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Turrini, Peter#

* 26. 9. 1944, St. Margarethen in Kärnten


Schriftsteller, Bühnenautor, Drehbuchautor


Peter Turrini
Peter Turrini
© Literaturhaus

Peter Turrini wurde am 26. September 1944 in St. Margarethen in Kärnten geboren und wuchs in Maria Saal auf.


Auf dem "Tonhof" von Gerhard Lampersberg in Maria Saal, Kärnten, der in den 1950er und 1960er Jahren eine wichtige Begegnungsstätte von Künstlern war (u. a. Christine Lavant und Thomas Bernhard), bekam er früh Kontakt mit Vertretern der Wiener Avantgarde. Von 1963 bis 1971 war er in verschiedenen Berufen tätig, seit 1971 lebt er als freiberuflicher Schriftsteller.


Mit seinem ersten Theaterstück "Rozznjogd" (Uraufführung 1971 am Wiener Volkstheater) wurde Turrini schlagartig bekannt. Dieses und auch das nächste provokante sozialkritische Stück "Sauschlachten" (1972) gerieten zu Theaterskandalen.
Seine "Alpensaga", eine 6-teilige Fernsehserie, 1976-80, eine kritische Bestandsaufnahme der Geschichte des österreichischen Bauernstands von der Jahrhundertwende bis nach 1945, löste heftige Kontroversen aus. Auch von der 4-teiligen Fernsehserie "Arbeitersaga" wurden 1988-90 nur 3 Teile gesendet.


Turrini kehrte 1980 mit dem Einakter "Josef und Maria" zur Bühne zurück und geriet mit Stücken wie "Die Bürger" (1981), "Die Minderleister" (1988) und "Tod und Teufel" (1990) neuerlich in den Ruf eines "Skandalautors". Turrini zählt zu den bedeutendsten Bühnenautoren deutscher Sprache.


Peter Turrini schrieb aber auch Gedichtbände, Drehbücher für Film und Fernsehen, Reden und Essays.
Seine Werke wurden in über dreißig Sprachen übersetzt, seine Stücke werden weltweit gespielt.

Peter Turrini lebt in Retz in Niederösterreich.


--> Historische Bilder zu Peter Turrini (IMAGNO)

Auszeichnungen(Auswahl)#

  • Förderungsbeitrag des Wiener Kunstfonds der Zentralsparkasse Wien für Literatur, 1971
  • Förderungspreis des Landes Kärnten für Literatur, 1972
  • Förderungspreis der Stadt Wien für Literatur, 1976
  • Gerhart-Hauptmann-Preis der Freien Volksbühne Berlin, 1981
  • Literaturpreis des Landes Steiermark, 1999
  • Goldene Romy, 2001
  • Würdigungspreis des Landes Niederösterreich, 2003
  • Würth-Preis für Europäische Literatur, 2008
  • Johann-Nestroy-Ring der Stadt Bad Ischl, 2008
  • Nestroy-Preis für sein Lebenswerk, 2011


Werke (Auswahl):

Uraufführungen:

