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Vetter, Hans#

* 13. 7. 1897, Wien

† 8. 5. 1963, Pittsburgh, USA


Architekt


Hans Vetter wurde am 13. Juli 1897 in Wien in einer Familie in gehobenem bürgerlichem Milieu geboren.

Bereits sein Großvater war kaiserlicher Gartenarchitekt, sein Vater war Direktor des k.u.k. Gewerbeförderungsamtes und - nach dem Zerfall der Monarchie - der erste Chef der Österreichischen Bundestheater in der neuen Republik. Die Familie wohnte in einer von Josef Hoffmann errichteten Villa am Kaasgraben in Wien-Döbling, wo viele Künstler und Intellektuelle verkehrten.

Er begann 1913 ein Studium an der Kunstgewerbeschule in Wien (u.a. bei Oskar Strnad und Heinrich Tessenow), wurde aber 1914 zum Kriegsdienst eingezogen und konnte sein Studium erst 1918 bei Oskar Strnad und Josef Frank fortsetzen.


Nach Abschluss seines Studiums 1920 war er in Wien als Architekt tätig; 1923 ging er nach Paris, wo er in den Ateliers von Robert Mallet-Stevens und Gabriel Guevrekian (dessen Schwester Lyda er 1924 heiratete) arbeitete. 1926 kehrte er wieder nach Wien zurück, wo er wieder als freiberuflicher Architekt und Fachpublizist arbeitete.


Er machte sich einen Namen als Fachphilosoph, verkehrte er in zahlreichen Kaffeehauszirkeln und betätigte sich auch dichterisch. Im Rahmen seiner umfangreichen publizistischen Tätigkeit fungierte er auch als Herausgeber und Chefredakteur der Kunstzeitschrift "profil".

Hans Vetter konnte in Wien nur drei Projekte realisieren – zwei Gemeindebauten (Wien 2., Wehlistraße 309 und – gemeinsam mit Felix Augenfeld und Karl Hofmann – Wien 21., Prager Straße 56-58), die sich durch ihre kühle Sachlichkeit auszeichnen, sowie ein Einfamilienhaus in der Werkbundsiedlung.

Ab 1936 unterrichtete er an der Kunstgewerbeschule - anfangs als Assistent Oskar Strnads, dann als provisorischer Leiter der Klasse Josef Hoffmanns.


Von den Nationalsozialisten (aufgrund politischer Unverlässlichkeit und seiner Ehe mit einer Jüdin, seiner zweiten Frau Jadwiga Orsul) seines Dienstes enthoben, emigrierte er nach London, wo er sich publizistisch betätigte und u.a. vom Fachjournalisten und Begründer der "Bimini-Werkstätte" Fritz Lampl unterstützt wurde.

1948 erhielt er einen Lehrauftrag am Carnegie Institute of Technology in Pittsburgh, den er bis 1963 inne hatte. In den USA war Vetter ausschließlich als Architekturtheoretiker und Fachpublizist tätig, daneben widmete er sich auch der Lyrik. Allerdings blieb ein Großteil seiner Manuskripte blieb unveröffentlicht.


Hans Vetter architektonisches Werk ist wenig umfangreich, außerdem wurden seine Bauten oft in Teamarbeit realisiert, sodass eine eigene Handschrift schwer auszunehmen ist. Seine eigentliche Bedeutung liegt in seiner Tätigkeit als wichtiger Vordenker und Publizist der Wiener Moderne der Zwischenkriegszeit.

Er ist als einer der wichtigen Mentoren der Wiener Werkbundsiedlung anzusehen: einerseits hatte er zahlreiche in- und ausländischen Kontakte, andrerseits unterstützte er das Unternehmen auch tatkräftig als Publizist. In zahlreichen Veröffentlichungen widmete sich Vetter dem Werk der Architekten der Werkbundsiedlung und deren Zielsetzung eines menschengerechten, unprätentiösen Wohnbaus.


Als Herausgeber und Chefredakteur des "profil" gelang es ihm, trotz gewisser Einschränkungen, diese Kunstzeitschrift zum Forum einer zeitgenössischen, weltoffenen Moderne zu machen. Viele seiner gesellschaftlich bereits an den Rand gedrängten jüdischen Kollegen fanden hier noch eine Möglichkeit, ihr Werk zu veröffentlichen, ehe die Zeitschrift nach dem "Juliabkommen" von 1936 eingestellt wurde.

Auch in seiner Emigration blieb Vetter seiner Positionierung als Vordenker einer humanen, auf das Wesentliche reduzierten Architektur treu.

