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Die Jesuiten sind wieder da #

Bereits zum fünften Mal sind jetzt die Jesuiten nach Graz gekommen. Wie das? Ganz einfach, weil sie in ihrer turbulenten Historie drei Mal vertrieben wurden. #


Von Robert Engele mit freundlicher Genehmigung der Kleinen Zeitung


Jesuitenkolleg
Blick auf das Jesuitenkolleg und die alte Grazer Universität.
© KK
Ignatius von Loyola
Ignatius von Loyola, Gründer des Jesuitenordens
© KK
Kommunität
Die Kommunität ist nach dem schottischen Märtyrer John Ogilvie benannt, der um 1600 in Graz studiert hat
© KK

Ab 31. Juli gibt es wieder eine „vollwertige Niederlassung“ der Jesuiten in Graz. Seit 2007 hat hier schon eine „Statio“ bestanden, die nun zu einer „Kommunität“ mit eigenem Oberen erhoben wird.

Im Gegenzug werden sich die Jesuiten mit Jahresende aus dem Kärntner St. Andrä im Lavanttal zurückziehen. Der dortige Sitz wird verkauft, da mit Graz „ein neuer Schwerpunkt des Wirkens der Jesuiten in Österreich gegeben“ sei. Superior in Graz wird P. Albert Holzknecht, Sitz der „Kommunität“ ist das Haus Zinzendorfgassse 3 („John Ogilvie Haus“), das auch durch seinen „Asylstein“ bekannt ist. Die insgesamt vier Grazer Jesuiten werden als Studenten-, Gefangenen-, Krankenhaus und Familienseelsorger tätig sein. Ab Oktober wird einer der Patres auch im Pfarrverband Eggersdorf/Kumberg/St. Radegund aktiv werden.

Aber die Geschichte der Jesuiten in der steirischen Landeshauptstadt hat bereits mehrmals begonnen und geendet. Insgesamt sogar fünf Mal hat es einen Anfang gegeben, erzählt P. Holzknecht. Dann zögert er kurz. Er überlegt, ob er bei den Vertreibungen jene durch die Nazis mitrechnen soll. Aber Vertreibung ist Vertreibung und so sind es eben drei, entscheidet er.

P. Albert Holzknecht
P. Albert Holzknecht ist neuer Superior der Grazer Kommunität in der Zinzendorfgasse.
© ENGELE

Elitetruppe des Papstes #

Begonnen hatte alles um 1570, als die Jesuiten von Erzherzog Karl als stärkste Waffe der katholischen Kirche im Kampf gegen die Vormachtstellung des Protestantismus in der Steiermark ins Land geholt wurden.

Es war die unselige Zeit der christlichen Glaubenskämpfe. Zum besseren Verständnis muss man sich die Situation damals vor Augen führen: Von etwa 12.000 Grazern waren nur noch rund 200 katholisch, in der Steiermark war die Lage nicht viel anders. Dazu war die einzige höhere Schule des Landes die evangelische Stiftsschule im heutigen Paradeishof (K&Ö), wo bis 1600 bekanntlich auch Johannes Kepler unterrichtete. Die Lage war aus habsburgisch-katholischer Sicht prekär. Wie konnte das Land wieder „gut katholisch“ werden? In seiner Not wandte sich der Erzherzog an die Jesuiten.

Im März 1570 wurde P. Stephan Rimel für Fastenpredigten nach Graz geholt, um die Situation zu sondieren. Auf seine Initiative wurde am 3. Oktober 1573 die erste Niederlassung der Jesuiten gegründet. Sofort wurde eine Schule eröffnet – als Gegengewicht zur Stiftsschule. 1585 erfolgte die Erweiterung zur Universität. Der heutige Dom war die Jesuitenkirche, das heutige Bischöfliche Priesterseminar in der Bürgergasse ist im mächtigen Gebäude des alten Jesuitenkollegs untergebracht. Die alte Universität schloss sich gleich daneben an. Für arme Studenten wurde das Ferdinandeum gegründet, ein Adelskonvikt, und ab 1747 folgte ein Konvikt für arme Schüler – das Josephinum.

1680 war Graz katholisch #

Das Kolleg der Jesuiten hatte von Beginn an großen Zulauf – aber nicht aus Graz, sondern aus der Steiermark und aus den Nachbarländern von Kroatien bis Ungarn, von Polen bis Deutschland. Die Zahl der Studenten stieg von 363 im Jahr 1584 auf 1100 im Jahr 1618 und 1400 im Jahr 1749.

Dank der Jesuiten war um die Wende des 16. Jahrhunderts die katholische Partei in der Steiermark so stark, dass Kaiser Ferdinand II. 1598 die protestantische Schule aufheben und alle unbekehrbaren Protestanten vertreiben konnte – um 1680 war Graz wieder völlig katholisch. Dann schlug aber auch das letzte Stündlein der Jesuiten: Papst Clemens XIV. hob 1773 den Orden auf und beendete damit auch die Jesuitenuniversität in Graz.

Der politische Druck der Könige von Frankreich, Spanien und Portugal auf den Vatikan war zu groß geworden. Doch 1814 wurde die Aufhebung von Papst Pius VII. wieder rückgängig gemacht. Und 1829 waren die Jesuiten wieder da: Das Noviziat der Galizisch-Österreichischen Provinz übersiedelte 1832 in das verlassene Grazer Dominikanerkloster. Aber nur kurz. In der Revolution von 1848 wurden die Jesuiten abermals aus Österreich verbannt – sie wären schuld an den Unruhen, außerdem wären sie überflüssig, da für die Bildung der Jugend ohnehin gesorgt sei, war die Meinung des Zeitgeistes.

1852 wurde der Orden offiziell wieder in Österreich zugelassen. Nach Graz kehrte er erst 1886 mit Sitz in der Stiegenkirche zurück. 1939 wiesen die Nazis den Orden wieder aus. Nach dem Krieg kamen die Jesuiten zurück, mussten 1957 aber aus Personalmangel die Residenz in Graz auflösen. 2007 kamen die Jesuiten zum fünften Mal nach Graz.



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© "Damals in Graz", Dr. Robert Engele