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Schloss Belvedere#

Gemeinde: Wien, Prinz-Eugen-Straße 27 (Oberes Belvedere) Wien, Prinz-Eugen-Straße 27
Rennweg 6 (Unteres Belvedere) Wien, Rennweg 6


Schloss Belvedere
Schloss Belvedere - Foto: Österreich Werbung

Oberes Belvedere: #

Langgestreckter Baukörper mit 35achsiger Front; die Flügel sind zweigeschoßig, der Mittelbau dreigeschoßig. An den Seiten vier achteckige, kuppelbekrönte Eckpavillons; plastische Reliefs, Dachbalustraden, das Treppenhaus mit weißem Stuck (dieses war früher offen und wurde 1826 durch Türen und Glaswände verschlossen).

Im Inneren Marmorsäulen, Konferenz- und Audienzsaal, Spiegelkabinett, Tafelzimmer, Kunstgalerie, Marmorkabinett, Kleider-, Schlaf- und Bilderzimmer, Bibliothek; Kapelle mit weißem Stuckmarmor, die durch beide Stockwerke reicht. In der Garderobe befinden sich mathematische und opti sche Instrumente, in der Bildergalerie italienische Gemälde und im Erdgeschoß Dekorationen von Drentwett. Goldkabinett mit Deckenbildern von Francesco Solimena. Hauptsaal mit Deckenfresko des Martino Altomonte, die Ehrengabe des Papstes nach dem Sieg bei Peterwardein 1716, darstellend. Sternförmig angelegte Menagerie (um die einzelnen Teile besser beobachten zu können).

Unteres Belvedere:#

Für die Zeit der Entstehung völlig neu ist die Verbindung des Baues mit dem Boden auf dem er steht sowie die außerordentliche Breite der Anlage. Nur wenige Stufen führen in die Räume, die sich mit großen Türen und Fenstern gegen den Garten hin öffnen.

Mittelpunkt des Unteren Belvederes ist der große Marmorsaal mit dem berühmten Standbild von Permoser, die Apotheose des Prinzen Eugen darstellend. Rechts und links in der langen Front befinden sich das Tafelzimmer, das Marmorkabinett, das Bilder-, Schlaf- und das Anlegezimmer, der Grotesken- und der Spiegelsaal, die Marmorgalerie und das Bücherkabinett. 1

693 hatte Prinz Eugen begonnen, Grundstücke zwischen dem heutigen Rennweg und dem Gürtel zu erwerben. 1700 wurden bereits Terrassierungsarbeiten für den Garten eines Sommerpalastes durchgeführt. Johann Lukas von Hildebrandt übernahm die Planung, mit dem Konzept, einen Gartenpalast mit Flügelbauten, einen weiten Hofraum' mit einem nach Süden ansteigenden Garten und einem großen Bassin zu bauen. Im Westen des Unteren Belvederes entstand nun die Orangerie, die 1717 mit kostbaren ausländischen Gewächsen ausgestattet wurde. Im Garten Kaskaden, Springbrunnen (eine Windmühle wurde zum Antrieb des Wassers errichtet); wie ein Teppich lagen die Gartenanlagen zwischen Rennweg und Gürtel auf dem ansteigenden Terrain. Prinz Eugen, ein großer Tierliebhaber, ließ auch eine Menagerie mit seltenen Tieren einrichten.

1720 hatte sich Prinz Eugen entschlossen, den unteren Sommersitz durch einen repräsentativen Schlossbau von fast kaiserlichen Ansprüchen auf der Anhöhe eines Gartens zu errichten. 1721 wurde mit dem Bau des Oberen Belvederes begonnen: Johann Lukas von Hildebrandt wurde mit dem Vorhaben beauftragt und beendete den Bau 1724. Die gesamte Anlage des Belvederes stellt für die Jahre ihres Entstehens eine einmalige Verschmelzung von Garten und Wohnraum dar. Nach dem Tode Prinz Eugens 1736, erwarb der kaiserliche Hof die gesamte Anlage. Im April 1770 fand hier eines der glanzvollsten Feste statt: ein Maskenfest anläßlich der Hochzeit von Erzherzogin Marie Antoinette mit dem Dauphin, bei dem 6000 Gäste anwesend waren.

