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Viesèr, Dolores #

eigentlich W. Aichbichler, geborene Wieser


* 18. 9. 1904, Hüttenberg (Kärnten)

† 24. 12. 2002, Klagenfurt (Kärnten)


Die Schriftstellerin hieß eigentlich Marie Wilhelmine Wieser; sie wurde am 18. September 1904 in Hüttenberg/Kärnten geboren, wo ihr Vater ein Uhren- und Schmuckgeschäft betrieb.


Nach dessen frühem Tod - er starb 1914 an Tuberkulose - verarmte die Familie. Die hochbegabte Schülerin Marie musste mit 14 Jahren die Schule verlassen und arbeitete als Hilfskontoristin. 1922 verlor die 17-Jährige auch noch ihre Mutter und verdingte sich von da an als Köchin in Hall in Tirol im Gästehaus eines Klosters. Dort schrieb sie in den frühen Morgenstunden an ihrem ersten Roman, der 1928 unter dem Titel "Das Singerlein" bei Kösel & Pustet, einem auf katholische Literatur spezialisierten Münchner Verlag, erschien.


Auf Drängen des Verlegers wählte die junge Frau das Pseudonym Dolores Viesèr, das sie zeitlebens beibehielt. Der in Kärnten zu Beginn des 18. Jahrhunderts spielende Roman wurde in kurzer Zeit mehrmals aufgelegt und in mehrere Sprachen übersetzt. 1931 veröffentlichte derselbe Verlag Viesèrs Roman "Der Gurnitzer", dessen Handlung gleichfalls in Kärnten, diesmal zur Zeit der ersten Türkenkriege, angesiedelt war.

1934 heiratete Vieser den Ingenieur Otto Aichbichler, der in Bruckendorf bei Hochosterwitz einen Gutshof bewirtschaftete. Mit ihm hatte sie drei Kinder. 1938 erschien ihr bis heute bekanntester Roman "Hemma von Gurk", danach war Viesèr, die nicht Mitglied der Reichsschrifttumskammer wurde, zum Schweigen verurteilt.


Nach dem Krieg veröffentlichte die Schriftstellerin zunächst einen Band mit Erzählungen, "An den Eisenwurzen" (1948), und 1952 den historischen Roman "Aelia, eine Frau aus Rom", der in Kärnten zur Zeit der Christenverfolgungen unter Diokletian spielt. In den drei folgenden Werken - "Licht im Fenster" (1953), "Die Trauermesse" (1961) und "Kleiner Bruder" (1964) - wandte sie sich Themen der Gegenwart zu.

Erst 1971 trat sie noch einmal mit einem historischen Roman, "Nachtquartier", auf den Plan. Ihre letzte Buchveröffentlichung war die längere Erzählung "Katzen in Venedig" (1976).


Dolores Viesèr, die Erzählerin mit einer tiefen Verwurzelung im Geheimnis der Liturgie, starb am 22. Dezember 2002 in Klagenfurt, wo sie ihre letzten Lebensjahre verbracht hatte. Sie wurde auf dem Friedhof St. Martin im Grab ihrer beiden Brüder, denen sie zeitlebens eng verbunden geblieben war, beigesetzt.

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • Adalbert-Stifter-Preis, 1930
  • Ebner-Eschenbach-Preis, 1933
  • Handel-Mazzetti-Preis, 1955
  • Kulturpreis des Landes Kärnten, 1975

Werke (Auswahl)#

  • Das Singerlein, 1928
  • Der Gurnitzer, 1931
  • Der Märtyrer und Lilotte, 1934
  • Hemma von Gurk, 1938
  • An der Eisenwurzen, 1947
  • Aelia, 1952
  • Licht im Fenster, 1954
  • Der Bänderhut, 1956
  • Die Trauermesse, 1961
  • Kleiner Bruder, 1964
  • Katzen in Venedig, 1976

Quellen#

--> vgl. auch Helga Abret, Die Erde als vorläufiges Nachtquartier – Dolores Viesèr und ihr Roman aus der Kärntner "Franzosenzeit", in: "Der literarische Zaunkönig" 1-2010


Redaktion: P. Diem, I. Schinnerl