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Wiener, Karl#

* 1901, Graz

† 1949, Wien


Maler, Grafiker


Karl Wiener
Karl Wiener
© Korso, Magazin

Wiener wuchs in einer sozialdemokratischen Familie auf, sein Vater war beim Parteiorgan "Arbeiterwille" beschäftigt, er war Mitglied der ersten Kinderfreunde-Gruppe unter deren Gründer Anton Afritsch.

Nach dem Besuch der Landesrealschule in Graz arbeitete er bei mehreren Banken in der Steiermark und in München. Schließlich kehrte er nach Graz zurück und besuchte von 1924 bis 1926 die Landeskunstschule. Er wurde Mitglied der Grazer Sezession, dürfte dort aber wenig Kontakte gepflegt haben.


Von 1926 bis 1929 studierte er in Wien bei Berthold Löffler an der Kunstgewerbeschule und von 1931 bis 1932 an der Akademie der bildenden Künste bei Rudolf Jettmar.


Ein Stipendium ermöglichte ihm Reisen ins europäische Ausland, wo er mit den wesentlichen Strömungen der internationalen Kunst in Berührung kam. Seine frühen Werke zeigten bereits den Einfluss der Neuen Sachlichkeit und des Expressionismus. Der Einfluss von George Grosz, John Heartfield, Otto Dix, Kurt Schwitters u.a. auf seine danach entstandenen Werke ist unverkennbar.

In dieser Zeit entstanden vor allem Bilder, die das Los der Arbeiter veranschaulichen: Ausbeutung und Entfremdung sind stark zu Tage tretende Motive.


Am Kunstmarkt konnte er nie wirklich Fuß fassen, seine der Moderne verpflichteten Arbeiten fanden während der NS-Zeit keine Öffentlichkeit: zum Teil handelte es sich dabei um Collagen (bereits ab 1929, was für Österreich außergewöhnlich früh war), die durch die Auswahl der Motive und die Anordnung der Bildelemente zueinander Merkmale der wesentlich späteren Pop-Art aufwiesen.

Seinen Lebensunterhalt verdiente er als Lehrer und Gebrauchsgrafiker – vor allem für sozialdemokratische Medien; während der NS-Zeit unterrichtete er an der Kunstgewerbeschule, 1940 erhielt Wiener einen Lehrauftrag an der Reichshochschule für angewandte Kunst in Wien.


Karl Wiener war bis zu ihrem Verbot 1934 Mitglied der SDAP, 1940 trat er der "Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt" bei. Da keine Aktivitäten aus dieser Mitgliedschaft bekannt sind, dürfte dieser Beitritt aus Gründen der Existenzsicherung erfolgt sein.


Nach dem Krieg konnte Wiener mit seinen Werken wieder vor Publikum treten, u.a. zählte der Wiener Kulturstadtrat Viktor Matejka zu seinen Förderern.



Schon früh traten in Wieners Werk Hinweise auf eine intensive Beschäftigung mit dem Suizid auf – der Künstler portraitierte sich selbst mit einer Pistole, die er sich an die Schläfe hält, etwas später zeigte er sich in einer Zeichnung erhängt mit einem Leintuch. Diese Grundstimmung – vermutlich verstärkt durch erhöhten Medikamenten- und Suchtmittelkonsum – änderte sich auch nach dem Krieg nicht

In seinen zahlreiche Federzeichnungen ("Grotesken"), die das Horrorszenario des Krieges, der Nazi-Herrschaft und die eigene Befindlichkeit des Künstlers in einem Bild zu vereinigen suchten, trat Wiener als Warner der zukünftigen Generationen auf. Im Zusammenhang mit diesen Werken schrieb er: "... ich hoffe, dass die Jugend und die 'Jungen' aller Völker und Länder, aus unermesslicher materieller, geistiger und seelischer Zerstörung über Not, Tod und ... Bedrängnis (trotz allem) triumphieren ...".


Für sich selbst konnte er diesen Optimismus allerdings nicht wieder gewinnen. 1947 verlor er seine Arbeit an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien und beging am 29. April 1949 in seinem Atelier Selbstmord.



Nach 1960 gelangte eine Holzkiste mit Wieners grafischem Oeuvre ins Museum der Stadt Wien. Erst 2001 wurde eine kleine Auswahl in Graz gezeigt, seither wurde der Nachlass aufgearbeitet.


Der Bestand ist stilistisch und thematisch heterogen: Sozial- und zeitkritische Agitationsgrafiken und Collagen finden sich ebenso wie Porträtzeichnungen oder beklemmende Zeugnisse psychischer Bedrängnis.

Werke (Auswahl)#

(Auswahl:)
  • Der Stier und die Europa, Collage, Gouache, 1940, 16 x 12 cm, Hist. Museum der Stadt Wien
  • Drei Männer (Arbeiter), 1932, Gouache, um 1932, 34,6 x 25 cm, Hist. Museum der Stadt Wien

Weiterführendes#

Quellen#

  • Wiener Zeitung
  • Wien Museum
  • Moderne in dunkler Zeit. Widerstand, Verfolgung und Exil steirischer Künstlerinnen und Künstler 1933-1948. Hrsg. Von Peter Weibel und Günter Eisenhut. Graz: Droschl 2001


Redaktion: K. Ziegler