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Swieten, Gerard van#

* 7. 5. 1700, Leiden Leiden (Niederlande)

† 18. 6. 1772, Schönbrunn bei Wien


Arzt, Leibarzt und Berater Kaiserin Maria Theresias


Gerard van Swieten
Gerard van Swieten, Stahlstich von I. Haid.
© Ch. Brandstätter Verlag, Wien, für AEIOU

Gerard van Swieten wurde am. 7. Mai 1700 in Leyden geboren.

Er studierte in Löwen (Leuven ) und Leyden unter Herman Boerhaave, einem der berühmtesten Ärzte des 18. Jahrhunderts, der die Medizinerausbilder mit seinem "Unterricht am Krankenbett" revolutionierte. Durch Boerhaaves Studenten verbreitete sich die "Leydener Schule" über ganz Europa und Nordamerika.

Gerard van Swieten promovierte 1725 in Leyden mit einer Dissertation "De arteriae fabrica et efficacia in corpore humano" promovierte.

1736 erhielt er die Erlaubnis, als Privatdozent medizinische Vorlesungen zu halten, welche ihm später wegen seines (römisch-katholischen) Glaubens wieder entzogen wurde.

1745 wurde er von Kaiserin Maria Theresia als Leibarzt nach Wien berufen und bald darauf zum Inspektor des medizinischen Unterrichts in Österreich befördert.


Die Kaiserin beauftragte ihn, einen Reformplan für den medizinischen Unterricht auszuarbeiten. 1749 legte van Swieten einen "Plan pour la faculté de medicine" handschriflich in französischer Sprache vor, die medizinische Fakultät wurde sozusagen verstaatlicht.

Er berief bedeutende Lehrer der Heilkunde, unter ihnen de Haen, Stoerk und Stoll an die Hochschule, drängte zur Errichtung eines neuen Universitätsgebäudes (Universität Wien), eröffnete 1755 die neue Universität mit einem chemischen und physikalischen Laboratorium. Er gründete die erste Wiener Schule für Tierärzte, Hebammenschulen, Findelhäuser und reorganisierte die verwahrlosten Heilanstalten in ganz Österreich unter Mithilfe des Freiherrn Joseph von Quarin, dem u.a. die Gründung des Allgemeinen Krankenhauses und vieler anderer Hospitäler zu verdanken ist. Als Direktor der Hofbibliothek ermöglichte er durch einen Lesesaal allgemeine Benützung, als Leiter der Studien- und Bücherzensur-Hofkommission bewirkte er eine Lockerung der Zensurbestimmungen.

Somit reformierte und modernisierte Van Swieten das gesamte österreichischen Gesundheitswesen aber auch den gesamten medizinischen Universitätsunterricht und gilt gemeinsam mit Anton de Haen als Begründer der älteren Wiener Medizinischen Schule.

Maria Theresia hatte auf sein Anraten einen Medizinalpflanzengarten anlegen lassen, der Chemie- und Botanik-Professor Nikolaus J. Freiherr von Jacquin ließ hier später die ersten Gewächshäuser bauen und die Freilandsammlungen erweitern. Um van Swieten für seine Verdienste um den Botanischen Garten zu ehren, benannte von Jacquin die Gattung der amerikanischen Mahagonibäume "Swietenia".

Zudem hat Van Swieten - ganz im Sinne der Aufklärung - einen Feldzug gegen den weit verbreiteten Aberglauben geführt: 1755 brach er im Auftrag Maria Theresias nach Mähren auf, um den Geschichten rund um Vampire wissenschaftlich auf den Grund zu gehen.

Gerard von Swieten war der Vater von Gottfried van Swieten, der vor allem als Gönner Wolfgang Amadeus Mozarts bekannt wurde.

Gerard van Swieten starb am 18. Juni 1772.

Er wurde in der Augustinerkirche beigesetzt.

