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Trubetzkoy, Nikolai Sergejewitsch#

* 16. 4. 1890, Moskau (Russische Föderation)

† 25. 6. 1938, Wien


Linguist



FTrubetzkoy, Nikolai Sergejewitsch
Porträt von Vanja Radauš
Universität Wien, Arkadenhof
© Rainer Lenius

Nikolai Sergejewitsch Trubetzkoy wurde am 16. April 1890 in Moskau als Sohn eines Universitätsprofessors in einer russischen Adelsfamilie geboren.

Bereits während seiner Schulzeit veröffentlichte er Artikel zu Sprachwissenschaften und Ethnologie, absolvierte ab 1908 in Moskau ein Studium der Philosophie (aber auch Psychologie, westeuropäische Literatur, Komparistik), das er 1913 mit der Promotion zum Dr. phil abschloss.

Nach einem Studienaufenhalt in Leipzig habilitierte er sich 1916 für allgemeine und vergleichende Sprachwissenschaften und Sanskrit an der Universität Moskau.

Als russischer Adliger musste Trubetzkoy 1917 vor der bolschewistischen Revolution fliehen,er wurde 1918 Professor für Slawische Philologie in Rostow am Don.

1920 musste er wegen der politischen Entwicklungen nach Bulgarien emigrieren, wo er Dozent für slawische Philologie an der Universität Sofia wurde. 1922 wurde er als ordentlicher Professor für slawische Philologie an die Universität Wien berufen.

Trubetzkoy erweiterte die Sprachwissenschaft um ein neues Teilgebiet - die Phonologie. Die von ihm entwickelte neue Art der Sprachbetrachtung bezog sich zum ersten Mal auf eine funktionslogische Betrachtung der Sprache (Laute, Phoneme).

Einer seiner bekanntesten Beiträge zu einer neuen Betrachtungsweise in der vergleichenden Sprachwissenschaft ist der von ihm vorgeschlagene deutschsprachige Begriff "Sprachbund" (der auch in der englischsprachigen Forschung benutzt wird). Sein Forschungsinteresse galt der russischen Volksdichtung, der Sprache der finno-ugrischen Völker Russlands und den kaukasischen Sprachen.

Er ist auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gr.21/49) bestattet.

Trubetzkoy Kleeblattg.
Gedenktafel Kleeblattgasse 4
© Rainer Lenius
Sein Porträt von Vanja Radauš ist im Arkadenhof der Universität Wien zu sehen und an seinem Wohnhaus in Wien 1, Kleeblattgasse 4, ist eine Gedenktafel angebracht

Werke (Auswahl)#

  • Grundzüge der Phonologie, Prag 1939
  • Altkirchen-Slavische Grammatik, Laut- und Formensystem, 1954
  • Die russischen Dichter des 18. und 19. Jahrhunderts, 1956
  • Dostojewski als Künstler, 1964
  • Letters and Notes, 1965

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl