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© Österreichische Post
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Volksbrauchtum und volkskundliche Kostbarkeiten: Fastentuch / Tirol#

Sonderpostmarkenserie

So genannte Fastentücher sollen in der Fastenzeit den Altar verhüllen, weil nach mittelalterlicher Meinung, der büßende Mensch nicht würdig wäre, Gott zu schauen. Der Brauch kam im 10. Jahrhundert auf, fand im Spätmittelalter seine weiteste Verbreitung, wurde durch die Reformation sowie durch josephinische Bestrebungen zurückgedrängt und erlebt heute besonders in unserem Raum eine regelrechte Renaissance. Waren die riesigen Tücher ursprünglich einfärbig, wurden sie später bestickt oder bemalt. Ein besonders schön bemaltes, 32 m2 großes Tuch von 1640, das erst kürzlich vom Bundesdenkmalamt restauriert wurde, befindet sich im Museum für Volkskunde in der Laudongasse 15-19, im 8. Wiener Gemeindebezirk. Auf 36 Feldern wird in der Art einer Bilderbibel das gesamte Heilsgeschehen einschließlich Himmelfahrt und Krönung Mariens dargestellt. Das ganze Tuch auf einer Briefmarke darzustellen ist natürlich nicht möglich. Die Markenkünstlerin Maria Schulz zeigt nach einem hervorragenden Einfall auf ihrem Entwurf einen Ausschnitt: sie stellt in den Mittelpunkt die Verkündigungs-Szene, den Erzengel Gabriel und Maria und umgibt diese Darstellung mit weiteren 18 auf ein Viertel verkleinerten Feldern, von der Erschaffung des Menschen bis zur Grablegung Christi.