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Pater Romuald Pramberger O.S.B. (1877-1967)#

Heimatforscher, Sammler, Museumsmann, Volkskundepionier – und Mönch#

Von

Michael J. Greger (30. September 2013)


Romuald Pramberger
Pater Romuald Pramberger O.S.B. (1877-1967)

Der St. Lambrechter Heimatforscher, Sammler, Museumsmann und Volkskundepionier P. Romuald Pramberger O.S.B., Konventuale der Benediktinerabtei St. Lambrecht im oberen Murtal wurde am 12.04.1877 in Pöchlarn (NÖ) geboren. Prambergers Vater verstarb früh und aufgrund eines skurrilen Versprechens an die Großmutter fühlte sich Pramberger dem Priesterstudium verpflichtet. Er absolvierte das Melker Gymnasium und trat am 01.09.1899 als Novize in das Benediktinerstift Melk ein.

Nach dem Austritt aus Melk, bedingt durch Zerwürfnisse und gediegenen Eigensinn und Suche einer neuen, klösterlichen Bleibe tritt Pramberger ins Stift St. Paul im Lavanttal ein und nach neuerlichen Schwierigkeiten dort lebt Pramberger ab dem 19.10.1903 im Benediktinerstift St. Lambrecht im oberen Murtal (gegr. vor 1076). Am 12.06.1904 feiert Pramberger seine feierliche Profess in St. Lambrecht.

Bald wird Pramberger von Mitbrüdern, aber auch kundigen älteren Bewohnern des Ortes zu Bauernhöfen und Haushalten der Umgebung mitgenommen. In Pramberger erwacht die Berufung zum autodidaktischen Sammler bäuerlicher Relikte und Volkskundler. Ab 1905 (“offiziell” ab 1911) unternimmt er planmäßige Sammel- und Erhebungsgänge in die Dörfer der näheren Umgebung. Pramberger sammelt alten Hausrat, Möbel, Briefe, Bücher, Spielzeug, Werkzeug, Ritual- und Kultgegenstände etc. etc. Bald spöttisch als “Graffelpater” bezeichnet, da er Gegenstände jedwedes Erhaltungszustandes mitbringt, im Sommer mit Ross und kleinem Wagen, im Winter mit dem Schlitten unterwegs ist und oft Spinnweben von Dachböden seinen Habit „zieren“, trägt er aber nicht nur Gegenstände zusammen, sondern zeichnet auch immaterielles Kulturgut in Notizbüchern auf. Durch seine unprätentiöse und leutselige Vorgangsweise kann Pramberger Sagen, Märchen, Schwänke, Rätsel, Witze von alten Dienstboten oder vagabundierenden Bettlerinnen und Bettlern, mit denen er sich stundenlang unterhält, dokumentieren. Oft fehlt er dadurch beim Chorgebet, was die Mitbrüder mäßig freut.

Begabt mit Schauspieltalent und sprühender Rhetorik kann Pramberger viele dieser, teils derben, Witze und Rätsel später in hunderten Vorträgen, hauptsächlich in der Steiremark, aber auch in Kärnten, Wien oder Deutschland einsetzen. Pramberger spricht hin und wieder auch im Radio, leider hat sich keiner seiner Vorträge im ORF-Archiv erhalten. Seine Erkenntnisse überträgt er nach und nach aus den Notizheften handschriftlich in insgesamt 45(!) Folianten (ca. 22.000 A4-Seiten). Seine Sammlungen und Aufzeichnungen erfolgen aber nicht aus reinem Selbstzweck: Pramberger möchte ein “Lehrmuseum” im Stift errichten. Dafür nimmt er ab dem 06.01.1913 mit Viktor (von) Geramb Kontakt auf und empfängt fachliche Beratung. Die Gegenstände der volkskundlichen Sammlung werden zuerst im Stift, ab Sommer 1919 im sogenannten “Jägerhaus” auf dem Stiftsareal untergebracht. 1921 erscheint ein gedruckter Museumsführer: Pramberger, Romuald (1921): Das Volkskundemuseum in St. Lambrecht. Graz: Verlag der Benediktinerabtei St. Lambrecht [15S.]

Weiters legt Pramberger eine wirtschaftskundliche Sammlung (Etiketten, Verschlussmarken, Plakate, Postkarten, Schachteln, Bierdeckeln...) an, bei der er nicht zuletzt von deutschen Unternehmern um den Berchtesgadener Brauerei-Erben und Volkskundler Prof. Dr. Rudolf Kriß (1903 – 1973) unterstützt wird. Leider wurde diese Sammlung, bis auf wenige Reste, im II. Weltkrieg zerstört bzw. in alle Winde zerstreut.

Schon vor 1938 kommt es zu einer zunehmende Entfremdung vom Stiftsleben. Pramberger, der ein schwieriger und empfindlicher Charakter ist, fühlt sich gehänselt und zu wenig gewürdigt. Besonders die Klausur und die Chorgebete belasten Prambergers freiheitsliebende und individualistische Persönlichkeit. Auch bekommt er nie eine eigene Pfarre zugewiesen, wird aber immer wieder mit Vertretungen in den Stiftspfarren der näheren und ferneren Umgebung (Neumarkt, Krakau…), aber auch im Mürztal und den Seitentälern bedacht.

