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Weibel, Peter#

* 5. 3. 1944, Odessa, Ukraine


Aktionskünstler, Regisseur, Publizist und Ausstellungskurator

Peter Weibel
© Peter Weibel

Peter Weibel wurde am 5. März 1944 in Odessa geboren.

Aufgewachsen in einem Heim in einer oberösterreichischen Kleinstadt, studierte er zunächst für ein Jahr in Paris Französisch, Film und Komparatistik, begann dann 1964 in Wien ein Studium der Medizin, bis er zur Mathematik (mit Schwerpunkt Logik) wechselte.

Ausgehend von semiotischen und linguistischen Überlegungen entwickelte Peter Weibel eine künstlerische Sprache, die ihn ab 1964 von der experimentellen Literatur zur Performance führte. In seinen performativen Aktionen untersucht er nicht nur die "Medien" Sprache und Körper, sondern auch Film, Video, Tonband und interaktive elektronische Umgebungen.

Neben Aktionen mit Vertretern der Wiener Gruppe und des Wiener Aktionismus – dem er den Namen gab – arbeitete er ab 1966 (zusammen mit Valie Export, Ernst Schmidt jr. und Hans Scheugl) an einem "erweiterten Kino".

Peter Weibel verfolgte seine künstlerischen Problemstellungen in unterschiedlichsten Materialien, Formen und Techniken: in Texten, Skulpturen, Installationen, Filmen und Videos. So wandte er sich 1978 auch der Musik zu und gründete zusammen mit Loys Egg die Band "Hotel Morphila Orchester".

Mitte der 1980er Jahre erforschte er die Möglichkeiten der computergestützten Bearbeitung von Videos, Anfang der 1990er Jahre realisierte er erste interaktive computerbasierte Installationen.

In seinen zahlreichen Vorträgen und Artikeln publizierte Weibel über zeitgenössische Kunst, Mediengeschichte, Medientheorie, Film, Videokunst und Philosophie. Als Theoretiker und Kurator setzt er sich für eine Kunst und eine Kunstgeschichtsschreibung ein, die Technikgeschichte und Wissenschaftsgeschichte berücksichtigt.

Peter Weibels Werk lässt sich mehrheitlich in Kategorien der Konzeptkunst, der Performance, des Experimentalfilms, der Videokunst, Computerkunst und allgemein der Medienkunst fassen.

Peter Weibel - eine zentrale Figur der europäischen Medienkunst - hatte neben Professuren an der Universität für angewandte Kunst Wien (1984-2011) und an der State University of New York, Buffalo (1984-1989). 1989 gründete er 1989 das Institut für Neue Medien an der Städelschule in Frankfurt, das er bis 1995 leitete. Von 1986 bis 1995 hatte er die künstlerische Leitung der Ars Electronica in Linz inne, war von 1993 bis 1999 Österreich-Kommissär der Biennale di Venezia und hatte von 2009 bis 2012 eine Gastprofessur an der University of New South Wales, Sydney, Australien. Von 1993 bis 2011 an der Neuen Galerie Graz als Chefkurator tätig, übernahm Weibel 2008 die künstlerische Leitung der Bienal Internacional de Arte Contemporáneo de Sevilla (BIACS3) sowie die künstlerische Direktion der 4. Moskau Biennale für zeitgenössische Kunst (2011).

Auszeichnungen, Ehrungen#

  • Prix Ars Electronica (Computeranimation), Auszeichnung für "Time as Code: Chronokratie", 1988
  • Generali Skulpturenpreis, 1993
  • Prix Ars Electronica (Interactive Art), Anerkennung für "Virtuelle Welten", 1993
  • Siemens-Medienkunstpreis, 1997
  • Verleihung des "Großen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich", 2002
  • Käthe-Kollwitz-Preis, 2004
  • Ehrendoktorat der University of Art and Design Helsinki, 2007
  • Ordre des Arts et des Lettres, 2008
  • Friedlieb Ferdinand Runge-Preis für unkonventionelle Kunstvermittlung, 2009
  • Verleihung der "Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg", 2009
  • Ernennung zum ordentlichen Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste München, 2009
  • Verleihung des "Europäischen Kultur-Projektpreises" der Europäischen Kulturstiftung, 2009
  • Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse, 2010
  • Ernennung zum Mitglied der European Academy of Science and Arts, 2013
  • Ehrendoktorat der Universität Pecs, 2013
  • Oskar-Kokoschka-Preis, 2014

Werke (Auswahl)#

Mixed Media
  • Welcome, 1965/1966
  • Spiegel-Eve, 1966
  • Porträt des Künstlers als junger Hund, 1967
  • Fingerprint, 1968
  • Das magische Auge, 1969
  • Raum der Sprache, 1973
  • Video Lumina, 1977
  • Ichmasse. Massenich, 1982
  • Der Globus als Koffer , 2004

Videos

  • Publikum als Exponat, 1968
  • Abbildung ist ein Verbrechen, 1972
  • Die Kommunikation ist das Medium (TV-Tod II), 1972
  • Parenthetische Identität, 1973
  • Hausmusik, 1974
  • Tritität, 1975

Einzelausstellungen

  • Kosmologie des Paradoxen, Galerie nächst St. Stephan, Wien, 1975
  • Inszenierte Kunstgeschichte, Museum für Angewandte Kunst, Wien, 1988
  • Malerei zwischen Anarchie und Forschung, Neue Galerie, Graz, 1992
  • Vertreibung der Vernunft, Biennale von Venedig, Venedig, 1993
  • Wegwerfbotschaften. Zur freien Entnahme, Galerie Kampl, München, 2000
  • Das offene Werk, Sammlung Falckenberg/Phoenix Kulturstiftung, Hamburg, 2006

Literatur#

  • P. Weibel. Inszenierte Kunstgeschichte, Ausstellungskatalog, Wien 1989
  • P. Weibel. Malerei zwischen Anarchie und Forschung, Ausstellungskatalog, Graz 1992
  • R. Schuler (Hg.), P. Weibel - Bildwelten 1982-96, 1996

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl