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Das „Coliseum“ - eine Halle für alle #

Johann Benedikt Withalm, Abenteurer, Soldat und Baumeister, errichtete 1839 in Graz das spektakuläre Coliseum als Eventhalle.#


Von Robert Engele mit freundlicher Genehmigung der Kleinen Zeitung


Grazer Coliseum um 1840
Das Grazer Coliseum um 1840, kolorierter Stahlstich von Vinzenz Reim
© KK

In der Zeit des Biedermeier lebte in Graz ein unternehmungslustiger Mann namens Johann Benedikt Withalm (1771 – 1865). Er war der Sohn eines Baumeisters und hatte den Hang zu Abenteuer und Lebenslust. Daher verschlug es ihn bald schon in die Ferne, er bereiste Deutschland und Italien, wurde Offizier in der französischen Revolutionsarmee und kämpfte unter Napoleon in Russland.

In Graz ließ er sich schließlich ab 1817 als Architekt und Baumeister nieder und baute 1846 das „Eiserne Haus“ – aber das ist eine ganz andere Geschichte, die demnächst folgen wird. Ab 1820 betrieb er auch erfolgreich eine Firnis- und Farbenfabrik in der „Schönau“, das ist die Gegend des heutigen Pestalozzi-Gymnasiums.

Aber Withalm wollte Graz eine Sensation bieten, etwas noch nie Gesehenes und baute 1839 auf seinen Gründen das Coliseum, auch Benediktsburg genannt. Das war ein extravaganter Veranstaltungsort, eine richtige Eventhalle für alle, die etwa 3000 Leuten Platz bot und die man heute südlich der Zimmerplatzgasse suchen müsste. Dort, wo erst kürzlich auf dem Areal des alten Tierspitals neben der Gebietskrankenkasse neue Wohngebäude errichtet wurden.

Wegen seines zirkusartigen Kuppelbaus wurde das Gebäude nach dem römischen Colosseum benannt. Hier jagte nun eine Veranstaltung die andere, Konzerte, Bälle und Soireen wurden gegeben. 1843 war das Coliseum sogar Tagungsort der Naturforscher und Ärzte. Und zwischendurch quartierte man auch bis zu 1400 Soldaten ein, wenn sich die Grazer Bürger von der militärischen Einquartierungspflicht loskaufen wollten. Neben den Bierhallen gab es hier eine der damals so modernen Kaltwasseranstalten, es traten Kunstreiter und Akrobaten auf, ja sogar Beduinen holte Withalm zu einer Schau nach Graz. Die wohl größte Attraktion war aber das im Jänner 1841 veranstaltete Fest „St. Petersburg in Graz“. Auf der Wiese hinter dem Coliseum ließ Withalm einen 17 Meter langen Eispalast mit Büsten und Kronleuchtern ganz aus Eis errichten. Die Grazer waren aus dem Häuschen. Und im Jahr 1845 schrieb man Musikgeschichte, als der fast noch unbekannte Johann Strauß junior im Coliseum seine viel umjubelten Konzerte gab.

Aber bald schon wurde das eigenwillige Gebäude als Veranstaltungsort kaum noch genutzt, es wurde immer mehr zur ständigen Kaserne. Als jedoch in Graz immer mehr Kasernen errichtet wurden, benötigte man den Bau nicht mehr und das Coliseum wurde zum Bethaus der jüdischen Gemeinde, die seit 1861 wieder in Graz sesshaft werden durfte. 1919 wurde das Coliseum abgerissen.



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© "Damals in Graz", Dr. Robert Engele