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© Österreichische Post
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Stahlschnittmeister Michael Blümelhuber#

Sonderpostmarke

Kunstvolle Bearbeitung von Eisen gab es schon in der Antike, in erster Linie als Oberflächendekor auf Waffen und Rüstungen. Neben dem Gravieren gewann der Eisenschnitt immer mehr an Bedeutung. Es handelt sich dabei um eine spanabhebende Bearbeitung des Eisens mit gehärteten kleinen Werkzeugen wie Meißel, Grabstichel, Bohrer, Feile und Punze. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts spricht man auf Grund der Veredelung des Eisens vom Stahlschnitt. In Steyr, seit dem Mittelalter Hauptsitz der Klingenschmiede, entwickelte sich die Kunst des Eisenschnittes. In der Rokokozeit geriet diese Kunst in Vergessenheit und wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts durch die Künstler Gustav Ritzinger, Leo Zimpel und Michael Blümelhuber wiedererweckt. Im 20. Jahrhundert ragten besonders Hans Gerstmayr und Friedrich Mayr heraus. Letzterer ist auch als Entwerfer einer Anzahl von österreichischen Sonderbriefmarken hervorgetreten, so auch dieser Marke. Michael Blümelhuber, geb. 1865 in Unterhimmel (Christkindl) bei Steyr, gest. 1936 in Steyr, wird als größter Meister des Eisen- bzw. des Stahlschnitts bezeichnet. Es war seine entscheidende handwerkliche und künstlerische Leistung, dass er erstmals in der jahrhundertealten Geschichte des Eisenschnittes seine Werke aus dem vollen Material schnitt. Staat, Land und die Stadt Steyr erbauten das Meisteratelier für Stahlschnitt, die Landeskunstschule, in die Blümelhuber 1910 einzog - heute eine Zweigstelle der HTL Steyr "Fachschule für Metalldesign". Blümelhuber schuf Jagdmesser, Bestecke, Scheren, Brieföffner und Schmuckstücke. Seine Hauptwerke waren jedoch in erster Linie symbolische Plastiken. Einige seiner Werke sind seit dem 2. Weltkrieg verschollen. Der 29 cm große Linzer Domschlüssel ist das bekannteste Werk des Meisters. Herausgearbeitet aus einem Stahlblock von über 2 Kg Gewicht, wiegt das fertige Stück nur einen Halben Kilogramm. Blümelhuber schuf den Schlüssel 1924 zur Einweihung des Maria-Empfängnis-Doms in Linz. Der Bart des Schlüssels ist der wichtigste Teil. Blümelhuber schnitt das Kreuz aus dem Bart. Neben dem Kreuz Wurzeln schlagend rankt sich am durchbrochenen Schlüsselschaft die Blume der Liebe - die Rose - empor, gemeinsam mit dem Spruchband "APERIT ET NEMO CLAUDIT; CLAUDIT ET NEMO APERIT". D.h. Er öffnet und niemand schließt, er schließt und niemand öffnet. Im Schlüsselgriff blüht ein Lilienstrauß auf, Symbol der Reinheit und Unschuld. Darüber schwebt der Heilige Geist als Taube. In den beiden mittleren Vierpassrundungen kniet je ein Engel, er verehrt mit gefalteten Händen die Lilie - das Mysterium der Gottesmutter. Der Domschlüssel, der seit 1924 im Besitz des OÖ Landesmuseums ist, wurde 1985 an Bischof Aichern von Linz übergeben und ist jetzt in seiner vorgesehenen Heimstätte, dem Maria-Empfängnis-Dom zu Linz.