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Wulfen, Franz Xaver Freiherr von#

* 5. 11. 1728, Belgrad (Serbien)

† 16. 3. 1805, Klagenfurt


Priester, Botaniker, Alpenforscher, Mineraloge


Franz Xaver Freiherr von Wulfen. Lithographie, © Bildarchiv der ÖNB, Wien, für AEIOU
Franz Xaver Freiherr von Wulfen. Lithographie
© Bildarchiv der ÖNB, Wien, für AEIOU

Franz Xaver wurde am 5. November 1728 als Sohn des Freiherr Christian Friedrich von Wulfen, der in der kaiserlichen Armee diente, in Belgrad geboren.

Franz Xaver studierte am Jesuitengymnasium in Kaschau (Kosice) und trat am 14. 10. 1745 (mit 17 Jahren) in den Orden 'die Gesellschaft Jesu' in Wien ein.


Nach den üblichen zwei Noviziatsjahren vervollständigte er zuerst seine Latein- und Griechischkenntnisse und machte anschließend philosophischen Studien am Wiener Kolleg, die er durch weitere Studien in Mathematik bzw. in den Naturwissenschaften ergänzte.

1753 wurde er in Görz Lehrer für die niederen Studien (Grammatik) und im Jahr darauf Erzieher im Theresianum in Wien. 1755 begann er seine theologischen Studien in Graz; später unterrichtete er in Görz und Laibach Mathematik und Philosophie.

1763 wurde er zum Priester geweiht und kam nach Klagenfurt, wo er bis zu seinem Lebensende bleiben sollte. Er hatte dort die verschiedensten Funktionen: Lehrer der Physik, der Mathematik, der Logik und Metaphysik, bis er 1768 aus dem Lehrdienst ausschied und Seelsorger, v.a. für die Ursulinen, wurde.


Daneben widmete er sich mit großem Eifer naturwissenschaftlichen Studien; er machte weite Wanderungen in die Umgebung seiner Wirkungsstätten Wien, Graz, Görz, Laibach und vor allem in Klagenfurt, wo er das Drau-, Möll- und Glantal, den Loibl, den Predil, die Großglockner- und Mellnitzer Tauern botanisch und geologisch erforschte.


Nach der Aufhebung der Gesellschaft Jesu 1773 machte er weite Reisen bis nach Holland, nach Venedig und Triest, an die Küsten des Adriatischen Meeres und nach Istrien. Seine Stärke war die exakte Beschreibung der durchwanderten Gegenden und der gefundenen Materialien (Steine, Pflanzen, Tiere).


Seine floristischen Studien, die im Druck erschienen, zeichneten sich durch gute Beobachtung und treffende Beschreibungen aus. Mit besonderem Erfolg bearbeitete er die Flechten, die er noch als eine Abteilung der Algen ansah.

Zunehmende Bekanntheit in wissenschaftlichen Kreisen erlangte er durch seine Veröffentlichungen in den "Entomologia" und in der zweiten Auflage der "Flora carniolica" des berühmten Professors für Botanik und Chemie in Pavia, Johann Anton Scopoli und durch seine in Jacquin's "Miscellanea und collectanea" erschienenen Abhandlungen über seltenere und bisher unbekannte Pflanzenarten in Kärnten und Krain.
Er hatte einen ausgedehnten fachwissenschaftlichen Briefwechsel mit den großen Naturforschern seiner Zeit in Europa.


1858 – ein halbes Jahrhundert nach seinem Tod – gaben Eduard Fenzl und Rainer Graf die bis dahin unveröffentlichte Schrift "Flora norica phanerogama" heraus. Diese Schrift wird als Hauptwerk Wulfens bezeichnet.


Wulfen wurde Mitglied vieler gelehrter Gesellschaften; 1799 und 1800 war er Teilnehmer an Fürstbischof Salms Expedition zur Erstbesteigung des Großglockners.

Freiherr Franz Xaver von Wulfen starb am 16. März 1805 in Klagenfurt an einer Lungenentzündung.


--> Wulfenie (Wulfenia carinthiaca subsp. carinthiaca)
--> Wulfen Schlüsselblume
--> Wulfenit ("Gelbbleierz")

Werke (Auswahl)#

  • Abhandlung vom Kärntner Bleispate, 1785
  • Plantae rariores descriptae, 1803
  • Cryptogama aquatica, 1803
  • Flora Norica phanerogama, 1858

Quellen#



Redaktion: I. Schinnerl