  • Rozznjogd. Nach Motiven von Willard Manus. Wien: Volkstheater, 27.1.1971
  • Zero-Zero. Ein Kunst-Stück. Wien: Wiener Festwochen (Theater an der Wien), 22.5.1971
  • Sauschlachten. Ein Volksstück. München: Kammerspiele (Werkraumtheater), 15.1.1972. Regie.
  • Der tollste Tag. Frei nach Beaumarchais. Darmstadt: Landestheater, 26.2.1972
  • Kindsmord. Klagenfurt: Stadttheater (Studio), 11.3.1973
  • Die Wirtin. Frei nach Goldoni. Nürnberg: Städtische Bühnen (Schauspielhaus), 24.11.1973
  • Phonoptical. Terror. Heil Dir. Villach: Studiobühne, 18.6.1974
  • Josef und Maria. Wien: Volkstheater, 12.11.1980 und beim Steirischen Herbst, Graz, 7.11.1980
  • Die Bürger. Theaterstück. Wien: Volkstheater, 27.1.1982
  • Campiello. Frei nach Goldoni. Wien: Volkstheater, 26.9.1982
  • Faust, III. Teil. Eine merkwürdige Fortsetzung. Eine Komödie, teils, teils. Wien: Theater Nero im Theater im Künstlerhaus, 3.12.1987
  • Die Minderleister. Ein Drama. Wien: Burgtheater (Akademietheater), 1.6.1988
  • Tod und Teufel. Eine Kolportage. Wien: Burgtheater, 10.11.1990
  • Alpenglühen. Ein Stück. Wien: Burgtheater, 17.2.1993
  • Grillparzer im Pornoladen. Nach dem Stück "Love Boutique" von Willard Manus. Berlin: Berliner Ensemble (Ballhaus Rixdorf), 20.2.1993
  • Die Schlacht um Wien. Schauspiel in drei Akten. Wien: Burgtheater, 13.5.1995
  • Endlich Schluß. Ein Monolog. Wien: Burgtheater (Akademietheater), 7.6.1997
  • Die Liebe in Madagaskar. Ein Theaterstück. Wien: Burgtheater (Akademietheater), 3.4.1998
  • Tod und Teufel. Eine Oper von Gerd Kühr (Musik) und Peter Turrini (Text). Graz: Grazer Oper, 17.9.1999
  • Josef und Maria. Ein Spiel. Neufassung. Wien: Theater in der Josefstadt, 7.10.1999
  • Kasino, ein Tanzspiel. Wien: Burgtheater (Kasino am Schwarzenbergplatz), 22.1.2000
  • Die Eröffnung. Bochum: Schauspielhaus, 21.10.2000
  • Ich liebe dieses Land. Theaterstück in drei Akten. Berlin: Berliner Ensemble (Koproduktion mit dem Stadttheater Klagenfurt), 7.12.2001
  • Der Riese vom Steinfeld. Musik: Friedrich Cerha. Libretto: Peter Turrini. Wien: Wiener Staatsoper, 15.6. 2002.
  • Da Ponte in Santa Fe. Ein Stück in zwei Akten. Salzburg: Salzburger Festspiele (Koproduktion mit dem Berliner Ensemble), 29.7.2002
  • Der Riese vom Steinfeld. Volksstück mit Musik, Annecy (Frankreich): Compagnie Brozzoni, 2005
  • Bei Einbruch der Dunkelheit. Stadttheater Klagenfurt
  • Mein Nestroy. Wien. Theater in der Josefstadt, 2006
  • Die Eröffnung. Klagenfurt. Stadttheater Klagenfurt, 2007
  • Silvester. Schauspiel. Stadttheater Klagenfurt, 8.1.2011


Buchausgaben:

