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Wüster, Eugen#

* 3. 10. 1898, Wieselburg (NÖ)

† 29. 3. 1977, Wien


Industrieller, Interlinguist
Normierungs- und Terminologiefachmann


Eugen Wüster, © Bildarchiv der ÖNB, Wien
Eugen Wüster
© Bildarchiv der ÖNB, Wien

Eugen Wüster wurde am 3. Oktober 1898 in Wieselburg (Niederösterreich) in einer Industriellenfamilie geboren.

Er besuchte das Gymnasium in Hirschberg (Schlesien) und studierte nach der Reifeprüfung an der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg Elektrotechnik. 1931 kehrte er nach Österreich zurück und übernahm die Leitung der im Familienbesitz befindlichen Firma "Wüster & Co" (Kraftwerk, Kaltwalzwerk, Werkzeugfabrik) und promovierte im selben Jahr mit Auszeichnung an der Technischen Hochschule Stuttgart (Dissertation zum Thema "Internationale Sprachnormung in der Technik, besonders in der Elektrotechnik").

1955 erfolgte seine Habilitation an der Universität für Bodenkultur in Wien mit der Habilitationsschrift "Die Herstellung der Sägeblätter für Holz". Von 1955 bis 1974 lehrte Eugen Wüster als außerordentlicher Professor an der Universität für Bodenkultur in Wien das Fach "Holzbearbeitungs-Maschinen und -Werkzeuge". Von 1972 bis 1974 hielt er am Institut für Sprachwissenschaft der Universität Wien als Honorarprofessor eine Vorlesung über "Einführung in die Allgemeine Terminologielehre und Terminologische Lexikographie".


Eugen Wüster war auf verschiedensten Gebieten von Wissenschaft und Technik tätig und war Mitglied (bzw. Vorsitzender oder Präsident) etlicher internationaler Fachausschüsse.

Auf Grund seiner umfangreichen Forschungen auf dem Gebiet der internationalen Verständigung auf technischem Gebiet und der von ihm 1936 initiierten Einsetzung eines Ausschusses für Terminologienormung im Internationalen Normenverband (ISA) gilt er als Begründer der modernen Terminologiewissenschaft.

Dieser Ausschuss ISA/TC37 ("Terminologie der International Organization for Standardization"), dessen Vorsitzender er auch war, wurde nach dem 2. Weltkrieg als ISO/TC37 weitergeführt. In den 1960er und 1970er Jahren erschienen die ersten ISO-Normen zur Terminologie.

Er baute in Wieselburg ein Terminologieforschungszentrum auf, das gleichzeitig die internationale Terminologiearbeit weltweit koordinierte. (Diese Aufgabe übernahm 1971 das Internationale Informationszentrum für Terminologie (Infoterm) des Österreichischen Normungsinstituts.

In seiner Beschäftigung mit der Interlinguistik setzte Eugen Wüster zunächst auf Esperanto, wandte sich jedoch später Occidental-Interlingue und Interlingua zu.


Eugen Wüster veröffentlichte eine Vielzahl von thematisch sehr unterschiedlichen Publikationen zu den Bereichen Rechtschreibreform, Normenwesen, Bibliothekswesen und Dokumentation, Dezimalklassifikation, Terminologieforschung und Lexikographie, Erstellung von Fachwörterbüchern, Angewandte Sprachwissenschaft und Esperanto. Etliche seiner Veröffentlichungen wurden auch in andere Sprachen (u.a Russisch) übersetzt).

Eugen Wüster starb am 29. März 1977 in Wien.


Die Universität Wien, an der er unterrichtete, gestaltete aus seinem Nachlass am Institut für Wissenschaftstheorie und Wissenschaftsforschung ein Eugen-Wüster-Archiv. Für besondere Leistungen in der Terminologieforschung wurde der "Eugen-Wüster-Sonderpreis" eingerichtet. Der Großteil des Nachlasses zu Esperanto befindet sich im Internationalen Esperantomuseum der Österreichischen Nationalbibliothek.

Werke (Auswahl)#

  • Maschinentechnisches Esperanto-Wörterbuch der Grundbegriffe, 1923
  • Die Verhältniswörter des Esperanto, 1924
  • Grundzüge der Sprachnormung in der Technik, 1934 *Normungsgebiete und Dezimalklassifikation, 1948
  • Die bevorstehende Konzentration der internationalen Terminologiearbeit, 1951
  • Die Herstellung der Sägeblätter für Holz, 1952
  • Die sichtbare und unsichtbare Alphabetisierung der DK-Zeichen, 1952
  • Die Vereinfachung der Großschreibung durch Beseitigung willkürlicher Kleinschreibungen, 1961
  • Die Grossschreibung im Kreuzverhör der Versuche, 1977
  • Terminologie als angewandte Sprachwissenschaft, 1979
  • Einführung in die allgemeine Terminologielehre und terminologische Lexikographie, 1991

Literatur#

  • E. Oeser (Hrsg.), Eugen Wüster (1898-1977). Leben und Werk - ein österreichischer Pionier der Informationsgesellschaft, 1998
  • Picht, Heribert; Schmitz, Klaus-Dirk (2001): Terminologie und Wissensordnung. Ausgewählte Schriften aus dem Gesamtwerk von Eugen Wüster

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl