ostafrika und den Sudan, in deren Verlauf Gebiete besucht wurden, die zuvor noch nie von Weißen betreten worden waren, dabei wurden auch mehrere Berge erstbestiegen, so auch der an der Grenze zwischen Uganda und Kenia liegende, über 4.000 Meter hohe Mount Elgon. Der Berg ist ein gewaltiges, mit Senecien (= Kreuzkraut) bestandenes Vulkanmassiv mit einem 7 Kilometer breiten, grün bewachsenen Krater, der kleine Seen birgt. Elf Gipfel umrahmen die Caldera (Vulkankrater), die zum Teil in lotrechten Basaltwänden nach innen bricht. Der höchste Gipfel (4.321 Meter) wurde von Stigler "Kaiser Franz Josef-Spitze" benannt, leider verschwand der Name auf späteren Landkarten, und heute heißt der höchste Punkt "Koitoboss".

Der unglaublich vielseitig begabte "unruhige Geist Stigler" wandte sich vor und nach dem Ersten Weltkrieg verschiedensten wissenschaftlichen Tätigkeiten zu, es lohnt sich, diese aufzuzählen:

1903 war er Assistent an der chirurgischen Abteilung der Universität Bern, 1904 Sekundararzt im Rochusspital Wien, 1905 bis 1919 Assistent an den physiologischen Instituten der Universitäten Graz und Wien, während der Ferien in den Jahren 1908 bis 1914 mehrmals stellvertretender Schiffsarzt beim "Österreichischen Lloyd", sodann "K. K. Oberarzt" an der Dolomitenfront. 1919 bis 1934 Professor für Anatomie und Physiologie der Haustiere an der Hochschule für Bodenkultur in Wien. 1941 Professor für Physiologie des Menschen an der Universität Wien; 1942 bis 1945 Marineoberstabsarzt und wissenschaftlicher Leiter des marineärztlichen U- Boot- Forschungsinstitutes in Carnac am Atlantik; ab 1948 im Ruhestand.

Auch eine Reihe von Entdeckungen geht auf Stigler zurück, so im alpinen Rettungswesen die Entwicklung der "Stiglerschen Gebirgsbahre". Ferner erforschte er die Physiologie der Atmung, der Wärmeregulierung, die Wirkung des Wasserdrucks auf den Blutkreislauf beim Tauchen u.v.a.m.

Quellen#

  • H.&W. Senft, Aufbruch ins Unbekannte, Stocker Verlag, Graz, 1999


Redaktion: Hilde und Willi Senft