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Auf Hirschjagd in der schönen Karlau#

Drei Tiergärten gab es einst bei Graz, in denen die Habsburger zu jagen pflegten – der letzte war in der Karl-Au.#


Von Robert Engele mit freundlicher Genehmigung der Kleinen Zeitung


Jagdschloss inmitten der Mur-Auen
Inmitten der Mur-Auen ließ sich Erzherzog Karl sein Jagdschloss errichten.
© KK

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass rund um die Karlau besonders viele Straßen und Wege nach Tieren benannt sind – Falkenhofgasse, Falkenturmgasse, Fasangartengasse, Fasanstraße, Fasanturmweg, Auf der Tändelwiese, Rebhuhnweg, Tiergartenweg, Reiherstadelgasse? Hier in der Karl-Au, einst eine üppige Aulandschaft südlich von Graz, die von den Wasserarmen der Mur durchzogen wurde, war das landesfürstliche Jagdgebiet, das ab 1664 zum dritten großen Tiergarten von Graz wurde.

Wenn hier aber schon der dritte Tiergarten war, wo waren die anderen zwei geblieben? Auf dem Ruckerlberg im Osten von Graz war der älteste Tiergarten der Habsburger gewesen. Friedrich III. schuf dann um 1450 nördlich vom Schloßberg ein neues Jagdrevier, das man sich im späteren Straßengeviert Wickenburgasse, Korösistraße, Lange Gasse, Grabenstraße vorstellen muss.

Damhirsche
Damhirsche waren das beliebte Jagdwild der steirischen Landesherren.
© WEINGATRNER

Man hatte es von den Hügeln in die Ebene verlegt, weil speziell Damwild gehegt wurde. Bald schon reichte die Weidefläche nicht mehr aus, sodass der Kaiser den Pfleger von Gösting beauftragte, jährlich große Mengen Heu zu liefern. Noch 1643 zählte man „unter dem Schloßberg“ 110 Damhirsche, aber mit den Kriegswirren von 1663 war alles zu Ende. Aus Angst vor den türkischen Truppen wurde vor der Stadt das Schussfeld (Glacis) frei gemacht. Die Bäume des „oberen“ Tiergartens wurden gefällt, die Damhirsche abgeschossen.

Ein Lustschloss in der Au#

Zum Glück hatte Erzherzog Karl schon um1570 im Süden von Graz einen dritten („unteren“) Tiergarten angelegt, der auch einen reichen Bestand an Damhirschen hatte. In Falkenhäusern wurden Falken aufgezogen und ein Reiherstadel stand nahe der Mur. Inmitten seines Jagdreviers ließ sich der Erzherzog ein Lust- und Jagdschloss bauen, das nach ihm Karl-Au genannt wurde und als Sommersitz Verwendung fand.

Das Schloss war prächtig mit Gemälden, kostbaren Möbeln, Teppichen und einer Waffensammlung ausgestattet. Da der Hof aber bald schon nach Wien zog, lag die Jagd brach und man erwischte immer wieder Grazer Studenten, die im Hoftiergarten verbotenerweise Jagd auf Fasane und Rebhühner machten, um auch zu einem leckeren Braten zu kommen. Kein Wunder, dass Maria Theresia keine rechte Freude mit diesem Treiben hatte. So befahl sie 1741, den Hoftiergarten aufzulassen. 1769 ließ sie im Schloss ein Arbeitshaus einrichten, das später zur Kaserne wurde und schließlich zum Provinzialstrafhaus. Dabei ist es auch geblieben – heute bildet das alte Schloss den Kern der Strafvollzugsanstalt Karlau und ist von außen nicht mehr zu sehen.



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© "Damals in Graz", Dr. Robert Engele