  • Erlebnisse in der Mundhöhle. Roman. Reinbek: Rowohlt Taschenbuch Verlag, 1972 (Das neue Buch)
  • Der tollste Tag. Frei nach Beaumarchais. Wollerau, Wien, München: Georg-Lentz-Verlag, 1973 (Edition Lentz)
  • Rozznjogd. Nach Motiven von Willard Manus. Dialekt und hochdeutsche Fassung. Neufassung. Wollerau, Wien, München: Georg-Lentz-Verlag, 1973 (Edition Lentz)
  • Sauschlachten. Ein Volksstück. Wollerau, Wien, München: Georg-Lentz-Verlag, 1974 (Edition Lentz)
  • Gemeinsam mit Wilhelm Pevny: Der Dorfschullehrer. Wien, München, Eisenstadt: Thomas Sessler Verlag, Edition Roetzer, 1974 ("Der Souffleurkasten")
  • Die Wirtin. Frei nach Goldoni. Wien, München: Thomas Sessler Verlag, 1978 ("Der Souffleurkasten")
  • Turrini Lesebuch. Stücke, Pamphlete, Filme, Reaktionen etc.. Ausgew. u. bearb. von Ulf Birbaumer. Wien, Zürich: Europaverlag, 1978
  • Kindsmord. Ein Stück von Peter Turrini. Zeichnungen von Tone Fink. Wien: David-Presse, 1979
  • Gemeinsam mit Wilhelm Pevny: Die Alpensaga. Eine sechsteilige Fernsehserie aus dem bäuerlichen Leben. Dreibändige Buchausgabe.
    Band 1 u. 2: Liebe im Dorf - Der Kaiser am Lande
    Band 3. u.4: Das große Fest - Die feindlichen Brüder
    Band 5 u. 6: Der deutsche Frühling - Ende und Anfang.
    Salzburg, Wien: Residenz Verlag, 1980 (Fernsehspiel-Bibliothek, hg. vom ORF)
  • Ein paar Schritte zurück. Gedichte. München: Verlag AutorenEdition, 1980
  • Josef und Maria. Zeichnungen von Elisabeth Ernst. Wien: Frischfleisch & Löwenmaul, 1980
  • Campiello. Frei nach Goldoni. Wien: Volkstheater (in Zusammenarbeit mit dem Thomas Sessler Verlag, Wien, München), 1982
  • Die Bürger. Theaterstück. Wien, München: Thomas Sessler Verlag (in Zusammenarbeit mit dem Wiener Volkstheater), 1982
  • Turrini Lesebuch zwei. Stücke, Film, Gedichte, Reaktionen etc.. Ausgew. u. bearb. von Ulf Birbaumer. Wien, Zürich: Europaverlag, 1983
  • Jugend. Filmdrehbuch. Das Buch zum Film "Atemnot". Wien: Europaverlag, 1984
  • Es ist ein gutes Land. Texte zu Anlässen. Hg. von Christa Binder. Wien, München, Zürich: Europaverlag, 1986
  • Ein paar Schritte zurück. Gedichte. Wien, Zürich: Europaverlag, 1986
  • Sauschlachten/Die Wirtin/Josef und Maria/Die Bürger/Campiello. Hg. von Bernd Müller. Berlin: Henschelverlag, 1986
  • Die Minderleister. Wien, Zürich: Europaverlag, 1988
  • Gemeinsam mit Rudi Palla: Die Verlockung. Ein Drehbuch. (Die Arbeitersaga 2). Wien, Zürich: Europaverlag, 1988
  • Gemeinsam mit Rudi Palla: Müllomania. Ein Drehbuch. (Die Arbeitersaga 3). Wien, Zürich: Europaverlag, 1988
  • Rozznjogd / Rattenjagd. Ein Stück. Darmstadt: Luchterhand Literaturverlag, 1988 (Luchterhand Theater)
  • Mein Österreich. Reden, Polemiken, Aufsätze. Darmstadt: Luchterhand Literaturverlag, 1988 (Sammlung Luchterhand)
  • Gemeinsam mit Rudi Palla: Das Plakat. Ein Drehbuch. (Die Arbeitersaga 1). Wien, Zürich: Europaverlag, 1989
  • Die Minderleister. Frankfurt: Luchterhand Literaturverlag, 1989 (Luchterhand Theater)
  • Tod und Teufel. Eine Kolportage. Frankfurt: Luchterhand Literaturverlag, 1990 (Luchterhand Theater)
  • Turrini Lesebuch. Stücke, Filmtexte, Gedichte, Wortmeldungen. Hg. von Wolfgang Schuch. Berlin: Henschelverlag, 1990
  • Peter Turrini. Texte, Daten, Bilder. Hg. von Wolfgang Schuch und Klaus Siblewski. Frankfurt am Main: Luchterhand Literaturverlag, 1991 (Sammlung Luchterhand)
  • Alpenglühen. Ein Stück. Hamburg, Zürich: Luchterhand Literaturverlag, 1992
  • Im Namen der Liebe. Gedichte. Hamburg: Luchterhand Literaturverlag, 1993
  • Die Schlacht um Wien. Schauspiel in drei Akten. München: Luchterhand Literaturverlag, 1995
  • Rozznjogd / Rattenjagd. Ein Stück. München: Luchterhand Literaturverlag, 1995 (Luchterhand Theater)
  • Liebe Mörder. Von der Gegenwart, dem Theater und dem lieben Gott. Hg. von Silke Hassler und Klaus Siblewski. München: Luchterhand Literaturverlag, 1996
  • Die Liebe in Madagaskar. Ein Theaterstück. München: Luchterhand Literaturverlag, 1998
  • Die Verhaftung des Johann Nepomuk Nestroy. Eine Novelle. München: Luchterhand Literaturverlag, 1998
  • Ein irrer Traum (Lesebuch I), Das Gegenteil ist wahr (Lesebuch II), Zu Hause bin ich nur hier: am Theater (Lesebuch III). Hg. von Silke Hassler und Klaus Siblewski. München: Luchterhand Literaturverlag,1999
  • Rozznjogd / Rattenjagd. Ein Stück. München: Luchterhand Literaturverlag, 2001 (Sammlung Luchterhand).
  • Im Namen der Liebe. Gedichte. München: Luchterhand Literaturverlag, 2001 (Sammlung Luchterhand)
  • Ich liebe dieses Land. Stück und Materialien. Frankfurt: Suhrkamp Verlag, 2001 (= edition suhrkamp theater)
  • Ein paar Schritte zurück. Gedichte. Neue und erweiterte Ausgabe. Hg. von Silke Hassler. Frankfurt: Suhrkamp Verlag, 2002
  • Der Riese vom Steinfeld. Libretto und Materialien. Zusammengestellt von Silke Hassler. Frankfurt: Suhrkamp Verlag, 2002 (= edition suhrkamp theater)
  • Da Ponte in Santa Fe. Stück und Materialien. Zusammengestellt von Silke Hassler. Frankfurt: Suhrkamp Verlag, 2002 (= edition suhrkamp theater)
  • Der tollste Tag und andere Komödien. Hg. von Silke Hassler. Frankfurt: Suhrkamp Verlag, 2003
  • Josef und Maria. Ein Spiel. Hg. von Silke Hassler. Frankfurt: Suhrkamp Verlag, 2003
  • Rozznjogd. Sauschlachten. Dialektstücke. Hg. von Silke Hassler. Frankfurt: Suhrkamp Verlag, 2004
  • Im Namen der Liebe. Gedichte. Neue und erweiterte Ausgabe. Hg. von Silke Hassler. Frankfurt: Suhrkamp Verlag, 2005