1952 war er an der Gründung der Salzburger Sommerakademie beteiligt: er initiierte - analog zu Oskar Kokoschkas Malkursen - die Summer School of Architecture.

Hans Vetter starb am 8. Mai 1963 in Pittsburgh.

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • Bronzemedaille für den Österreich-Beitrag der Pariser Kunstgewerbeausstellung, 1925


Mitgliedschaften:

  • Deutscher Werkbund, ab 1908
  • Österreichischer Werkbund (Gründungs- und Vorstandsmitglied), 1914-1934
  • Zentralvereinigung der Architekten Österreichs, ab 1927

Werke (Auswahl)#

Wohn-/Geschäftsbauten
  • Wohnhausanlage der Gemeinde Wien, Wien 21, Pragerstraße 56-58 (mit Felix Augenfeld und Karl Hoffmann)
  • Haus Dr. Garay, Mödling, Goethegasse 15, 1925
  • Wohnhausanlage der Gemeinde Wien, Wien 2, Wehlistraße 309, 1928-30
  • Wohnhaus auf der Werkbundsiedlung, Wien 13, Woinovichgasse 11, 1932
  • Haus Gerzabek, Wien 19, Paul Ehrlichgasse 8, 1932
  • Palast König Feisals, Bagdad (Projektleiter für Clemens Holzmeister), 1936
  • Zubau Haus Ehrenfeld, Surrey (Großbritannien) 1946-47

Innenraumgestaltung / Design

  • Einraumwohnung (mit Walter Sobotka), 1933

Nicht realisierte Projekte

  • zwei Wohnhausentwürfe in Kreuzturmverbauung (mit Max Fellerer), um 1930
  • Siedlung Froschberggründe Linz (Wettbewerb, 1.Preis, mit Max Fellerer), 1931
  • Österreich-Pavillon, Weltausstellung Brüssel (Wettbewerb, Ankauf), 1934

Publikationen

  • Zu Tessenows Abschied von Wien. In: Der Architekt 22.1919, S.277ff
  • Lilli (Gedichtband) 1920 (publiziert?)
  • Das Landhaus. In: Moderne Welt 1924/25, H.2, S.17f
  • Vom Intérieur. In: Moderne Welt 1924/24, H.8, S.17ff
  • Kleine Einfamilienhäuser. Wien 1932
  • Bausparer und Architekt. In: Das Wüstenrot-Eigenheim 1933, S.7f
  • Moderne Gaststätten. In. Heraklith-Rundschau 1934/35, H. 5, S.2f
  • Burgen und Schlösser. In: Heraklith-Rundschau 1934/35, H.7
  • Wohnräume von Emmerich Revesz. In: Innendekoration 1937, S.53ff
  • Kreuzblockverbauung. Berlin 1939
  • English History at a Glance. London 1948
  • Achitecture’s prehistoric heritage. In: Architectural Record 1955, S.194ff
  • Die schönsten Häuser der Welt; History of The World on the representaive Method; Visual Education; Londoner Sonette, alle um 1950 (nicht publiziert)

Literatur#

  • M. Boeckl (Hrsg.): Visionäre und Vertriebene (Ausst.Kat.), 1995
  • M. Dubrovic: Veruntreute Geschichte, 1985
  • M. Ermers: Die Werkbundsiedlung Wien Lainz. In: Bauwelt 23.1932, H.24, Beil, S.1ff
  • J. Frank: Zur Entstehung der Werkbundsiedlung. In: Bau- u. Werkkunst 8.1901/32, S.169ff
  • J. Frank: Die Werkbundsiedlung Wien. In: Innendekoration 43.1932, S. S.273ff
  • A. Gmeiner / G. Pirhofer: Der österreichische Werkbund, 1985
  • K.M. Grimme: Die Werkbundsiedlung Wien. In: Die Kunst 66.1932, S.268ff
  • Das neue Wien (Hrsg. Gemeinde Wien), Bd.3, 1927
  • O. Kapfinger / A. Krischanitz: Die Wiener Werkbundsiedlung. Wien 1985, S.88f
  • G. Koller / G. Withalm: Die Vertreibung des Geistigen aus Österreich, 1985
  • Kommunaler Wohnbau in Wien Aufbruch 1923–1934 Ausstrahlungen (Ausst.Kat.), 1978
  • I. Meder: Offene Welten: Die Wiener Schule des Einfamilienhausbaus 1910-1938. Diss. Stuttgart 2003
  • H. Weihsmann: Das Rote Wien, 2002
  • O. Uhl: Moderne Architektur in Wien von Otto Wagner bis heute, 1966

Quellen#



Redaktion: I. Schinnerl