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Treichl, Heinrich#

* 31. 7. 1913, Wien

† 2. 11. 2014, Wien


Manager, Bankier

Heinrich Treichl. Foto, 1992, © Die Presse/Harald Hofmeister, für AEIOU
Heinrich Treichl. Foto, 1992
© Die Presse/Harald Hofmeister, für AEIOU
Vater von Andreas Treichl

Heinrich Treichl wurde am 31. Juli 1913 in Wien geboren.

Seine Mutter war eine geborene Baronesse von Ferstel, sein Vater stammte aus einer bäuerlichen Familie, der es bis zum Handelskammerfunktionär und Privatbankier gebracht hatte.

Heinrich Treichl erhielt seine Ausbildung zunächst in Wien und in Frankfurt, wo er Gymnasium und Universität absolvierte. 1936 promovierte er an der Universität Wien zum Doctor juris und trat danach als Devisenhändler in die Zentrale der Pariser "Banque des Pays de l'Europe" ein, später arbeitete er bei der Mercur-Bank und der Länderbank in Wien.

Im Zweiten Weltkrieg wurde er zur Wehrmacht eingezogen, er desertierte in Paris und kam schließlich in amerikanische Kriegsgefangenschaft (sein jüngerer Bruder Wolfgang starb als Widerstandskämpfer gegen das Nazi-Regime 1944 bei einem Fallschirmabsprung in Italien).

Nach dem Krieg war Heinrich Treichl zehn Jahre im Verlagswesen (Ullstein-Verlag) tätig (wo er auch seine spätere Frau kennenlernte), ehe er 1956 als Leiter der Finanzabteilung in die damalige Verstaatlichten-Holding IBV (Österreichische Industrie- und Bergbauverwaltungs-Ges.m.b.H.) eintrat.

1958 wechselte er in den Creditanstalt-Bankverein AG (CA). Bereits vier Jahre später wurde Heinrich Treichl in den Vorstand berufen, von 1970 bis 1981 prägte er als Generaldirektor die Geschicke der CA, der größten Bank Österreichs. Die Bank (zu 60 % im Eigentum der Republik) war als Großaktionär an einer Vielzahl von Industrieunternehmen beteiligt; in Treichls Ära fiel die Internationalisierung der Bank ebenso wie die Öffnung für Privatkunden und das Massengeschäft.

Heinrich Treichl war Mitglied in zahlreichen Aufsichtsräten - von 1981 bis 1991 auch jenem der CA - und gehörte von 1970 bis 1992 auch dem Generalrat der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) an. Von 1974 bis 1999 war er Präsident des Österreichischen Roten Kreuzes, seitdem dessen Ehrenpräsident.

Heinrich Treichl prägte das heimische Bankwesen über viele Jahrzehnte auf vielfältige Art und Weise: mehr als ein Jahrzehnt stand er an der Spitze der Creditanstalt, der damals größten Bank Österreichs; von 1970 bis 1985 war er auch Obmann der Bundessektion Bank und Versicherung in der Wirtschaftskammer. In Erinnerung geblieben sind aber auch die Auseinandersetzungen des klassischen Liberalen mit Kanzler Bruno Kreisky und Finanzminister Hannes Androsch.


Für seine Leistungen und Verdienste erhielt er zahlreiche Auszeichnungen aus dem In- und Ausland. Das Österreichische Rote Kreuz vergibt den "Heinrich-Treichl-Preis" für besondere humanitäre Leistungen.

Heinrich Treichl war verheiratet mit Helga Treichl (geb. Ullstein, Urenkelin des Gründers des Verlags Ullstein) und Vater zweier Söhne. Am 2. November 2014 verstarb Heinrich Treichl im 102. Lebensjahr in Wien.

Werke (Auswahl)#

  • Fast ein Jahrhundert. Autobiographie, 2003

Weiterführendes#

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl