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Burg Lockenhaus#

Bezirkshauptmannschaft: Oberpullendorf Burgenland, Oberpullendorf

Gemeinde: Lockenhaus Burgenland, Lockenhaus

Katastralgemeinde: Lockenhaus



Lockenhaus, © Österreich Werbung
Lockenhaus
© Österreich Werbung

Lockenhaus konnte das Bild einer Ritterburg im wesentlichen bewahren. Der mittelalterliche Baubestand ist gut erhalten. Lockenhaus ist nicht nur die älteste sondern auch die kunsthistorisch bedeutendste Burg des Landes. Ringförmige Anlage aus der Mitte des 13. Jahrhunderts, fünfeckiger Bergfried, Kapellenturm und zweischiffiger, siebenjochiger Rittersaal.
Die Burg wurde im 15. und 16. Jahrhundert erweitert, die dreiflügelige Anlage der Vorburg im 17. und 18. Jahrhundert schlossartig ausgebaut. Der mittelalterliche Baubestand ist heute gut erhalten.

Unter dem Burghof befindet sich ein unterirdischer Raum, dessen wirkliche Bedeutung ungeklärt bleibt. Die Historiker sind unterschiedlicher Meinung. Es könnte sich um ein Gefängnis, um einen Raum für astronomische Beobachtung, um eine Schatzkammer oder um eine Zisterne handeln. Jedoch ist der Raum mit zwei Apsiden ausgestattet, sodass eine mystisch-sakrale Deutung des Raumes nicht ausgeschlossen wird. So wird vermutet, dass es ein Kultraum der Templer aus dem 13. Jahrhundert war.
Die Burg ist legendenumrankt, wie keine zweite des Burgenlandes. Allerdings erwies sich der „unauslöschliche Blutfleck“ beim Rittersaal, der mit unschuldig hingemetzelten Tempelritter in Verbindung gebracht wurde, nach einer Prüfung als Rotalgenbewuchs auf dem feuchten Mauerwerk.

Lockenhaus, © Österreich Werbung
Lockenhaus
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Erste urk. Erwähnung 1242. Unter dem Namen Leuca ist sie schon seit 1200 nachweisbar. Lockenhaus wechselte wie viele Wehrbauten im österreichisch-ungarischen Grenzgebiet mehrfach die Besitzer und dadurch auch ihre Abwehrrichtung.
1270 im Besitz von Heinrich II. von Güssing. Dessen Sohn Nikolaus I. nannte sich „Graf de Leuka“ und begründete die Lockenhauser Linie der Güssinger Grafen.
König Karl Robert I. von Anjou konnnte der Macht der Güssinger Grafen ein Ende bereiten. Er belagerte die Burg 1336, konnte sie einnehmen und die Burg fiel an die ungarische Krone. 1390 übergab König Sigismund die Burg mit dem ausgedehnten Herrschaftsbezirk als Lehen an die Familie Kanizsay, die sie bis 1535 besaß und auch die Landgerichtsbarkeit inne hatte.
Herzog Wilhelm von Österreich eroberte 1405 Burg Lockenhaus. Nach dem Frieden von Preßburg wurde sie 1409 den Kanizsay wieder zurückgegeben.
Als 1490 Kaiser Maximilians I. Truppen die Burg einnahmen, wechselten die Kanizsay die Fronten und konnten so im Besitz von Lockenhaus bleiben. Durch die Heirat der Ursula Kanizsay mit Thomas Nádasdy kam die Herrschaft in den Besitz der Familie Nádasdy.
Franz III. von Nádasdy, auch „Krösus von Ungarn“ genannt, erbaute 1636 die etwas unterhalb der Hochburg gelegene Vorburg, auch „Äußeres Schloss“ genannt. Die Hochburg wurde nicht mehr bewohnt und blieb dem Verfall überlassen. Um 1671 kam Lockenhaus zuerst als Pfand und dann als freies Eigen an seinen Schwiegersohn Nikolaus Graf Draskovich.
1676 erwarb Paul Graf Esterházy die Herrschaft und seine Nachkommen blieben bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts im Besitz der Burg. Sie wurde nicht bewohnt, also wurde sie langsam zur Ruine.
In den Jahren 1902 bis 1906 ließ Nikolaus V. Fürst Esterházy Restaurierungsarbeiten durchführen. Damals wurden der Rittersaal sowie einige anschließende Bauteile durch den Architekten Prof. Stephan Möller romantisierend erneuert. Das Äußere Schloss wurde als Museum eingerichtet. 1935 erhielt der Kapellenturm ein neues Dach.
Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges und in der Nachkriegszeit wurde die Burg verwüstet. In der Unterburg fehlten nicht nur die Dächer, sondern zum Teil auch die Zimmerdecken. 1957 wurden die Dächer erneuert.
Die Rettung erfolgte aber erst ab 1968, als der steirische Schriftsteller Paul Anton Keller den ruinösen Bau erwarb und ihn wiederherstellen ließ. Nach seinem Tod wurde die Burg in eine Stiftung eingebracht, an der auch das Land Burgenland beteiligt ist.