Filme:

Gemeinsam mit Wilhelm Pevny:

  • Alpensaga. TV-Serie in sechs Teilen. Drehbuch: Peter Turrini, Wilhelm Pevny. Regie: Dieter Berner. Österreich, Deutschland, Schweiz: ORF, ZDF, SRG, 1974-1979.
Die Alpensaga wurde von 21 TV-Stationen weltweit gesendet, ca. 300 Millionen Zuseher
    • I.Liebe im Dorf. Erstsendung: 24.10.1976, ORF
    • II.Der Kaiser am Lande. Erstsendung: 23.10.1977, ORF
    • III.Das große Fest. Erstsendung: 30.10.1977, ORF
    • IV.Die feindlichen Brüder. Erstsendung: 21.12.1978, ORF
    • V.Der deutsche Frühling. Erstsendung: 4.11.1979, ORF
    • VI.Ende und Anfang. Erstsendung: 1.5.1980, ORF
  • Der Bauer und der Millionär. TV-Film. Drehbuch: Peter Turrini, Wilhelm Pevny. Regie: Axel Corti. Österreich, Deutschland: ORF, WDR, 17.4.1977
  • Weihnacht 80 - Josef und Maria. TV-Film. Drehbuch: Peter Turrini. Regie: Wilhelm Pevny. Österreich, Deutschland: ORF, ZDF: 24.12.1980

  • Atemnot. Kinofilm. Drehbuch: Peter Turrini. Regie: Käthe Kratz. Österreich, 1984
Gemeinsam mit Rudi Palla
  • Die Arbeitersaga. TV-Serie in vier Teilen. Drehbuch: Teil 1 - 3: Peter Turrini, Rudi Palla, Teil 4: Peter Turrini, Dieter Berner. Regie: Dieter Berner. Österreich, Deutschland: ORF, ZDF, 1984-1990
    • I.Das Plakat. Erstsendung: 1.5.1990, ORF
    • II.Die Verlockung. Erstsendung: 8.4.1989, ORF
    • III.Müllomania. Erstsendung: 5.10.1988, ORF
    • IV.Das Lachen der Maca Daracs. Erstsendung: 20.11.1991, ORF


Verfilmungen:

  • Josef und Maria. TV-Film. Nach dem gleichnamigen Theaterstück von Peter Turrini. Regie: Vera Loebner. Deutschland: DFF, Ecco-Film. Ausstrahlung: ARD, 24.12.1991
  • Endlich Schluß. TV-Film. Buch und Regie: Dieter Berner. Österreich: ORF, 19.12.1999
  • Die Verhaftung des Johann Nepomuk Nestroy. Fernsehverfilmung der Novelle. Buch und Regie: Dieter Berner. Österreich, Deutschland: ORF, WDR: 21.10.2000


