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Tschermak-Seysenegg, Gustav#

* 19. 4. 1836, Littau, heute Litovel, Tschechische Republik

† 4. 5. 1927, Wien


Mineraloge


Tschermak-Seysenegg, Gustav
Porträtrelief, Universität Wien, Arkadenhof
© Photoarchiv Dr. H. Schillinger, für AEIOU
Vater des Botanikers Erich Tschermak-Seysenegg


Gustav Tschermak von Seysenegg wurde am 19. April 1836 in Littau bei Olmütz als Sohn des Steuerbeamten Ignaz Czermak geboren.

Nach dem Schulabschluss in Olmütz begann Tschermak zunächst mathematisch-chemisch ausgerichtete Studien an der Universität Wien, die er mit der Lehramtsprüfung abschloss. Seine mineralogischen Studien beendete er an den Universitäten in Heidelberg und Tübingen mit dem Doktorat. Wieder in Wien, habilitierte er sich 1861 als Privatdozent für die Fächer Mineralogie und Chemie.

1862 wurde er Kustos am "k.k. Mineralogischen Hof-Cabinet", dessen Leitung er 1868 übernahm.

Von 1868 bis 1906 war er Universitätsprofessor für Mineralogie und Petrographie, von 1868 bis 1877 Direktor des Hofmineralienkabinetts.

1871 gründete er die "Mineralogischen Mitteilungen", die er bis 1877 herausgab und die später als "Mineralogische und petrographische Mitteilungen" weitergeführt wurden.


1883/84 wurde Tschermak zum Dekan der Philosophischen Fakultät und 1893/94 zum Rektor der Universität Wien berufen.


1875 wurde er zum ordentlichen Mitglied der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien gewählt, 1901 wurde er der erste Präsident der neu gegründeten 'Wiener Mineralogischen Gesellschaft'.


Sein wissenschaftliches Hauptgebiet war die Untersuchung gesteinsbildender Mineralien, wie der Feldspatgruppe, die Erforschung von Silikatmineralen und Meteoriten. Er brachte die Mineralogie mit der Physik und Chemie in Zusammenhang, legte durch die Gründung des mineralogische-petrographischen Instituts der Universität Wien den Grundstein für die neue Mineralogie in Österreich.


Gustav Tschermak Edler von Seysenegg starb am 4. Mai 1927 in Wien.

Er ist in einem Ehrengab auf dem Döblinger Friedhof (moh. Abt./90) bestattet.


Sein Porträtrelief von Rudolf Marschall hängt im Arkadenhof der Universität Wien, und im 18. bzw. 19. Wiener Bezirk ist eine Gasse nach ihm benannt.

Nach ihm ist der "Tschermakit" benannt, ein Mineral der Amphibolgruppe mit wechselndem Eisengehalt.

Werke (Auswahl)#

  • Die Feldspatgruppe, 1864
  • Die Aufgaben der Mineralchemie, 1871
  • Über den Vulkanismus als kosmische Erschinung, 1877
  • Lehrbuch der Mineralogie, 1883
  • Die mikroskopische Beschaffenheit der Meteoriten, 1885

Literatur#

  • F. Becke, G. Tschermak-Seysenegg zur Erinnerung, in: Tschermaks Mineralogisch-Petrographische Mitteilungen, Neue Folge 39, 1928
  • V. Hammer, "100 Jahre (Wiener) Österreichische Mineralogische Gesellschaft" – Mitt. Österr.Min.Ges.,146, 2001

Quellen#



Redaktion: I. Schinnerl