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Wlaschek, Karl#


* 4. 8. 1917, Wien

† 31. 5. 2015 in Graz


Unternehmer
Gründer der Handelskette Billa


Karl Wlaschek wurde am 4. August 1917 in Wien geboren, wo er aufwuchs und die Schule besuchte.

Nach der Matura studierte er sieben Semester Chemie an der TU Wien, 1938 wurde er zur Armee eingezogen und diente bis Kriegsende in Frankreich und der Sowjetunion. (Rückblickend sagte Karl Wlaschek: "Es war das größte Glück meines Lebens, dass ich den Krieg überlebt habe".)

Nach 1945 schlug er sich zunächst unter dem Pseudonym "Charly Walker" als Barpianist am Wörthersee durch und hatte auch Erfolg als Bandleader eine gefragten Tanz-Kapelle.


Mit einem Startkapital von 30.000 Schilling, das er sich als Pianist zusammengespart hatte, eröffnete er 1953 in Wien Margareten eine kleine Parfümerie. Sein Geschäftsmodell dafür - Markenprodukte zu Diskontpreisen in nüchternen Läden im Selbstbedienungs-System zu verkaufen ("BIPA" = billig Parfümerie) - war damals etwas gänzlich Neues. Dieses Konzept übertrug er später auf den Lebensmittelhandel: er führte das Selbstbedienungssystem ein und legte damit den Grundstein für eine expansive Handelsgruppe.

Billa-Schaufenster
Ein Schaufenster eines Billa Supermarkts. Wien.
Photographie um 1960
© IMAGNO/Barbara Pflaum

Innerhalb von sieben Jahren hatte er bereits 45 Filialen hatte und verkaufte nun auch Lebensmittel in "Supermärkten", die ab 1961 unter dem Namen "Billa" - für "Billiger Laden" - firmierten. Diese Supermarktkette baute er zu einem der größten österreichischen Handelskonzerne (Billa-Konzern) aus; in den 1990er Jahren expandierte 'Eurobilla' ins Ausland.

Bereits Ende der 1960er Jahre hatte er "Merkur" gegründet, in den 1970ern die Diskont-Buchhandlung "Libro" und schließlich den Diskonter "Mondo".
Bis zum Verkauf des Billa-Handelsriesen (mit damals 50 Mrd. Schilling / 3,63 Mrd. Euro) Jahresumsatz im Sommer 1996 an Rewe (für 1,1 Milliarden Euro) hatte es Karl Wlaschek auf ein Handelsimperium mit 18.000 Mitarbeitern und 1.340 Filialen gebracht, die unter der Konzernholding BML Vermögensverwaltung AG (für Billa Merkur Libro) zusammengefasst waren.
(Daneben zählten zu der von Rewe übernommenen BML die Marken Mondo und Emma, die Parfümerie-Kette Bipa, ferner die Billa-Töchter in Ungarn, Polen, Tschechien, der Slowakei, Italien und Deutschland.)

1994 brachte der in Geschäftsdingen medienscheue Handels-Guru die "Billareal Immobilieninvest AG" in Wien an die Börse - das Unternehmen notierte allerdings nur drei Jahre, bis 1997, am Aktienmarkt, weil es von der Karl-Wlaschek-Stiftung zurückgekauft wurde.

Nachdem er bei der Privatisierung der damals zweitgrößten Bank des Landes, der Creditanstalt (CA), nicht zum Zug kam, begann Karl Wlaschek sein Vermögen in Immobilien anzulegen. Sein beachtlicher Realitätenbesitz wird über zahlreiche Gesellschaften und Stiftungen mit teils klangvollen Namen ("Amisola", "Estrella", "Ermione", "Novoreal") gemanagt. Karl Wlaschek besaß u.a. mehrere herrschaftliche Palais (darunter Kinsky, Ferstel, Esterházy und Harrach) in der Wiener Innenstadt, die Bürotürme Andromeda-Tower und Ares Tower als Teil der Donau City, die Wiener Börse und das Schlosshotel in Velden. Er wurde zu einem der größten privaten "Hausherren" des Landes und nannte mehr als 250 Gebäude in Österreich sein Eigen.


Sein Privatleben war manchmal turbulent - was sein legendärer Ausspruch "Beim G’schäft bin i guat, bei de Weiber bin i a Depp" vielleicht treffend beschreibt.
2012 heiratete Karl Wlaschek zum fünften Mal - er war dreimal geschieden und einmal verwitwet - und er hatte aus erster bzw. zweiter Ehe zwei Kinder.


Karl Wlaschek starb am 31. Mai 2015 97-jährig in Graz.
(Beigesetzt wird er wahrscheinlich in seinem Mausoleum im Palais Kinsky auf der Freyung in Wien.)

(Karl Wlaschek hinterlässt ein Firmen- und Immobilienimperium - laut US-Magazin "Forbes" belief sich Wlascheks Vermögen 2014 auf 4,2 Mrd. US-Dollar (3,83 Mrd. Euro); damit lag er weltweit auf Platz 393 der vermögendsten Menschen. Auch in Zukunft bleibt das Vermögen in der Familie: Wlascheks Sohn aus zweiter Ehe, Karl Philipp, wurde Anfang 2004 als Aufsichtsrat der Wlaschek-Firmen und Stiftungen eingesetzt; als weitere Begünstigte der Stiftungen galten nach früheren Berichten seine Tochter und seine Stieftochter.)

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien, 1986
  • Großes Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich, 1994
  • Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold, 2004
  • Goldenes Ehrenzeichen des Landes Salzburg, 2004
  • Großes Silbernes Ehrenzeichen mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich, 2009

Quellen#


Redaktion: I. Schinnerl