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Ward, Maria (Mary)#


* 23. 1. 1585, Newby / Mulwith, Yorkshire (Großbritannien)

† 30. 1. 1645, York, Yorkshire (Großbritannien)


Ordensgründerin
("Congretatio Jesu", meist "Kongregation der Englischen Fräulein" genannt)


Mary Ward wurde am 23. Jänner 1585 in Mulwith in Yorkshire (England) als Tochter eines katholischen Landedelmanns geboren.

Sie wuchs in einer Zeit schwerer Katholikenverfolgungen auf - 1587 wurden Maria Stuart und zahlreiche römische Priester hingerichtet, die Teilnahme an der katholischen Messe war strafbar.

Da ihr Wunsch, in ein Kloster einzutreten, in England unmöglich war, verließ sie mit 21 Jahren gegen den Willen ihrer Familie ihre Heimat und trat 1606 in St. Omer in Flandern (heute Belgien) in ein Klarissinnen-Kloster ein. Bald aber musste sie erkennen, dass dieses Klosterleben nicht das Richtige für sie war. Sie stiftete deshalb von ihrem Vermögen ein eigenes Kloster nur für Engländerinnen in Flandern, in dem die Ordensregel der Klarissinnen in ganzer Strenge angewandt wurde.

Nach verschiedenen Klosteraufenthalten und einigen Jahren des Suchens gründete sie 1610 zusammen mit fünf Gefährtinnen in St. Omer das "Institutum Beatae Mariae Virginis", meist als "Institut der englischen Fräulein" bezeichnet: sie betrachteten neben der Seelsorge die Bildung und Ausbildung von Mädchen als ihre wesentlichste Aufgabe.

Die Form des Ordenslebens erregte jedoch Aufsehen und Ärgernis: die Nonnen hatten keine Ordenstracht und lebten nicht zurückgezogen im Kloster, sondern wirkten öffentlich. Auf Grund einer Eingebung beschloss Maria, den Prinzipien des Hl. Ignatius (Gründer des Jesuitenordens, der "Societas Jesu") zu folgen, d.h. die Ordensregel der Jesuiten anzunehmen. Nach der ersten vorläufigen schriftlichen Bestätigung der Regel 1615 durch Papst Paul V. reiste Maria drei Mal nach Rom, um ihre Regel endgültig bestätigen zu lassen. Während dieser Reisen errichtete sie im Jahr 1621 Institute in Lüttich (Liège), Köln und Trier, 1622 in Rom, 1623 in Neapel, 1624 in Perugia, dann 1627 / 28 in München, Wien und Bratislava.

Die Bemühungen um Anerkennung des Instituts in Rom waren jedoch vergebens: einerseits war der Verzicht auf Klausur und die Übernahme der Ordensregel der Jesuiten für die katholische Kirche nicht akzeptabel, andererseits war es nicht vorstellbar, den jesuitischen Seelsorge- und Bildungsauftrag für Frauen wahrzunehmen. Dies führte 1625 zur Schließung der Häuser in Italien; die "Englischen Fräulein" zogen nach Deutschland. Papst Urban VIII. verbot 1631 durch eine der härtesten Bullen, die in der Kirchengeschichte bekannt sind, die "Englischen Fräulein" endgültig; die Gründerin Maria Ward wurde unter dem Verdacht der Häresie von 1632 bis 1637 in Rom festgehalten - davon neun Wochen inhaftiert - und von der Inquisition überwacht. Das Inquisitionsgericht endete zwar mit ihrer Rechtfertigung, aber ihr Werk blieb aufgehoben.

1639 kehrte sie krank nach England zurück, nachdem man ihr aus gesundheitlichen Gründen die Einreise in die Heimat erlaubt hatte. Mary Ward starb am 30. Jänner 1645 in York im Alter von 60 Jahren.


In München und in Augsburg nahmen die Bischöfe 1680 die Arbeit der Institute unter ihren Schutz, weitere Filialen in anderen Diözesen folgten, 1686 wurde in England die erste katholische Schule seit der Reformation gegründet. Trotz der fehlenden offiziellen Anerkennung gedieh die Arbeit, 1703 wurden ein erster Teil der Regel anerkannt; 1749 anerkannte Papst Benedikt XIV. das Amt der Generaloberin, untersagte aber die Berufung auf die Gründerin. 1877 erhielt das Institut B.M.V. die endgültige päpstliche Anerkennung, seit 1909 darf Maria Ward wieder als Gründerin genannt werden; die Anerkennung der Arbeit unter der Regel der Jesuiten erfolgte aber erst 1978 durch Papst Pius XII.

Der Orden teilte sich in 3 Zweige: der römische Zweig umfasst heute 21 Provinzen mit rund 2500 Mitgliedern in acht europäischen Ländern, dazu in Indien, Korea, Simbabwe, Brasilien, Argentinien und Chile; der irische und nordamerikanische Zweig ist vereinigt unter dem Namen "Loreto-Schwestern". Seit 2004 trägt der Orden in Analogie zum Jesuiten-Orden die Bezeichnung "Congregatio Jesu" (CJ).


Maria Ward Gedenktafel
Maria Ward Gedenktafel, Wien
© Hon.-Prof. Dr. E. Judt, unter CC BY 4.0
In Wien wurde 1628 von ihr persönlich eine Schule eröffnet, wo bereits kurz danach 460 Schülerinnen unterrichtet wurden. Die „Congregatio Jesu“ ist heute in Österreich in Wien, St. Pölten und Krems vertreten; die Schulen in St. Pölten und Krems werden heute von der "Vereinigung von Ordensschulen Österreichs" geführt.

Am 19. 12.2009 wurde ihr von Papst Benedikt XVI. der Ehrentitel Ehrwürdige Dienerin Gottes zuerkannt. Im März 2014 wurde an der Stelle, wo sie 1628 in Wien die Mädchenschule eröffnete (1010 Wien, Stoß im Himmel 3), eine Gedenktafel angebracht.

(Mary Wards Leben wurde 1985 unter der Regie von Angelika Weber als "Marie Ward – Zwischen Galgen und Glorie" mit Hannelore Elsner in der Titelrolle sowie mit Mario Adorf, Mathieu Carrière, Bernhard Wicki, Irm Hermann, Lambert Hamel, Julia Lindig, u.a. verfilmt.)

Literatur#

  • I. F. Coudenhove, Maria Ward. Eine Heiligenlegende, 1932
  • M. Köhler, Maria Ward. Ein Frauenschicksal des 17. Jahrhunderts, 1984
  • M. Immolata Wetter, Maria Ward. Gründerin des Instituts Beatae Mariae Virginis der Englischen Fräulein, 1996
  • M. Immolata Wetter: Maria Ward. Mißverständnisse und Klärung, Augsburger Universitätsreden 1993
  • D. Wunderlich: Maria Ward (1585-1645); in: EigenSinnige Frauen, 2004
  • Sr. Gregory Kirkus CJ, Mary Wards (Biographie, online)

Quellen#


Redaktion: H. Maurer, I. Schinnerl