Lockenhaus dient heute als Kulturzentrum des Bezirkes Oberpullendorf. Im Sommer finden die „Lockenhauser Konzerte“ statt. Zu besichtigen ist die Burg und auch das Prof. Paul Anton Keller Museum. In der Vorburg sind ein Hotel und ein Restaurant untergebracht.


Eigentümer: Stiftung Paul Anton Keller


Burg Lockenhaus im Burgenland. Photographie., © IMAGNO/Gerhard Trumler
Burg Lockenhaus im Burgenland. Photographie.
© IMAGNO/Gerhard Trumler
Die eiserne Jungfrau eine innen mit langen Eisenstacheln versehene Hohlplastik in der die berüchtigte Blutgräfin Elisabeth Báthory-Nádasdy auf Burg Lockenhaus junge Mädchen zu Tode quälte. Photographie., © IMAGNO/Gerhard Trumler
Die eiserne Jungfrau eine innen mit langen Eisenstacheln versehene Hohlplastik in der die berüchtigte Blutgräfin Elisabeth Báthory-Nádasdy auf Burg Lockenhaus junge Mädchen zu Tode quälte. Photographie.
© IMAGNO/Gerhard Trumler
Rittersaal im Erdgeschoß des Palas von Burg Lockenhaus. Südburgenland. Photographie. Um 1999., © IMAGNO/Gerhard Trumler
Rittersaal im Erdgeschoß des Palas von Burg Lockenhaus. Südburgenland. Photographie. Um 1999.
© IMAGNO/Gerhard Trumler
Die sogenannte Eiserne Jungfrau in der Folterkammer der Hochburg. Burg Lockenhaus im Burgenland. Photographie., © IMAGNO/Gerhard Trumler
Die sogenannte Eiserne Jungfrau in der Folterkammer der Hochburg. Burg Lockenhaus im Burgenland. Photographie.
© IMAGNO/Gerhard Trumler

Weiterführendes#




Der Text und die Literaturangaben sind aus dem Buch 'Österreichisches Burgenlexikon - Schlösser, Burgen und Ruinen' (1991) von Georg Clam Martinic übernommen. Der Beitrag wurde jedoch im Oktober 2010 mit folgenden Quellen aktualisiert:

www.burgen-austria.com

Burgen und Schlösser in Österreich und Südtirol (2005) von Gerfried Sitar und Anna Hoffmann

und mit Webrecherchen.

Literatur#

  • Dehio-Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs. Burgenland, bearb. von Adelheid Schmeller-Kitt, hg. vom Institut für österreichische Kunstforschung des Bundesdenkmalamtes, 2. Aufl., Wien 1980, Seite 174f
  • Prickler, Harald, Burgen und Schlösser, Ruinen und Wehrkirchen im Burgenland, Wien 1972, Seite 90ff
  • Schmeller, Alfred, Das Burgenland, Salzburg 1965, Seite 146f