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Briefmarke, Rosenkranz-Triptychon
© Österreichische Post

Das Rosenkranz-Triptychon#

Blockausgabe

Das Rosenkranz-Triptychon in der Pfarrkirche Wien-Hetzendorf, das der akademische Maler Ernst Fuchs in den Jahren 1958 bis 1959 schuf, ist vom künstlerischen Gehalt, von der meisterhaften Ausführung und der religiösen Auseinandersetzung mit dem Thema der Rosenkranz-Geheimnisse ein wohl einzigartiges Kunstwerk. Fuchs, ein Hauptvertreter der so genannten „Wiener Schule des Phantastischen Realismus“, erhielt – aus einer jüdischen Familie stammend – 1942 die Taufe und setzte sich mit seinem Glauben tief auseinander. Dieses Ringen drückte sich auch in intensiven Gesprächen und Diskussionen zwischen dem damaligen Pfarrer von Hetzendorf, Prälat Joseph Ernst Mayer, und dem Künstler aus. Prof. Ernst Fuchs wollte mit und in seinem Tryptichon ganz bewusst den Zwiespalt zwischen Judentum und Christentum auflösen und einen Dialog über diese Thematik anregen. Das erste Bild – „Der glorreiche Rosenkranz“ – konnte bereits 1958 in der Apsis des seinerzeit neu gestalteten Innenraums der Kirche aufgestellt werden. Die beiden anderen – „Der freudenreiche Rosenkranz“ und „Der schmerzhafte Rosenkranz“ – folgten 1960; zu Weihnachten desselben Jahres war das Triptychon komplett. Es wurde bewusst hinter der Sessio platziert, sodass es den Chorraum als Wochentagspfarre optisch vom übrigen Kirchenraum trennte. Fachwelt und Presse waren begeistert, doch in einer ganzen Reihe von Zuschriften an die Pfarre zeigte sich hilfloses Unverständnis bis zu gehässiger Ablehnung. Im September 1979 wurden die Bilder schließlich heruntergerissen und durch zahlreiche lange Schnitte sowie durch Falten und Knicke stark beschädigt. Die Farbe der Bilder wurde teilweise abgerieben, die Vergoldung zerstört und die Maloberfläche blätterte ab. Nur Dank des Engagements der Pfarre und der Fertigkeiten des Restaurators Donald Corcoran konnte das Gemälde in jahrelanger Detailarbeit wieder hergestellt werden. Das Einmalige an dieser Restaurierung ist wohl, dass die Transparenz des Pergaments trotz Verklebungen erhalten blieb und auf diese Weise weiter das Licht von der Rückseite die Bilder zum Strahlen bringt. Seit April 1999 ziert nun das monumentale Werk mit den Maßen von drei mal drei Metern wieder die Pfarrkirche Hetzendorf. Die nüchtern gestaltete, weiß ausgemalte Kirche stellt den idealen Raum für das Gemälde dar. Ernst Fuchs’ großartiges Werk wiederum gibt der Pfarre auf ästhetisch schlichte Weise ihren bekannten Namen: Rosenkranzkirche.

In seiner autobiografischen Schrift „Fuchs über Ernst Fuchs“ schrieb der Künstler einst: „Ich betete, meditierte, lernte ‚meine Kirche’ kennen … Dies war meine Aufgabe: Das Bild des Messias, die Ikone des Jesus von Nazareth.“