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Wenckebach, Karel Frederik#

* 24. 3. 1864, Den Haag (Niederlande)

† 11. 11. 1940, Wien


Arzt, Internist, Herz- und Kreislaufspezialist


Karel Frederik Wenckebach
Karel Frederik Wenckebach. Foto, um 1910.
© Bildarchiv der ÖNB, Wien, für AEIOU

Wenckebach studierte an der Universität von Utrecht Medizin, wo er 1888 promovierte.

Anschließend an seine Studienzeit arbeitete er zunächst als Assistent an den Instituten für Zoologie, Pathologie und Anatomie in Utrecht.
1901 bekam Wenckebach eine Anstellung als Professor für Interne Medizin in Groningen. Von 1911 bis 1914 hielt er diese Position auch an der Universität in Straßburg. Von 1915 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1929 arbeitete Wenckebach als Professor in Wien.

Zu Beginn seiner Karriere beschäftigte sich Wenckeback mit Embryologie.
Später leistete er besonders in den Bereichen Pathologie und Erkrankungen des Herzens und des Kreislaufsystems gute Forschungsarbeit.


Abgesehen von seinen herausragenden kardiologischen Arbeiten schrieb er auch eine der ersten Beschreibungen über die wohltätige Wirkung des Quinin-Alkohols bei Arrhythmien (1903/04), sowie eine wichtige Monographie über Beriberi (1934).


Er wird als einer der Wegbereiter der Wiener Medizinischen Schule angesehen. Zusätzlich dazu wirkte Wenckebach beim Aufbau des Wiener Instituts für Medizingeschichte (in den Räumlichkeiten der ehemaligen Militärakademie Josephinum) mit.
Sein Sohn Oswald war Bildhauer, Maler und Medaillist, der u.a. durch seine Kriegsdenkmäler und durch seine Designs niederländischer Münzen (1948-81) bekannt wurde.


Eponyme:

  • Wenckebach’sches Bündel = medianes Bündel des konduktiven Systems des Herzens, das vom Atrioventrikulären Knoten wegführt (Tawara's node)
  • Wenckebach'sches Herz = Herz, das in der Mittellinie des Thorax (Mesocardia) positioniert ist und kleiner als gewöhnlich ausgebildet ist
  • Wenckebach'sches Phänomen = eine bestimmte Sequenz von Cardio-Zyklen im EKG
  • Wenckebach'sche Pillen = Quinin-Tabletten
  • Wenckebach'sches Zeichen = fehlende Eversion des unteren Bereichs der linken Kurvatur während des Einatmens, zu sehen bei concretio pericardii mit deutlichen Adhärenzen zum Mediastinum
  • Weitere Zuordnungen auch zu Lucianis Perioden und Mobitz Block-Typen I und II.


Publikationen (Auswahl):

  • Experiment en kliniek (1901), Groningen
  • Die Arhythmie als Ausdruck bestimmter Funktionsstörungen des Herzens. Eine physiologisch-klinische Studie (1903), Leipzig, 193 S.
  • Beiträge zur Kenntniss der menschlichen Herztätigkeit (1906-08), 3 Bände, In: Archiv für Physiologie
  • Die unregelmäßige Herztätigkeit und ihre klinische Bedeutung (1914), Verlag W. Engelmann, Leipzig & Berlin
  • Über den Mann von 50 Jahren (1915)
  • Angina pectoris (1926)
  • Unregelmäßige Herztätigkeit (1927), zusammen mit H. Winterberg, Leipzig
  • Herz und Kreislauf bei der Beriberi-Krankheit (1929), zusammen mit W. C. Aalsmer, Berlin & Wien
  • Herz- und Kreislaufinsuffizienz (1931)
  • Medizinische Praxis. Band 12 (1931), Dresden & Leipzig
  • Das Beriberi-Herz (1934), J. Springer Verlag, Berlin

In Zusammenarbeit mit W. Falta gab er ab 1920 auch das 'Wiener Archiv für innere Medizin' mit heraus.

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

U.a. wurde das ehemalige Militär-Krankenhaus in Berlin in 'Wenckebach-Krankenhaus' (1951) umbenannt.
Man benannte weiters auch die Wenckebachstraße in Tempelhof-Schöneberg nach dem Internisten.

Zitat:

"I owe my reputation to the fact that I use digitalis in doses the text books say are dangerous and in cases that the text book say are unsuitable" (1937).

Quellen#

  • AEIOU
  • Personenlexikon Österreich (2002), (Hrsg.) E. Bruckmüller, Buchgemeinschaft Donauland (u.a.), Wien, 575 S.
  • Karel Frederik Wenckebach 1864-1940 (1990), W. B. Fye, In: Clinical Cardiology 13(2), S. 146ff.
  • To Wenckebach. A centenary salute (1999), J. Cooper & H. J. L. Marriott, Texas Heart Institute Journal (Houston), Nr. 26, S. 8ff.



Redaktion: N. Miljković