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Wiesenthal, Grete#

* 9. 12. 1885, Wien

† 22. 6. 1970, Wien


Tänzerin, Balletttänzerin

Wiesenthal, Grete
Grete Wiesenthal beim Tanz "Donauwalzer". Foto, 1908
© Ch. Brandstätter Verlag, Wien, für AEIOU

Grete Wiesenthal wurde am 9. Dezember 1885 in Wien geboren.

Als Zehnjährige wurde sie in die Ballettschule der Wiener Hofoper aufgenommen, wo sie klassisches Ballett studierte und bereits 1902 Solotänzerin wurde - Gustav Mahler übertrug ihr die Titelrolle in "Die Stumme von Portici".

1908 verließ sie die Oper und gründete mit ihren Schwestern Elsa und Bertha eine unabhängige Tanzgruppe und schuf auf der Basis des Wiener Walzers einen neuen Tanzstil ("Grete-Wiesenthal-Technik"), der bahnbrechend für die moderne Tanzkunst (Ballett) wurde.

Im Cabaret-Theater "Fledermaus" feierten sie ihren ersten einen durchschlagenden Erfolg, bald folgten Gastspielreisen nach Berlin, St. Petersburg, Budapest und Prag.

Die sogenannten "Wiesenthal-Elemente" waren ein spezifisches Schwung-, Sprung- und Drehsystem, die Rücken der Tänzerinnen oftmals weit zurückgeneigt, mit energetischen Bewegungsfluss - vom "Sphärischen Tanz" sprach die Schöpferin. Zu ihren berühmtesten Kunstwerken gehörten ihre ekstatischen Choreografien zu Wiener Walzern von Johann Strauß Sohn.

In den 1920er und 1930er-Jahren galt Wiesenthal, die auch als Stummfilmschauspielerin auftrat, als "Grande Dame" der Szene. Sie arbeitete als Tänzerin und Choreografin mit Max Reinhardt bei den Salzburger Festspielen zusammen, Hugo von Hofmannsthal schrieb für sie eigene Tanzpantomimen.

Sie inszenierte ab 1926 Ballett an der Staatsoper und lehrte von 1934 bis 1952 an der Tanzabteilung der Akademie für Musik und Bildende Kunst, ab 1945 leitete sie die Abteilung.

Ab Anfang der 1930er Jahre führte Grete Wiesenthal in ihrer Wohnung in Wien einen "Salon", der zu einem geistigen und gesellschaftlichen Zentrum Wiens wurde – hier versammelten sich viele interessante Persönlichkeiten (Hugo von Hofmannsthal, Franz Theodor Csokor, Max Mell, Carl Zuckmayer, Friedrich Heer, Stefan Zweig u.v.m.) zu anregenden Gesprächen. Ihr Salon bestand sogar im Dritten Reich – es gelang Grete Wiesenthal, die regimekritische Tendenz der Soireen zu verbergen.

Sie gründete die "Tanzgruppe Grete Wiesenthal", die bis 1956 Gastspiele in Europa, Nord- u. Südamerika absolvierte.

Nach dem Krieg versuchte sie sich auch als Schriftstellerin: sie schrieb u.a. ihre Autobiographie "Die ersten Schritte" (1947) und den Roman Iffi (1951).

1985 wurde ihre Tanztechnik wieder in den Lehrplan der Ballettschule der Österreichischen Bundestheater aufgenommen.

Am 22. Juni 1970 verstarb Grete Wiesenthal. Sie ist in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof bestattet, 1981 wurde eine Gasse in Wien-Favoriten nach ihr benannt.

Werke (Auswahl)#

Ballette:
  • Die Biene, 1916 (Musik von C. von Franckenstein)
  • Der Geburtstag der Infantin, 1916 (Text von O. Wilde, Musik von F. Schreker)
  • Der Taugenichts von Wien, 1930

Choreographien und Tänze

Schriften:

  • Der Aufstieg, 1919 (Autobiographie)
  • Die ersten Schritte, 1947
  • Iffi, Roman einer Tänzerin, 1951

Literatur#

  • R. Huber-Wiesenthal, Die Schwestern Wiesenthal, 1934
  • I. Prenner, G. Wiesenthal, Dissertation, Wien 1950
  • L. M. Fiedler und M. Lang, G. Wiesenthal, 1985
  • R. Witzmann (Hg.), Die neue Körpersprache, G. Wiesenthal und ihr Tanz, Ausstellungskatalog, Wien 1985
  • S. Mundorf, Grete Wiesenthal – Renaissance einer Tanzform, 2008
  • G. Brandstetter, G. Oberzaucher-Schüller, Mundart der "Wiener Moderne" – Der Tanz der Grete Wiesenthal, 2009
  • V. Hofbauer, Grete Wiesenthal - eine Varietétänzerin? Die Auftritte der Tänzerin in Wiener Kabaretts und Varietés anhand von drei Beispielen, Diplomarbeit 2009

Weiterführendes#


Redaktion: P. Diem, I. Schinnerl