1776 wurde die kaiserliche Gemäldegalerie von der Stallburg in das Belvedere übersiedelt. Die Tiere der Menagerie wurden nach Schönbrunn gebracht. Während der Franzosenkriege 1805-09 wurde der Großteil der Gemäldesammlungen verlagert. 400 Gemälde wurden von Napoleon angefordert, jedoch nach seiner Niederlage bei Waterloo wieder retourniert. Damaliger Direktor war Heinrich Füger, sein Nachfolger Josef Rebell und dessen Nachfolger Peter Krafft.

1891 wurde das kunsthistorische Museum eröffnet und aus diesem Anlaß der Großteil der Gemälde dorthin übersiedelt. Im Kustodentrakt des Oberen Belvederes wohnte eineinhalb Jahre lang der Komponist Anton Bruckner und verstarb dort am 11. 10. 1896. Im Jahr 1900 wurde das Obere Belvedere als Wohnsitz für den Thronfolger Franz Ferdinand restauriert, teilweise mit neubarocker Einrichtung ergänzt und mit der Kunstsammlung der Familie Este ausgestattet.

Im Unteren Belvedere war 1899-1914 die Militärkanzlei des Thronfolgers untergebracht. Nach dem Tod des Erzherzogs wurden im Oberen Belvedere verschiedene Ausstellungen berühmter Maler gezeigt, wie Gustav Klimt, Oskar Kokoschka, Herbert Böckl, etc. 1919 gelangte die gesamte Anlage in den Besitz des Österreichischen Staates.

Richard Strauß lebte 1925-44 in einer Wohnung oberhalb des botanischen Gartens und vertonte hier „Blick vom Oberen Belvedere".

1938-40 fanden hier die „Wiener Schiedssprüche" statt: Die Festlegung der Grenzen zwischen Ungarn, Slowakei und Rumänien. 1940/41 wurde der „Dreierpakt" zwischen Deutschland, Italien und Japan unterzeichnet. 1944/45 wurden die Gebäude durch Bombentreffer schwer beschädigt, nach dem Zweiten Weltkrieg jedoch wieder vollständig aufgebaut. Welthistorische Bedeutung erlangte das Belvedere durch den am 15. Mai 1955 im Marmorsaal unterzeichneten österreichischen Staatsvertrag.

Das Obere Belvedere ist heute der Österreichischen Galerie eingeräumt. Im Unteren Belvedere ist das Österreichische Barockmuseum untergebracht. In der umgebauten Orangerie befindet sich das Museum mittelalterlicher österreichischer Kunst.


Eigentümer: Republik Österreich


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Schloss Belvedere - Foto: Alfred Havlicek
Schloss Belvedere - Foto: Alfred Havlicek
Schloss Belvedere - Foto: Alfred Havlicek
Schloss Belvedere - Foto: Alfred Havlicek


--> Oberes Belvedere (Video Album)

--> Unteres Belvedere (Video Album)

--> Schloss Belvedere (Community; 8 Bilder)


www.belvedere.at




Der Text und die Literaturangaben sind aus dem Buch 'Österreichisches Burgenlexikon - Schlösser, Burgen und Ruinen' (1991) von Georg Clam Martinic übernommen.

Literatur#

  • Czeike, Felix, Das große Groner Wien Lexikon, Wien 1974, Seite 399.
  • Dehio Wien, Dehio-Handbuch, Die Kunstdenkmäler Österreichs. Wien, von Justus Schmidt und Hans Tietze, neubearb. von Anton Macku und Erwin Neumann, revidiert von Ilse Frieser, sechste, verb. Auflage, Wien 1973, Seite 108ff.