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Vogl, Johann Nepomuk#

* 7. 2. 1802, Wien

† 16. 11. 1866, Wien


Lyriker und Erzähler, Beamter


Johann Nepomuk Vogl. Lithographie von G. Decker., © Bildarchiv der ÖNB, Wien, für AEIOU
Johann Nepomuk Vogl. Lithographie von G. Decker.
© Bildarchiv der ÖNB, Wien, für AEIOU

Johann Nepomuk Vogl kam als 17-Jähriger als Beamter in die Kanzlei der niederösterreichischen Stände. Hier arbeitete er bis 1859, als er sich nach 40 Dienstjahren auf eigenes Ansuchen in den Ruhestand versetzen ließ.

Sein Beruf war aber kein Hindernis für seine literarische Tätigkeiten.


Wann Vogl zu dichten begonnen hatte, läßt sich nicht nachweisen – wahrscheinlich aber schon sehr frühzeitig - auch wenn sein erstes Gedicht "Pilgers Sehnsucht" erst 1825 in der "Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur, Theater und Mode" erschien.

Er wurde Mitglied der Literatengruppe im Wiener "Silbernen Kaffeehaus" und pflegte freundschaftliche Beziehungen mit den in Wien lebenden Schriftstellern (wie Küffner, Castelli, Deinhardstein, Hannusch, Bauernfeld, Schumacher u.a.). 1834 gab er das "Österreichische Wunderhorn" heraus, das - mit Ausnahme von 4 eigenen Gedichten - nur Werke anderer Dichter enthielt.


Mit selbständigen Werken begann er relativ spät: erst mit den 1835 erschienenen "Balladen und Romanzen" wurde er bekannt und begann eine äußerst rege Schriftsteller-Tätigkeit: kein Gegenstand blieb von ihm unbeachtet, so schrieb er Kloster-Sagen, Dom-Sagen, Soldatenlieder, Kinderlieder, Jägerlieder u.v.m.


Viele seiner in der Tradition der Wiener Spätromantik stehenden Balladen (zum Beispiel "Heinrich der Vogler", "Das Erkennen") wurden von Carl Loewe vertont, einige Lieder von Franz Schubert. Seine Gedichte wurden in etliche Sprachen übersetzt (italienisch, spanisch, russisch, französisch, englisch ...)


Auf Grund seiner Popularität wurde ihm die Redaktion von Journalen, Almanachen und die Herausgabe der Werke von Ferdinand Raimund (1837) übertragen; 1841 übernahm er auch die Redaktion der "Sonntagsblätter" und behielt sie bis 1848, als er das Erscheinen des Blattes einstellte.


Johann Nepomuk Vogl, der zwei Mal verheiratet war und 2 Kinder hatte, starb am 16. November 1866 in Wien.


Erst 1867 errichtete ihm der Wiener Sängerbund, dessen Ehrenmitglied er war, eine Gedenktafel auf seinem Grab mit 4 Strophen seines Liedes "Die letzte Treue"

Wenn ein Theures uns gestorben,
Schmückt man gern sein enges Haus
Noch mit Rosmarin und Rosen
Und mit andern Blumen aus.


Drum auch, wenn Euch, ihr Lieben,
Einst nur diese Hülle blieb,
Schmückt auch mir mein Haus mit Blumen,
Hab‘ die Blumen ja so lieb.


Doch wenn just der Winter hätte
Allen Schmuck geraubt dem Hain,
Legt statt ihrer m e i n e L i e d e r
Mir noch in den Sarg hinein.


Sind auch minder reich als Blumen
Sie an Duft und Farbenglut,
Denkt: b e i  s e i n e n  K i n d e r n  s c h l u m m e r t
W o h l  e i n  V a t e r  d o p p e l t  g u t.

Werke (Auswahl)#

  • Fruchtkörner aus deutschem Grund und Boden, ein Volksbüchlein, 1830
  • Österreichisches Wunderhorn, Taschenbuch der Balladen, Romanzen und Sagen und poetischen Erzählungen, 1834
  • Das Mädchen von Gloggnitz, 1834
  • Balladen und Romanzen, 1835
  • Lyrische Blätter, 1836
  • Der Mistrel, Taschenbuch erzählender Dichtungen, 1836
  • Balladen und Romanzen, neue folge, 1837
  • Slawische Volksmärchen, 1837
  • Der Retter. Episches Gedicht, 1839
  • Der Josephsberg bei Wien und seine Schicksale, 1839
  • Der fahrende Sänger. Nachbildungen alter Legenden, Balladen und Reime, 1839
  • Balladen und Romanzen. Neueste Folge, 1841
  • Neue Erzählungen und Novellen, 1841
  • Die ältesten Volksmärchen der Russen, 1841
  • Historische und topographische Merkwürdigkeiten aus der Umgegend Brünns, 1841
  • Neuer Liederfrühling, 1841
  • Trommel und Fahne. Ein Liederzyklus, 1843
  • Blätter und Trauben. Lieder für heitere Kreise, 1844
  • Karthäusernelken. Sagen und Legenden aus der christlichen Vorzeit, 1844
  • Domsagen. Nebst Baugeschichte und Beschreibung des St. Stephansdoms, 1843
  • Deutsche Lieder, 1845
  • Soldatenlieder, 1849
  • Schnadahüpfln. Ein Beitrag zur österreichischen Volkspoesie, 1850
  • Bilder aus dem Soldatenleben, 1851
  • Marko Kraljevits. Serbische Heldenage, 1851
  • Aus dem Kinderparadiese. Gedichte für Kinder und Kinderfreunde, 1861
  • Jägerbrevier. Weidmannsscherze, Waldreime und Jägerlieder für alle Monate, 1862
  • Schöne Geschichten aus alter und nuer Ziet. Volksbuch mit vielen schönen Bildern, 1863

  • (Hg.) Ferdinand Raimunds sämtliche Werke in 4 Teilen, 1837
  • (Hg.) Frauenlob. Taschenbuch für die Jahre 1843-1849

Ausgabe:

  • Ausgewählte Dichtungen, herausgegeben von R. Kleinecke, 1911

Quellen#

  • AEIOU
  • Biographisches Lexikon des Kaisertums Österreich



Redaktion: I. Schinnerl


Franz Schubert hat niemals ein Gedicht von Johann Nepomuk Vogl vertont und auch sehr wahrscheinlich mit ihm nie zu tun gehabt. Die Verwechslung kommt vermutlich dadurch zustande, als der gute Freund und Förderer von Schubert, der Hofopernsänger Johann Michael Vogl, ein Namensvetter ist. Aber auch von diesem hat Schubert nichts vertont.

-- Dellitsch Peter, Montag, 14. Januar 2013, 16:02