Hörspiele:

  • Oropax oder Friede den Ohren. Hörspiel. Regie: Walter Nowotny, Musik: Gerhard Lampersberg. ORF Kärnten, 10.2.1971
  • Faust, dritter Teil. Vergleich und Würdigung. Ein Hörspiel. Regie: Götz Fritsch. Komponist: Ulrich Förster. ORF Niederösterreich, 16.1.1972
  • Kindsmord. Hörspiel. Regie: Götz Fritsch. ORF Burgenland, 31.3.1973
  • Kindsmord. Hörspiel. Regie: Hans Rosenhauer. NDR, 5.6.1977
  • Rozznjogd. Hörspiel. Regie: Bernhard Vischer von der Aue. Er: Peter Turrini. ORF Kärnten, 8.7.1977
  • Josef und Maria. Hörspiel. Regie: Harry Reich-Ebner. Kommentator: Peter Turrini. ORF Wien, 24.10.1981
  • Josef und Maria. Hörspiel. Regie: Heinz von Cramer. SWF, 18.12.1984
  • Zwielicht, Mißbrauch, Anspielung. Nach einen Text von Peter Turrini. Musik: Gerhard Lampersberg. ORF, 14.7.1987
  • Der tollste Tag. Hörspiel. Regie: Götz Fritsch. BR, 29.12.1988, ORF Wien, 28.1.1989
  • Waldheimat oder Als ich noch ein Nazibub war. Hörspiel. ORF, 16.4.1989
  • Die Minderleister. Hörspiel. Regie: Robert Matejka. RIAS Berlin, 25.10.1989 / ORF Wien, 7.11.1989
  • Tod und Teufel. Hörspiel. Regie: Robert Matejka. RIAS Berlin, 12.2.1992 / ORF Wien, 11.8.1992
  • Grillparzer im Pornoladen. Hörspiel nach dem Stück "Love Boutique" von Willard Manus. Regie: Robert Matejka. ORF, Die Hörspiel-Premiere, 8.3.1994
  • Alpenglühen. Hörspiel. Regie: Ulrich Heising, Erzähler: Peter Turrini. NDR: 6.3.1993; ORF, Die Hörspiel-Premiere, 27.9.1994
  • Die Schlacht um Wien. Regie: Robert Matejka. DRB, 3.3.1996
  • Die Reise nach Cannes. Eine Novelle. Gelesen von Peter Turrini. ORF, "Hörspiel-Studio", 1.7.1997
  • Millenium, ein Selbstmord. Originalhörspiel. Regie: Hermann Beil. ORF, 8.7.1997

Tonträger:

  • Es ist ein gutes Land. Texte: Peter Turrini. Ton-Collagen: Uzi Förster. Präsentation: Helmut Qualtinger Langspielplatte. Wien: Preiser Records, 1973. CD. Wien: Preiser Records / Thomas Sessler Verlag, 2001
  • Peter Turrini liest Rozznjogd. Langspielplatte. Stuttgart: Intercord Litera Serie, 1975
  • Peter Turrini liest Gedichte. Langspielplatte. GIG Records, 1985
  • Gemeinsam mit Kirsten Dene, Im Namen der Liebe. Musik: Hansgeorg Koch. CD. Wien: ORF, 1996
  • Schenk und Turrini lesen Helmut Qualtinger. Für die Lesung eingerichtet von Otto Schenk und Peter Turrini. Ausgewählt von Silke Hassler. CD. Wien: ORF, 1996
  • Rozznjogd, gelesen von Peter Turrini. CD-Rom. Wien: Thomas Sessler Verlagsedition Nr. 02 / Kunst.Loesung / BMG Ariola Austria, 1997
  • Peter Turrini liest Alpenglühen. Regie: Hermann Beil. Dramaturgie: Silke Hassler. CD. Wien: ORF, 1999
  • Peter Turrini liest Peter Turrini: Die Verhaftung des Johann Nepomuk Nestroy. CD. Lienz: Waku word, 2000
  • Peter Turrini liest Peter Turrini: Ein paar Schritte zurück. CD. Lienz: Waku word, 2000
  • Die Eröffnung. Gelesen von Peter Turrini. Wien: ORF / Thomas Sessler Verlag, 2004


