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Volksbrauchtum und volkskundliche Kostbarkeiten: Kirchleintragen/Kärnten#

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Der Brauch des Kirchleintragens in Bad Eisenkappel, dem südlichsten, in einem Talkessel gelegenen Kur- und Grenzort Österreichs, erinnert volkskundlich an den Brauch des Lichterschwemmens. Tage und Wochen vor dem 1. Februar basteln die Kinder in der Volksschule von Bad Eisenkappel mit Begeisterung an den Kirchen aus weißem und buntem Papier. Am Vorabend von Mariä Lichtmess (2. Februar) werden die gebastelten Papier-Kirchen auf Tragstangen befestigt und zur Brücke beim Schloss Hagenegg getragen. An der Brücke angelangt übergeben die Teilnehmer ihre Kirchen behutsam den Fluten der manchmal schneebedeckten und vereisten Vellach. Die "Lichterkirchen" tanzen dann noch behende auf den Wellen des Flusses, bis sie umkippen und langsam ihr Licht verlieren. Die Zeit der Einführung des Brauches "Kirchleintragen" kann nur vermutet werden. Angeblich soll ein Gelübde nach einem Hochwasser im 12. Jahrhundert die Wurzel für den Brauchumzug bilden. Anlass für diese Prozession sei, so der Sage nach, ein Unwetter und eine Überschwemmungskatastrophe gewesen. Nachdem der Hauptplatz, die Häuser und die Pfarrkirche durch die Hochwasser führende Vellach unter Wasser gesetzt worden waren und nur noch die Wallfahrtskirche Maria Dorn über dem Ort den Fluten trotze, gelobten die Eisenkappler, die Zuflucht in der Kirche gesucht hatten, jährlich eine Prozession zum Dank für die Errettung zu machen, in welcher sie erleuchtete Kirchen zur Vellach tragen und diese dem unscheinbaren Fluss übergeben.