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Briefmarke, 100 Jahre II. Wiener Hochquellenleitung
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100 Jahre II. Wiener Hochquellenleitung#

Sonderpostmarke

Die Wiener Wasserversorgung wird im Wesentlichen durch zwei Hochquellenleitungen gewährleistet; insgesamt können damit fast 590.000 m³ Trinkwasser pro Tag in die Bundeshauptstadt geleitet werden.

Bereits zur Zeit der Römer versorgte eine mehrere Kilometer lange Wasserleitung das einstige Vindobona – damals wurde das Wasser (etwa 5.000 m³ täglich) aus dem Gebiet des heutigen Perchtoldsdorf und Gumpoldskirchen bezogen. Im 17. Jahrhundert versorgte der Brunnen am Neuen Markt die ersten Stadtteile mittels einiger kleinerer Wasserleitungen mit Frischwasser; dies blieb bis weit ins 19. Jahrhundert hinein das einzige Wasserleitungssystem innerhalb Wiens. Zwischen 1835 und 1841 schließlich wurde das erste flächendeckende städtische Wasserleitungssystem gebaut: die Kaiser-Ferdinands-Wasserleitung, durch die täglich 20.000 m³ filtriertes Donauwasser floss. Das Wachstum der Stadt überforderte dieses System jedoch recht bald – und als im Jahre 1861 bereits die siebenfache Menge dessen, was jene Wasserleitung lieferte, notwendig war, kam es zu einer öffentlichen Ausschreibung für ein neues Wasserversorgungssystem. Es gewann das Projekt der Geologen Eduard Suess und Carl Junker, das eine 120 Kilometer lange Fernleitung, Wasserspeicher sowie ein Verteilungssystem beinhaltete. Durch die rasante Stadtentwicklung wurde die I. Hochquellenleitung, die seit 1873 in Betrieb war, aber ebenfalls bald zu schwach. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde daher unter Bürgermeister Karl Lueger die II. Wiener Hochquellenleitung errichtet, und 1910 – also vor genau 100 Jahren – von Kaiser Franz Joseph eröffnet. Diese Wasserleitung wird von Quellen im Hochschwabgebiet gespeist. Sie hat ausreichend Gefälle bis Wien, sodass keine zusätzlichen Pumpen benötigt werden. Wie bei der I. Hochquellenleitung sind bereits im Quellgebiet große Höhenunterschiede vorhanden. Dieser Druck wird in Turbinen als Druckbremse abgebaut, die die Umgebung von Wildalpen bis Mariazell mit Strom versorgen – eines der bekanntesten dieser Kraftwerke ist jenes in Gaming. Die 200 Kilometer lange Leitung, die großteils aus Stein gemauerten Stollen besteht, führt über 100 Aquädukte und 19 Düker, welche aus Gussrohrleitungen errichtet wurden, da sie stellenweise bis 9 bar standhalten müssen. Das Wasser benötigt etwa 36 Stunden für die Strecke bis nach Wien. Im Bereich größerer Flüsse sind Ablassschleusen eingebaut, die ein Entleeren der Leitung für Wartungs- und Reinigungsarbeiten ermöglichen. Die größte Quelle ist die Kläfferquelle am Fuß des Hochschwabs im steirischen Salzatal, die bei Schneeschmelze eine Schüttung von rund 10.000 Liter pro Sekunde hat und damit zu den größten Trinkwasserquellen Europas zählt. Der Verlauf der Leitung führt von Wildalpen und Lunz am See über Scheibbs, Wilhelmsburg, Neulengbach und Preßbaum bis nach Wien.