Um den 12. März 1938 wird Pramberger von starken Existenzängsten heimgesucht. Er geht nicht mit den enteigneten und vertriebenen Mitbrüdern nach Mariazell, sondern wird Kuratbenefiziat der Familie Mayr-Melnhof in Schloss Pfannberg bei Frohnleiten. Durch seine Kontakte mit dem “Zentralarchiv der deutschen Volkserzählung”, dass damals bereits vom SS-Ahnenerbe übernommen worden war, kam Pramberger in Kontakt zu diesem und hier wiederum zum Kontakt mit “Ahnenerbe”-Reichsgeschäftsführer Wolfram Sievers, der Pramberger bereits seit 1928 von Vorträgen in München kennt. Pramberger ist vermutlich für Sievers ein “role-model” eines SS-Volkskundlers: fleißig, umsichtig, arbeitsam, ganz der Sache ergeben. Pramberger holt seine Aufzeichnungen und Folianten noch 1938 aus St. Lambrecht, aber nicht die Sammlung, die wieder ins (mittlerweile von den Nazis annektierte) Stiftsgebäude verbracht und mehrfach geplündert wird. Pramberger wird Mitglied des SS-Ahnenerbes, ob auch der NSDAP muss derzeit offen bleiben. Die Begründungen für diesen Schritt reichen von Existenzängsten bis zu einer, durchaus gegebenen, Nähe zu etlichen Zielen dieser Organisationen.

Zunehmende Spannungen mit der Familie Mayr-Melnhof bewegen Pramberger 1943 zur Übersiedlung nach Salzburg. Dort befindet sich eine Forschungsstelle des Ahnenerbes in Gestalt der “Lehr- und Forschungsstelle für germanisch-deutsche Volkskunde” (Prof. Dr. Richard Wolfram, Wien), vor Ort betreut durch Dr. Friederike Prodinger. Pramberger bezieht eine Wohnung im Schloss Anif und ist für die “Lehr- und Forschungsstätte” des SS-Ahnenerbes tätig. Hauptsächlich wird der Inhalt der Folianten “verzettelt” und diese teilweise in ein Typoskript übertragen. Nach dem Kriegsende arbeitet Pramberger als Missar beim Fürsten Auersperg in Schloss Weitwörth (Salzburg).Mit den Jahren steigt die Sehnsucht nach einer Rückkehr in die Steiermark, sowohl bei Pramberger, als auch bei seiner Haushälterin, die sich später als entfernte Verwandte herausstellt.

Pramberger versucht beim Land Steiermark für seine volkskundlichen Leistungen eine Ehrenrente zu erlangen und über den Einsatz von Viktor Geramb und Hanns Koren kann er quasi als Gegengabe für seine Volkskunde-Folianten ab 1950 eine solche Ehrenrente auf Lebenszeit erlangen. Pramberger übersiedelt 1956 nach Mautern im Liesingtal, wo er bis zu seinem Lebensende lebt. Hin und wieder kehrt er für einige Tage nach St. Lambrecht zurück. Die Gemeinden St. Blasen und St. Lambrecht machen Pramberger, der Häuserbücher der Ortschaften verfasste, zum Ehrenbürger. Begraben wird der am 07.04.1967 zu Mautern Verstorbene am Konventfriedhof der Benediktinerabtei St. Lambrecht.

--> Romuald Pramberger. Leben und Wirken. Band I. (Web-Books)

--> Romuald Pramberger. Leben und Wirken. Band II. (Web-Books)

Quellen:

  • Drusowitsch, Helga (1978): Romuald Pramberger. Leben und Wirken. II Bde. [Masch. Diss.] [Phil. Fak.] Universität Graz.
  • Greger, Michael (2012): “Ich selbst habe mit Vorteil zwei Sympathiemittel angewendet”. Romuald Pramberger und seine gesammelten Superstitiosa. In: Kreissl, Eva (Hg., 2013): Kulturtechnik Aberglaube. Zwischen Aufklärung und Spiritualität. Strategien zur Rationalisierung des Zufalls. Bielefeld: transcript, S. 519-536.
  • Plank, Benedikt (2012): Romuald Pramberger. Mönch und Original. In: Kreissl, Eva (Hg., 2013): Kulturtechnik Aberglaube. Zwischen Aufklärung und Spiritualität. Strategien zur Rationalisierung des Zufalls. Bielefeld: transcript, S. 507-518.
  • Pramberger, Romuald (1921): Das Volkskundemuseum in St. Lambrecht. Graz: Verlag der Benediktinerabtei St. Lambrecht.
  • Pramberger, Romuald: Volkskunde. Folianten im Archiv des Volkskundemuseums am Universalmuseum Joanneum in Graz.