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Schloss Tratzberg#

Bezirkshauptmannschaft: Schwaz Tirol, Schwaz

Gemeinde: Stans Tirol, Stans

Katastralgemeinde: Stans



Schloss Tratzberg., Foto: böhringer friedrich. Aus: Wikicommons unter CC
Schloss Tratzberg.
Foto: böhringer friedrich. Aus: Wikicommons unter CC

Am steilen Hang des Stanserjochs gelegener Bau der Renaissance. Westseite als einziger Zugang, mit Rundturm und durch Säulen und Dreiecksgiebel gegliedertem Portal mit Wappen der Ilsung (1571); davor Arkadengalerie; die vom Tal aus sichtbare Südfront ist durch achteckige Ecktürme und einen mittleren Erkerturm gegliedert; an der Ostseite eine Kapelle mit halbrundem Schluß.
Vier gleiche Flügel umschließen einen Hof: reiche Groteskmalerei (bezeichnet „P. D. 1600"), die 1969 stark erneuert wurde. Im Südflügel dreigeschoßige Galerie mit Arkaden, im Ostflügel eine zweigeschoßige spitzbogige Galerie (1515); an allen Säulen, Portalen, Bögen und Fenstergewänden reiche Verwendung von rotem Marmor.
Im Inneren Jägerstube mit Erker, vieleckige Mittelsäule aus Marmor, Kassettendecke und Getäfel um 1552-54, schöne Öfen, Rüstkammer (datiert 1512) mit Stangenwaffen, Schwertern, Feuerwaffen, Totenschilde aus der Pfarrkirche Schwaz, gewölbten Räumen (ehemals Stallungen) im Erdgeschoß.
Fuggerstube, Habsburgersaal, Königinstube mit Getäfel, Balkendecken, Marmorsäulen und Prachtmobiliar, Ilsunghalle, Kapelle zur hl. Katharina (geweiht 1508) mit reichem Marmorportal, Sakramentshaus, Schlußsteinen mit Besitzerwappen, frühbarockem Altar, gotischer Kanzel; Wohnräume, Jagdsaal mit Balkendecke aus 1510 im ersten Stockwerk; Tänzlhalle, Tänzlstube mit seltenem Frührenaissancegetäfel, Maximilianstube, wo noch heute ein Fluchtweg mittels Falltür vorhanden ist. Maximiliankammer im zweiten Stockwerk, mit angeblich eigenhändiger Inschrift von Kaiser Maximilian I.

Schloss Tratzberg, Innenhof., Foto: böhringer friedrich. Aus: Wikicommons unter CC
Schloss Tratzberg, Innenhof.
Foto: böhringer friedrich. Aus: Wikicommons unter CC

Ende des 13. Jahrhunderts schienen die Grafen von Görz-Tirol als Besitzer der alten Grenzburg, die erstmals 1288, 1297 oder 1299 urkundlich genannt wurde, auf.
Der bayrische Geschichtsschreiber Aventin berichtet um 1517, dass der Pfalzgraf Rudolf von Bayern 1294 in Tirol einfiel und eine Trasobergamum genannte Befestigung zerstörte. Sichr ist, dass Graf Meinhard II. 1295 kurz vor seinem Tod mit dem Neubau einer Burg begann.
1296 wird erwähnt, dass Sighard Cholb als Pfleger auf Tratzberg eingesetzt war. 1310 übernahm Seyfried von Rottenburg die Burgaufsicht. 1346 fiel Tratzberg als Pfandbesitz an die Freundsberger, die es bis 1407 besaßen. Danach hatten die Herzöge von Österreich die Herrschaft Tratzberg inne, die Pfleger einsetzten. Als erster schien 1409 Ulrich von Weisbriach auf.
Erzherzog Sigmund der Münzreiche ließ 1462/63 die Burg ausbauen und durch eine neue Talsperre ergänzen.
1490/91 brannte die Burg bis auf die Grundmauern nieder. Der König und spätere deutsche Kaiser Maximilian I. überließ die Ruine 1499 den Gewerken Veit-Jakob und Simon Tänzl. Zwischen 1500 und 1515 ließen sie einen Neubau errichten, der noch die Formen der Spätgotik hatte. Sie schufen die talseitige Front, den Osttrakt und den Torbau. Man vermutet, dass in den folgenden Jahren noch größere Bauarbeiten durchgeführt wurden. Mit dem Tod von Simon Tänzl kamen sie 1525 zum Stillstand.
Nach finanziellen Problemen mussten sie ihre Tiroler Besitzungen an Mathias Manlich verkaufen. Manlich verkaufte Tratzberg schon zwei Jahre später an Georg Ritter von Ilsung. Er baute 1560 bis 1571 den West- und den Nordflügel zu dem Viereckbau aus, wie er sich heute darstellt. Jakob Fugger, ebenfalls aus Augsburg, heiratete 1570 Anna Ilsung und erbte 1589 Tratzberg.
Nach mehreren Besitzern zerstörte 1689 eine Schneelawine die bergseitigen Dächer. 1703 fielen im Zuge des spanischen Erbfolgekrieges die Bayern in Tirol ein und das Schloss erlitt weitere Schäden. Tratzberg diente kurzzeitig als Spital.
1731 erwarb Josef Ignaz Reichsfreiherr von Tannenberg die Herrschaft. 1809 besetzten, die mit Napoleon verbündeten Bayern und Sachsen, Tirol und das Schloss wurde neuerlich stark beschädigt und geplündert.
Durch die Heirat mit der Gräfin Ottilia von Tannenberg kam Franz III. Graf Enzenberg 1847 in den Besitz des bereits ziemlich verwahrlosten Tratzbergs. Er bemühte sich bis 1879 das heruntergekommene Schloss durch eine umfassende Sanierung wieder instand zu setzten und ergänzte die Einrichtung durch Zukäufe.
Seine Nachkommen besitzen und bewohnen das Schloß noch heute. Seit 1973 erstrahlen die Fresken im Innenhof in neuem Glanz. Derzeitiger Eigentümer ist seit 1992 Ulrich Graf Goess-Enzenberg.

