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250 Jahre Wiener Prater#

Sondermarke#

Briefmarke, 250 Jahre Wiener Prater
© Österreichische Post

1766 bekamen die Wienerinnen und Wiener ein großzügiges Geschenk: Kaiser Joseph II. überließ ihnen den Prater als Erholungsgebiet. Sein Name geht noch viel weiter in der Geschichte zurück: Bereits im 12. Jahrhundert schenkte Herzog Friedrich I. einige Wiesen der Familie de Prato, die sich später Prater schrieb. Den Geburtstag des Wiener Praters würdigt die Österreichische Post mit einer Sondermarke. Der Prater hatte zuvor lange Zeit als kaiserliches Jagdrevier gedient und war nur dem Adel zugänglich gewesen – „niemandt alß waß Cavalliers und Dames“ hatte hier laut einer kaiserlichen Anordnung Zutritt gehabt. Nun aber konnte jedermann hier spazieren, bis die Sonne unterging. Der Torschluss wurde allabendlich durch drei Böllerschüsse angekündigt. Kaiser Joseph II. wurde bei der Eröffnung darauf aufmerksam gemacht, dass er sich nun unters gemeine Volk mischen müsse, darauf soll er gesagt haben: „Wenn ich stets unter meinesgleichen herumwandeln wollte, dürfte ich nur in der kaiserlichen Gruft spazieren gehen.“ 1775 ging er sogar noch einen Schritt weiter und ließ auch das Gitter rund um den Prater niederreißen, wodurch der Zugang zu jeder Tages- und Nachtzeit möglich war. Während die Kastanienallee, die heutige Hauptallee, ein Sammelplatz der besseren Gesellschaft blieb und die Gegend rund um das Lusthaus von dieser für Ausfahrten und Promenaden genutzt wurde, entstand der Wurstelprater als Rummelplatz mit Attraktionen für das Volk. Zuerst wurden Kaffeehäuser eröffnet, bald folgten auch Ringelspiele, Lebzelterbuden, Kegelbahnen, Schaukeln und vieles mehr. Auch Kuriositätenkabinette und Schaubuden wurden aufgestellt, Feuerwerke und Großveranstaltungen fanden hier statt. Gleichzeitig hatte die Musik der Zeit neue Aufführungsorte gefunden: Johann Strauß spielte hier ebenso wie Joseph Lanner und Carl Michael Ziehrer. Der Name Wurstelprater ging übrigens auf jene Stände zurück, die Puppentheater für die kleinen Besucher darboten – darunter eben auch Geschichten mit dem allseits beliebten, tollpatschigen Hanswurst. Zwar wurde der Wurstelprater in Volksprater umbenannt, inoffiziell behielt er seine beliebte Bezeichnung aber immer bei. 1873 fand im Prater die Weltausstellung statt, an der 53.000 Aussteller teilnahmen, und die Rotunde wurde erbaut. 1895 wurde das Vergnügungsareal „Venedig in Wien“ errichtet, das wohl als erster Themenpark der Welt bezeichnet werden kann. Auf 50.000 Quadratmetern wurde die italienische Lagunenstadt nachgestellt, die Besucher konnten Kanäle befahren und Nachbildungen venezianischer Bauwerke bestaunen. Das Riesenrad kam 1897 zu den Attraktionen dazu. 1938 ging der Prater in das Eigentum der Stadt Wien über, während des Zweiten Weltkriegs wurde der Wurstelprater durch Bombeneinschläge sowie durch einen Brand im Jahr 1945 zum Großteil zerstört, später aber wieder aufgebaut. Bis heute ist der Prater, der auch Schauplatz des berühmten Films „Der dritte Mann“ ist, ein wichtiges Erholungsgebiet für alle Stadtbewohner und Touristen.