Opern:

  • Sauschlachten. Kammeroper in neun Szenen und einem Vorspiel von Alfred Stingl. Text: "Sauschlachten" von Peter Turrini. Klagenfurt: Klagenfurter Ensemble / TheaterAufstand Wels / Stadttheater Klagenfurt, 7.5.1996. Regie: Heimo Podversnik
  • Endlich Schluß. Kammeroper. Musik: Wolfram Wagner. Libretto: Silke Hassler. Nach dem gleichnamigen Monolog von Peter Turrini. Wien: Neue Oper Wien / Semper Depot , 13.9.2003. Regie: Monika Steiner

´
Gedichtvertonungen u. a. von:

  • Gerhard Lampersberg ("Idyllium", 1962. "Fünf Lieder" nach Texten von Peter Turrini, 1992)
  • Gerhard Wimberger (Liedzyklus "Im Namen der Liebe", 1992)
  • Djahan Tuserkani (Trilogie "Fasciophonie" nach Gedichten von Peter Turrini, 1993-94)
  • Hansgeorg Koch ("Im Namen der Liebe", 1993)
  • Dirk D'Ase ("Turrini Lieder", 1996)
  • Dieter Kaufmann ("Warum beklagst Du", 1996)
  • Herwig Reiter (Liederzyklus "Im Namen der Liebe", 1999-2004)
  • Etienne Perruchon ("Tout ce Souffle que je retiens Nourrit le Feu", 1999)
  • Ernst Ludwig Leitner (Acht Chansons "Im Namen der Liebe", 2000)
  • Arthur Dangel ("Im Namen der Liebe". Für Bariton und Klavier, 2000)
  • Friedrich Cerha ("Im Namen der Liebe". Für Bariton und Orchester, 2001)
  • Denis Jarosinski (Gedichte aus "Ein paar Schritte zurück" und "Im Namen der Liebe", 2001)

Leseproben#

aus
"Die Liebe in Madagaskar"

Die Schauspielerin:
Ich habe gehört, die Österreicher essen alle so wahnsinnig gern Mozartkugeln. Stimmt das?

Ritter:
Auch nicht mehr als die Japaner.

Schweigen.

Die Schauspielerin:
Dieser tolle Film, den Sie da drehen, kann man dazu noch etwas sagen, ich meine zum Inhalt?

Ritter:
Der Film? Welcher Film?

Die Schauspielerin:
Die Liebe in Madagaskar.

Ritter:
Das Drehbuch ist noch nicht ganz fertig.

Die Schauspielerin:
Wenn der Mann mit der Frau in die Oper geht, und sie ihm nachher sagt, daß sie krank ist ...

Ritter:
Brustkrebs.

Die Schauspielerin:
Könnte sie diese Krankheit nicht erfunden haben?

Ritter:
Wieso erfunden?

Die Schauspielerin:
Sie möchte das Maß seiner Liebe erkunden. Frauen haben Angst, schreckliche Angst, daß man sie aus irgendwelchen Gründen nicht mehr lieben könnte. Sie brauchen ständig Beweise der Liebe. Auch wenn sie diese bekommen, jeden Tag, sind sie keineswegs zufrieden. Es nährt nur ihre Sehnsucht nach immer häufigeren, immer größeren Beweisen


...

(S. 52ff.)

Die Schauspielerin:
Sie schaut ihn lange an und denkt, daß er sich denkt: Sie ist zwar schon einiges über vierzig, aber irgendwie hat sie ein schönes, unverbrauchtes Gesicht. Am besten wäre es natürlich, wenn er ihr Gesicht streicheln würde, aber das wagt er nicht.

Ritter:
Nein, das traut er sich nicht.

Schweigen.

Ritter:
Wollen Sie mit mir um die Wette laufen?

Die Schauspielerin: Mit Ihnen? Um die Wette?

Ritter: Ja, mit ihm. Über den Strand. Bis zu diesem Felsen dort. Er ist seit vierzig Jahren nicht mehr gelaufen.

Ritter rennt los, sie läuft ihm nach und lacht.
(S. 95f.)

