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„Das Bollwerk an des Reiches Grenzzaun“ #

1564 bis 1619: Graz wird zum zweiten Mal Residenzstadt und zur uneinnehmbaren Festung gegen die Türken ausgebaut. Der Landesfürst macht seine Hauptstadt wieder katholisch.#


Von Robert Engele mit freundlicher Genehmigung der Kleinen Zeitung


Graz von Süden
Graz von Süden um 1645, im Vordergrund drei der neuen Bastionen, Stich von Wenzel Holler
© KK

Als der Habsburgerkaiser Ferdinand I. 1564 starb, wurde das Erbe unter seinen Söhnen aufgeteilt. Der 24-jährige Erzherzog Karl erhielt Innerösterreich, also Steiermark, Kärnten, Görz, Triest und Teile Istriens. Mit seinem Regierungsantritt wurde das Land zum selbstständigen Staat, Graz erlebte seine größte Blüte: Als Residenzstadt von 1564 bis 1619 konzentrierte sich die gesamte weltliche und geistliche Macht des Landes in der Grazer Stadtkrone. Dort, wo rund 100 Jahre zuvor Kaiser Friedrich III. seine Stadtburg und den Dom errichtet hatte, erhielt die Stadt unter den Erzherzögen Karl und Ferdinand ihre architektonische Vollendung: Die Hof um Hof erweiterte Burg, der gotische Dom, das Mausoleum mit seiner manieristischen Fassade und der herrlichen Kuppellandschaft von Giovanni Pietro de Pomis, Alte Universität und Jesuitenkolleg prägen heute noch das Stadtbild.

Was die Karlau früher war #

Dazu wurde um 1576 das unter Domenico dell’Allio erbaute moderne Festungswerk fertig, das Graz vor der Türkengefahr schützte. Auch der Umbau des Schloßbergs von einer mittelalterlichen Burg zur militärischen Festung war nun abgeschlossen. Da Karl aber auch ein eifriger Jäger war, ließ er sich im Süden der Stadt ein Jagdschloss errichten, das bald schon nach ihm Karlau genannt wurde und heute ganz anderen Zwecken dient.

Damals entstand in Graz auch eine landesfürstliche Zentralbehörde. Viele Adelige und Wiener Beamte zogen in die Residenz und drängten die Grazer Bürger im Gesellschaftsleben zurück, was denKampf zwischen katholischen und evangelischen Christen widerspiegelt. Denn die Ära Erzherzog Karls II. war vor allem durch die Ausbreitung des Protestantismus und den Abwehrkampf gegen die Türken geprägt.

Gegen die Reformation#

Schon seit den 1530er-Jahren hatten sich die Grazer dem neuen evangelischen Glauben zugewandt, der steirische Adel war noch früher übergetreten, allen voran Landeshauptmann Sigmund von Dietrichstein. Das alles war Karl ein Dorn im Auge, er begann gezielte Gegenaktionen.

Erzherzog Karl II.
Erzherzog Karl II. ließ sich die Karlau als Jagdschloss bauen
© STEIERM. LANDESARCHIV

Unter Androhung schwerer Geldstrafen verbot er, die evangelische Stiftskirche, die man sich zwischen Murtor und Admonterhof vorstellen muss, zu besuchen. Ohne Erfolg. Also ließ er den Grazer Bürgermeister für eine Woche in Haft setzen, und höfische Aufpasser kontrollierten, wer zum Gottesdienst ging. Da nun aber ersichtlich wurde, dass fast die gesamte Grazer Bürgerschaft lutheranisch war, ergriff der Landesfürst einschnei- dende Maßnahmen. Weil er aber die Hilfe des protestantischen Adels gegen die Türken benötigte, räumte Karl 1572 dem Adel und seinen Untertanen die Kultus- und Gewissensfreiheit ein. Gleichzeitig aber rief er die Jesuiten ins Land, die 1585 ihre Universität als Gegenpol zur 1570 errichteten evangelischen Stiftsschule (heute Paradeishof bei Kastner und Öhler), wo der Mathematiker Johannes Kepler bis zu seiner Vertreibung um 1600 unterrichtete, gründeten. Zur Rekatholisierung des Landes förderte Karl nun die Einwanderung katholischer Italiener nach Graz.

Doch da starb der Erzherzog erst 50-jährig 1590. Von seinen 15 Kindern war der zwölfjährige Ferdinand zur Nachfolge berufen. Nach einer kurzen Statthalterschaft, welche die gespannte Lage etwas beruhigte, übernahm er 1596 die Herrschaft in Innerösterreich und setzte kompromisslos den Weg seines Vaters fort. 1598 wurde die evangelische Stiftskirche geschlossen, 1599 wurden die Prediger des Landes verwiesen. Im Juli 1600 mussten die Grazer dem Luthertum abschwören – oder Stadt und Land verlassen. Als aber 1619 Kaiser Matthias kinderlos starb, wurde sein Vetter Erzherzog Ferdinand zum Kaiser gewählt und zog als Ferdinand II. mit seinen Beamten nach Wien.

Der Glanz der Grazer Burg verblasste, große Teile, darunter die Prunktreppe Kaiser Ferdinands II., der übrigens im Mausoleum begraben liegt, wurden wegen angeblicher Baufälligkeit abgerissen. Der Rest der Burg ist seit 1922 Amtssitz des Landeshauptmanns von Steiermark.



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© "Damals in Graz", Dr. Robert Engele