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Van der Bellen, Alexander#


* 18. 1. 1944, Wien


Wirtschaftswissenschaftler
Politiker (Die Grünen)


Alexander Van der Bellen
Alexander Van der Bellen
© Parlamentsdirektion / WILKE

Alexander ("Sascha") Van der Bellen wurde am 18. Jänner 1944 in Wien als Sohn einer Estin und eines Russen niederländischer Herkunft geboren.

Nach mehrmaliger Flucht vor den Sowjets fand die Familie aus Tallin in Österreich eine neue Heimat - zunächst in Wien, später im Kaunertal in Tirol, wo Alexander auch aufwuchs.

Nach dem Besuch der Volksschule im Kaunertal und des Gymnasiums in Innsbruck, wo er 1962 maturierte, folgte an der Universität Innsbruck ein Studium der Volkswirtschaft, das er mit der Graduierung zum Dipl.-Volkswirt 1966 bzw. mit der Promotion zum Dr. rer. oec. 1970 abschloss.

Seine universitäre Laufbahn begann 1968 an der Universität Innsbruck, wo er zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter und von 1971 bis 1975 als Assistent am Institut für Finanzwissenschaft tätig war. Zwischenzeitlich war er von 1972 bis 1974 Research Fellow am Internationalen Institut für Management und Verwaltung des Wissenschaftszentrums Berlin. Nach seiner Habilitierung 1975 (im Fach Finanzwissenschaften) wurde er 1976 in Innsbruck zum außerordentlichen Universitätsprofessor ernannt.

Er ging nach Wien und lehrte von 1977 bis 1980 an der Verwaltungsakademie des Bundes. 1980 wurde er als ordentlicher Universitätsprofessor für Volkswirtschaftslehre an die Universität Wien berufen, wo er bis 1999 tätig war. Von 1990 bis 1994 war er hier auch Dekan bzw. Stellvertretender Dekan der Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät. (Von 1999 bis 2009 war er gesetzlich karenziert; seit Februar 2009 ist er im Ruhestand.)

Seine Forschungsschwerpunkte waren u.a. Planungs- und Finanzierungsverfahren im öffentlichen Sektor, Infrastrukturfinanzierung, Steuerpolitik, öffentliche Ausgaben, staatliche Regulierungspolitik, öffentliche Unternehmen sowie Umwelt- und Verkehrspolitik.


Politisiert wurde Van der Bellen durch die 68er-Bewegung - Mitte der 1970er-Jahre trat er der SPÖ bei, die er später wieder verließ. 1992 wurde er Kandidat der Grünen für das Amt des Rechnungshofpräsidenten; 1994 folgte er dem Ruf von Peter Pilz, der ihn für die Grünen in das Parlament holte, wo er ab 1994 Abgeordneter zum Nationalrat war.
(Peter Pilz, hatte bei Alexander von der Bellen dissertiert; sie arbeiteten gemeinsam an einem Projekt über wirtschaftliche Perspektiven der österreichischen Rüstungsindustrie - ein Forschungsauftrag, der vom damaligen Wissenschaftsminister Heinz Fischer vergeben worden war.)

Von 1997 bis 2008 war er Bundessprecher der Grünen, von 1999 bis 2008 außerdem Klubobmann der Grünen und Sprecher für Internationale Entwicklungen und Außenpolitk. (Er einte die Grünen, die lange stark zerstritten waren, und sorgte für eine Vergrößerung der Wählerschaft. Sein größter Erfolg war das Ergebnis der Nationalratswahl 2006, bei der die Grünen mit 11% knapp die FPÖ überholten und drittstärkste Kraft wurden.)

2012 wechselte er vom Nationalrat in den Wiener Gemeinderat, wo er bis 2015 Abgeordneter zum Wiener Landtag und Mitglied des Wiener Gemeinderates war. Darüber hinaus war Univ.-Prof. Dr.rer.oec. Alexander Van der Bellen von 2010 bis 2015 als Beauftragter der Stadt Wien für Universitäten & Forschung ehrenamtlich tätig.

Alexander Van der Bellen ist zum zweiten Mal verheiratet; aus erster Ehe hat er zwei erwachsene Söhne.


Alexander Van der Bellen trat als unabhängiger Kandidat - wenn auch von den Grünen unterstützt - zur Bundespräsidentenwahl in Österreich 2016 an: er erhielt 21,3 % der Stimmen und stand damit (zusammen mit Norbert Hofer) in der Stichwahl am 22. Mai 2016.

Diese Stichwahl hat Alexander Van der Bellen gewonnen. Nach Auszählung der Briefwahlstimmen verkündete Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) am Montag, 23.5.2106 um 16.43 Uhr, dass Van der Bellen mit 50,3 Prozent und einem Vorsprung von 31.026 Stimmen auf seinen Konkurrenten Norbert Hofer (FPÖ) zum neuen Bundespräsidenten gewählt wurde.

Wahlanfechtungen: 20.6. - 22.6.2016: Öffentliche Verhandlungen und Zeugeneinvernahmen beim VfGH Zur FPÖ-Anfechtung der Bundespräsidentenwahl gibt es jetzt eine öffentliche Verhandlung zunächst zum Zweck der Zeugeneinvernahme. Geplant ist, rund 50 Personen (Mitglieder von ausgewählten Bezirkswahlbehörden) zu befragen. Die Verhandlung findet am Montag, 20. Juni 2016, ab 8.30 Uhr statt, am Dienstag, 21. Juni, ab 8.30 Uhr sowie voraussichtlich am Mittwoch, 22. Juni bis zu Mittag. Jeder darf kommen. Der Eintritt ist frei.


Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • Großes Goldenes Ehrenzeichen mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich, 2004

Werke (Auswahl) #

zahlreiche wissenschaftliche Publikationen

Bücher

  • Fondswirtschaft in Österreich, 1968
  • Kollektive Haushalte und gemeinwirtschaftliche Unternehmungen: Probleme ihrer Koordination (Dissertation), 1970
  • Formale Ansätze zur allgemeinen und kollektiven Präferenztheorie. Pfad-Unabhängigkeit und andere Kriterien für Auswahlfunktionen, unter besonderer Berücksichtigung kollektiver Entscheidungsregeln, 1974
  • Mathematische Auswahlfunktionen und gesellschaftliche Entscheidungen, 1976
  • Öffentliche Unternehmen zwischen Markt und Staat, 1977
  • Synopses in the Theory of Choice (gem. m. M. Sertel), 1979
  • Zehn Jahre Schwarz-Grün, in: Harald Mahrer (Hrsg.), Was wäre wenn ...? 10 Jahre Schwarz-Grün. Eine Spekulation, 2013
  • Die Kunst der Freiheit. In Zeiten zunehmender Unfreiheit. (Autobiographie), 2015

Literatur#

  • Ch. Neuwirth, Alexander Van der Bellen. Ansichten und Absichten, 2001

Quellen#

Weiterführendes#


Redaktion: I. Schinnerl