Van Swieten Gerard
Standbild von C. Zumbusch
im Denkmal Maria Theresias
© Rainer Lenius
Sein Denkmal von Caspar Zumbusch ist im Denkmal Maria Theresias integriert.

Seine Büste von Franz Xaver Messerschmid wurde auf kaiserlichen Befehl 1769 für das AKH errichtet und steht seit 1889 im Arkadenhof der Universität Wien. Kopien der Büste befinden sich im Kunsthistorischen Museum, im Josephinum, Wien 9, Währinger Straße 25, und im Prunksaal der Nationalbibliothek.

Im 1. Bezirk in der Rotenturmstraße 19 wurde ihm ein Witwen- und Waisenhaus mit einem Porträtrelief und im 9. Bezirk eine Gasse gewidmet, und das Heeresspital im 21. Bezirk ist nach ihm benannt.

Werke (Auswahl)#


  • Commentaria in Hermannis Boerhaave aphorismos de cognoscendis et curandis morbis, 5 Teile, 1742-72 (Erläuterungen der Boerhaavischen Lehrsätze ..., 5 Bände, 1755-75)
  • Constitutiones epidemicae ..., 2 Bände, 1782 (Epidemien und Krankengeschichten, 2 Bände, 1785)

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#


  • 1753 Erhebung in den Freiherrenstand
  • eine Stammpflanze des Mahagoniholzes nach ihm benannt (Swietenia)
  • 50 € - Gedenkmünze 2007


Zitate: Als Vorsitzender der Bücherzensurkommission befasste sich van Swieten mit vielen wissenschaftlichen, v.a. naturwissenschaftlichen Werken. Er erstellte einen Kodex in Geheimschrift, mit dem er alle Bücher kommentierte: z.B.: "Ein nützliches Buch, das ich für die Bibliothek gekauft habe", "enthält nichts Schlechtes", "eher ein nützliches Buch", "nichts Schlechtes, aber auch nichts Nützliches gefunden"; neben ein paar sehr positiven Kommentaren las man auch einige andere, entrüstete wie beispielsweise: "schamlos, wird verboten" oder auch "enthält viel Gefährliches, wird verboten".

Münze, Gerard v. Swieten
50€ Gedenkmünze

"...daß der ganze Lärm von nichts andern herkömme, als von einer eitlen Furcht, von einer aberglaubischen Leichtglaubigkeit, von einer dunklen und bewegten Phantasey, Einfalt und Unwissenheit bei jenem Volke." (in einer Abhandlung zum Thema Vampire).


--> 50€ Gedenkmünze, 2007 (Münzen)

Literatur#

  • E. Lesky und A. Wandruszka (Hg.), G. von Swieten und seine Zeit, 1973

Quellen#

  • AEIOU
  • Van Swieten Gesellschaft
  • Med-Uni Wien
  • Universität Wien – Ausstellung im Botanischen Garten
  • Österreichische Nationalbibliothek
  • Das große Buch der Österreicher – 4500 Personendarstellungen in Wort und Bild’ (1987), ed. W. Kleindel & H. Veigl, Verlag Kremayr & Scheriau, Wien, 615 S.
  • Lexikon der Naturwissenschaftler – Astronomen, Biologen, Chemiker, Geologen, Mediziner, Physiker’ (1996), (Hrsg.) D. Freudig et al., Spektrum, Akad. Verlag, Heidelberg (u.a.), 505 S.
  • Personenlexikon Österreich, 2002), (Hrsg.) E. Bruckmüller, Buchgemeinschaft Donauland (u.a.), Wien, 575 S.
  • Biographisches Lexikon der hervorragenden Ärzte aller Zeiten und Völker, 1932, (Hrsg.) A. Hirsch, Berlin.
  • Gerard van Swieten and his World 1700-1772, 1970, F. T. Brechka, International Archives of the History of Ideas, volume 36, The Hague.
  • Mortuus non mordet. Dokumente zum Vampirismus 1689-1791’ (1992), K. Hamberger, Wien.


Redaktion: N. Miljković, I. Schinnerl