Eine Besichtigung von Schloss Tratzberg ist nach Voranmeldung möglich.


Eigentümer: Seit 1847 Grafen Enzenberg


Schloss Tratzberg, Österreich Werbung
Schloss Tratzberg
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Schloss Tratzberg., Foto: Christoph Praxmarer. Aus: Wikicommons unter CC
Schloss Tratzberg.
Foto: Christoph Praxmarer. Aus: Wikicommons unter CC

Schloss Tratzberg., Foto: Paul David Doherty. Aus: Wikicommons unter CC
Schloss Tratzberg.
Foto: Paul David Doherty. Aus: Wikicommons unter CC
Schloss Tratzberg, Stammbaum der Habsburger, Österreich Werbung
Schloss Tratzberg, Stammbaum der Habsburger
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Lorenzo Quaglio (1793–1869): Interieur im Schloss Tratzberg im unteren Inntal mit historischer Figurenstaffage, Aquarell/Gouache auf Papier. 14,5 x 21,5 cm.
Lorenzo Quaglio (1793–1869): Interieur im Schloss Tratzberg im unteren Inntal mit historischer Figurenstaffage, Aquarell/Gouache auf Papier. 14,5 x 21,5 cm.
Schloss Tratzberg., Foto: böhringer friedrich. Aus: Wikicommons unter CC
Schloss Tratzberg.
Foto: böhringer friedrich. Aus: Wikicommons unter CC

Schloss Tratzberg, Arkaden., Foto: böhringer friedrich. Aus: Wikicommons unter CC
Schloss Tratzberg, Arkaden.
Foto: böhringer friedrich. Aus: Wikicommons unter CC

Schloss Tratzberg, Westseite., Foto: böhringer friedrich. Aus: Wikicommons unter CC
Schloss Tratzberg, Westseite.
Foto: böhringer friedrich. Aus: Wikicommons unter CC


--> Schloss Tratzberg (Video Album)


www.schloss-tratzberg.at




Der Text und die Literaturangaben sind aus dem Buch 'Österreichisches Burgenlexikon - Schlösser, Burgen und Ruinen' (1991) von Georg Clam Martinic übernommen. Der Beitrag wurde jedoch im Oktober 2010 mit folgenden Quellen aktualisiert:

www.burgen-austria.com

Burgen und Schlösser in Österreich und Südtirol (2005) von Gerfried Sitar und Anna Hoffmann

und mit Webrecherchen.

Literatur#

  • Bracharz, Elisabeth, Die Burgen im unteren Inntal, (=Schlern-Schriften, Bd. 239), Innsbruck 1966, Seite 119ff.
  • Dehio Tirol, Dehio-Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs. Tirol, bearb. von Gert Amman, Erich Egg, Johanna Felmayer, Josef Franckenstein, Wolfram Heike, Horst R. Huber, Herta Öttl, Meinrad Pizzinini, Wien 1980, Seite 759ff.
  • Weingartner, Josef Hörmann-Weingartner, Magdalena Die Burgen Tirols. Ein Burgenführer durch Nord-, Ost- und Südtirol, 3. Aufl., Innsbruck-Bozen 1981, Seite 74f.