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Zehner, Wilhelm#

* 2. 9. 1883, Bistritz (Bistrita, Rumänien)

† 11. 4. 1938, Wien (ermordet)


Offizier (General der Infanterie)

Wilhelm Zehner
Wilhelm Zehner. Foto, um 1937.
© Ch. Brandstätter Verlag, Wien, für AEIOU
Wilhelm Zehner wurde am 2. September 1883 in Bistritz/Siebenbürgen als Sohn eines Spenglers geboren.

Nach dem Besuch des Untergymnasiums in Bistritz besuchte er ab 1898 die Infanterie-Kadettenschule in Kamenitz, die er 1902 als Kadett-Offiziersstellvertreter abschloss und eine glänzende militärische Laufbahn - vom einfachen Soldaten bis zum Bataillons-, Regiments- und Brigadekommandanten - begann.

Im 1. Weltkrieg diente er noch als Hauptmann, wurde 1918 in die "Deutschösterreichische Volkswehr" und anschließend in das Österreichische Bundesheer übernommen und Kommandant des Alpenjägerregiments. Während des Bürgerkriegs im Februar 1934 befehligte er als Kommandant der 4. Brigade in Linz den Kampf gegen die sozialdemokratischen Milizen.

1934 wurde Zehner von Dollfuss als Staatssekretär für Landesverteidigung in sein Kabinett berufen und - nach der Ermordung Dollfuß‘ -von Bundeskanzler Schuschnigg zum General der Infanterie befördert. Das Amt als Staatssekretär hatte Zehner bis zum Rücktritt Schuschniggs am 11. März 1938 (bis zum "Anschluss") inne.

Zehner war entschiedener Gegner des nationalsozialistischen Deutschlands und war immer offen für einen Kampf gegen Hitler-Deutschland eingetreten. Nach den Zwangspensionierungen von Generalstabschef Alfred Jansa im Februar und Zehners im März 1938 fiel eine wesentliche Säule des österreichischen militärischen Widerstandes gegen Hitler weg.

Wenige Tage nach dem Einmarsch erfuhr die Öffentlichkeit, General Zehner hätte am 11. 4. 1938 - am Tag der Volksabstimmung - Selbstmord durch Erschießen begangen.

Die Frage, ob es Selbstmord oder Mord (wegen seiner Stellung zum Juliputsch 1934?) war, ist bis heute nicht ganz geklärt.

General Wilhelm Zehner war als Staatssekretär für Landesverteidigung maßgeblich am Wiederaufbau und an der Modernisierung des Bundesheeres der Ersten Republik beteiligt.

Literatur#

  • Daniela Angetter: Gott schütze Österreich ! Wilhelm Zehner (1883-1938), Wien 2006.
  • Karl Glaubauf: Die Volkswehr und die Gründung der Republik, Wien 1993.

Quellen#

Weiterführendes#



Redaktion: I. Schinnerl


Zehner stand in scharfem Gegensatz zu Generalstabschef Jansa und dessen Verteidigungsplan gegen Nazi-Deutschland. Dieses Standardwerk hebt sich wohltuend von TV-Dokumentation 2008 ab, die wissenschaftlich kaum brauchbar ist, aber natürlich viele Bilder bringt.

--glaubauf karl, Dienstag, 20. April 2010, 22:06


die ermordung zehners könnte auch wegen seines verhaltens bei den februarkämpfen als brigadekommandant in linz erfolgt sein. es lässt sich nicht verifizieren, ob jene, die zehner zum angeblichen selbstmord drängten nationalsozialisten waren, oder nur vorgaben es zu sein.

--Glaubauf Karl, Dienstag, 17. August 2010, 11:33


Da es mehrere Alpenjägerregimenter gab, wäre es interessant, welches Regiment Zehner wo kommandierte. Nach dem Krieg führte er wahrscheinlich ein Bataillon eines Alpenjägerregiments, da er für die Position eines Regimentskommandanten noch einen zu niedrigen Dienstgrad hatte.

--Glaubauf Karl, Montag, 6. September 2010, 10:32