(c) 1998, Luchterhand Literaturverlag, München. Publikation mit freundlicher Genehmigung des Verlags.
LITERATURHAUS


Es folgen einige

Gedichte #

aus dem Band "Ein paar Schritte zurück", Europaverlag 1987, 2. Auflage, mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

Drei Tage mit dir


Drei Tage mit dir
und ich denke
an Trennung.

Drei Tage ohne dich
und ich wünsche mir
ein Wiedersehen.

Ich kann nicht mir dir leben.
Ich kann nicht ohne dich leben.


Häuselbauer


Dieses Gedicht
widme ich allen Kindern
von häuselbauenden Kleinbürgern.
Ich möchte mich mit ihnen
vor einem Rohbau aufstellen
und so lange brüllen
bis alles herausbricht:
Die Kälte, die Hitze.
Das Ziegelschupfen und das Jausenholen.
Das Hohngelächter der Hilfsarbeiter
beim Umkippen einer Scheibtruhe.
Die vergeblich wartenden Spielkameraden.
Die Übelkeit beim vierten Bier.
Der anerkennende Blick des Vaters
wenn man die doppelte Last schleppt.
Die ganze Trauer
über all die verlorenen
Samstage und Sonntage.

Diese Gedicht
bleibt mir im Hals stecken
wenn ich daran denke
dass mein Vater zwei Wochen
nachdem das Haus fertig war
starb.

Am Ende der Trauer

Am Ende der Trauer und des Zornes
verstehe ich meinen Vater.

Dieser kleine Italiener
dem der Schnee zu früh
und die deutsche Sprache zu spät kam
hatte Angst.

Er spürte,
dass es für Ausländer
keinen Platz gab
am Stammtisch der Einheimischen.

Um nicht aufzufallen
schwieg und arbeitete er.
Er ahmte die ortsüblichen Tugenden nach
bis sie ihn begruben.

Einmal,
erzählte mir mein Halbbruder Jahre später,
wollte er die Werkstätte anzünden
die Familie verlassen
und zurück in seine Heimat gehen.

Es tut mir leid
dass ich ihm nicht mehr sagen kann
wie gerne ich mit ihm
in den Süden gegangen wäre.

Was ich mir wünsche

Was ich mir wünsche:
Daß er mich an der Hand nimmt.
Daß er mit mir zum Bauern milchholen geht.
Daß er in der Kirche neben mir sitzt.
Daß er sich mitten unter die Bauern setzt
und auf den Tisch haut.
Daß er zum Elternsprechtag geht.
Daß er mir antwortet wenn ich ihn etwas frage.
Daß ich einen Vater habe
den ich herzeigen kann.

Mein Vater war ein Italiener.
Er sprach wenig.
Ging nie fort.
Sperrte sich in seine Werkstätte ein
und schnitzte Barockstühle und Madonnen.
Selbst in der heiligen Nacht
wenn alle Bauernkinder an der Hand ihrer Väter
zur Christmette gingen
blieb er in der verschlossenen Werkstatt
und arbeitete.

Was ich mir noch immer wünsche:
Daß ich ihn endlich treffe.

Im Schlafzimmer

Im Schlafzimmer
wurde nur eingeheizt
wenn ich Husten hatte.

Tagsüber im Bett liegen
durfte ich nur
mit Fieber.

Etwas Feines zum Essen
bekam ich ausschließlich
bei Durchfall.

Das schönste Leben
und die größte Aufmerksamkeit
dachte ich immer
haben die Todkranken.


Warum beklagst du

Warum beklagst du
das Schweigen Gottes
sagte der Religionslehrer.
Schau diese Wiese an.
Gott spricht leise zu dir.
Du hörst ihn
im Summen der Bienen.
Im Säuseln des Windes.
Du siehst ihn im geduldigen Wachsen
der Blumen.

Heute steht
anstelle der Wiese
ein riesiger Parkplatz.
Was ist das für ein Gott
den eine Kärntner Baufirma
zum Schweigen bringen kann?

Das Nein

Das Nein
das ich endlich sagen will
iist hundertmal gedacht
still formuliert
nie ausgesprochen.

Es brennt mir im Magen
nimmt mir den Atem
wird zwischen meinen Zähnen zermalmt
und verlässt
als freundliches Ja
meinen Mund.

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl